Eins Plus und ZDFkultur stellen Sendebetrieb ein

20.10.2016 •

Die beiden Spartenfernsehkanäle Eins Plus und ZDFkultur sind zum 1. Oktober 2016 abgeschaltet worden, um den Weg für das neue öffentlich-rechtliche Online Angebot „Funk“ freizumachen. Funk richtet sich an die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen und wird zu zwei Dritteln von der ARD und zu einem Drittel vom ZDF finanziert (vgl. MK-Meldung).

Im Oktober 1997 hatte die ARD ihre Strategie „ARD Digital“ realisiert. Einer der damals gestarteten drei digitalen TV-Sender war Eins Muxx. Unter dem Motto „Mehr vom Ersten“ strahlte Eins Muxx das Programm von Das Erste zeitversetzt aus. Die anderen beiden Digitalprogramme waren Eins Extra (neuer Name seit dem 30. April 2012: Tagesschau 24) und Eins Festival (seit dem 3. September 2016: One). Eins Muxx wurde im Jahr 2005 in Eins Plus umbenannt, der Schwerpunkt wurde ab dieser Zeit unter dem Motto „Mehr fürs Leben“ auf Service-, Ratgeber- und Wissenssendungen gelegt; die Federführung für das Programm oblag dem Südwestrundfunk (SWR), der jetzt auch die Federführung bei Funk hat.

Im Jahr 2011 wurde im Rahmen des „SWR Entwicklungslabors Junge Formate“ eine intensive Zusammenarbeit von Eins Plus mit der jungen SWR-Radiowelle „Das Ding“ begründet und es kam zu einer weiteren programmlichen Umstrukturierung bei Eins Plus, so dass seit Mai 2012 vor allem am Abend die 14- bis 29-Jährigen angesprochen werden sollten. Dafür wurden beispielsweise Sarah Kuttner und Grimme-Preisträger Philipp Walulis unter Vertrag genommen.

Eins-Plus-Formate bei „Funk“

Als Digitalsender war Eins Plus im Fernsehen über Kabel, Satellit und DVB-T empfangbar, zusätzlich bestand ein YouTube-Kanal, der unter dem Motto „Fernsehen für dich!“ Clips und bestimmte Sendungen zur Verfügung stellte und zuletzt mehr als 60.000 Abonnenten zählte. Auch auf Facebook war Eins Plus aktiv, mit schließlich mehr als 70.000 Fans. SWR-Intendant Peter Boudgoust nannte es „Pionierarbeit“, die mit Eins Plus hinsichtlich der jüngeren Zielgruppe geleistet worden sei; dies solle künftig dem neuen Online-Angebot Funk zugutekommen. Tatsächlich sind einige der zuletzt für Eins Plus entwickelten Formate jetzt bei Funk zu finden, so zum Beispiel „1080nerdscope“ und „Headlinez“. Nachdem am Abend des 30. September mit dem Kinofilm „Das fünfte Element“ (22.00 bis 0.00 Uhr) die letzte Sendung im linearen Fernsehprogramm Eins Plus gelaufen war, wurde der Sender abgeschaltet, seine Facebook-Seite wurde gelöscht und auf dem YouTube-Kanal wird nun auf Funk verwiesen.

ZDFkultur war im Mai 2011 gegründet worden. Der Sender ging aus dem ZDF-Theaterkanal hervor, der wiederum zum digitalen Angebot des ZDF gehörte, das 1997 unter dem Strategienamen „ZDF Vision“ gestartet worden war und außerdem die Spartenprogramme ZDFneo und ZDFinfo umfasst. ZDFkultur richtete sich an die jüngere Zielgruppe der 20- bis 40-Jährigen und verstand sich laut Eigenbeschreibung als „Spiegelbild eines veränderten Lebensgefühls und Kulturverständnisses, das die Trennung zwischen Hochkultur und Popkultur aufhebt“. So war zum Beispiel Jan Böhmermann, bevor er zu ZDFneo wechselte, zuerst auf ZDFkultur zu sehen, damals mit einer vielbeachteten Gesprächssendung mit Charlotte Roche.

Ein Beschluss der Politik

Keine zwei Jahre nach der Gründung von ZDFkultur, im Februar 2013, kündigte ZDF-Intendant Thomas Bellut an, dass er das Programm einstellen wolle, als Grund wurden damals Sparmaßnahmen angegeben (vgl. FK-Heft Nr. 9/13). Weiter sagte Bellut damals, die „anerkannt innovativen Programmformate“ von ZDFkultur sollten von ZDFneo und 3sat übernommen werden“. Bereits seit 2014 sendete ZDFkultur nur noch ein Schleifen- und Wiederholungsprogramm. Die Eigenformate „Kulturpalast“, „Bauerfeind assistiert“ und „ZDF@Bauhaus“ haben seit 2014 einen neuen Sendeplatz bei 3sat gefunden.

Mit dem fünfminütigen Rückblick „Das war ZDFkultur“ am 30. September um 23.55 Uhr verabschiedete sich der Sender offiziell von seinen Zuschauerinnen und Zuschauern. In der kurzen Rückschau wurde insbesondere auf die kulturellen Themen Musik und Theater hingewiesen wie auch auf die Late-Night- und Satire-Shows des Senders. Als letzte Sendung hatte ZDFkultur zuvor von 19.15 bis 23.55 Uhr eine Übertragung von Wagners „Götterdämmerung“ gezeigt, aufgeführt von der katalanischen Theatergruppe La Fura dels Baus. ZDFkultur war nicht nur im linearen Fernsehen zu empfangen, sondern pflegte auch eine Facebook-Seite mit knapp 77.000 Fans; ein Post am 30. September 2016 zur Verabschiedung wurde noch über tausendmal geliket, bevor die Seite pünktlich mit der Abschaltung des Senders um 0.00 Uhr gelöscht wurde.

Am 17. Oktober 2014 war von der Politik im Rahmen der Ministerpräsidentenkonferenz entschieden worden, dass Eins Plus und das ohnehin zur Disposition stehende ZDFkultur zugunsten des neuen, von ARD und ZDF gemeinsam betriebenen „Jungen Angebots“ eingestellt werden sollen (vgl. FK-Heft Nr. 43-44/14). Die Ratifizierung des 19. Rundfunkänderungsstaatsvertrags, der unter anderem dies offiziell regelt, wurde am 21. September dieses Jahres abgeschlossen, so dass Eins Plus und ZDFkultur am 30. September um Mitternacht abgeschaltet wurden und das reine Online-Angebot Funk am 1. Oktober startete.

20.10.2016 – ce/MK