Online-Jugendangebot „Funk“ von ARD und ZDF am 1. Oktober 2016 gestartet

15.10.2016 •

15.10.2016 • Am 1. Oktober haben ARD und ZDF unten dem Namen „Funk“ ihr gemeinsames Online-Jugendangebot gestartet. Es richtet sich an die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen. Die Inhalte des neuen Jugendangebots werden über Drittplattformen wie YouTube, Facebook, Snapchat, Instagram verbreitet. Außerdem sind sie über die Internet-Seite von Funk (www.funk.net) und über die Funk-App abrufbar. Gestartet ist Funk mit rund 40 Online-Formaten, die sich nach Angaben von ARD und ZDF „nicht nach klassischen Genres sortieren lassen, sondern drei Nutzerbedürfnissen entsprechen: Informieren, orientieren und unterhalten“. Unter den nun abrufbaren Angeboten befindet sich auch das Format „frei.willig.weg“, das die katholische und evangelische Kirche zuliefern.

Die Ministerpräsidenten der Bundesländer hatten bereits im Oktober 2014 den Grundsatzbeschluss gefasst, dem zufolge ARD und ZDF im Internet ein eigenes Angebot für 14- bis 29-Jährige aufbauen dürfen. Im Oktober 2015 verständigten sich die Länderchefs über die konkreten staatsvertraglichen Regelungen für das Jugendangebot. Im Dezember vorigen Jahres unterzeichneten die Regierungschefs dann den 19. Rundfunkänderungsstaatsvertrag, der nach der Zustimmung aller Landtage in den vergangenen Monaten am 1. Oktober 2016 in Kraft getreten ist (vgl. MK-Meldung). Dieses Vertragswerk ist die rechtliche Grundlage für Funk. Mit der Staatsvertragsnovelle wurde unter anderem auch der Jugendmedienschutz novelliert (vgl. MK-Meldung).

Sponsoring- und werbefrei

Laut dem neuen Rundfunkstaatsvertrag soll das Online-Jugendangebot von ARD und ZDF „inhaltlich die Lebenswirklichkeit und die Interessen junger Menschen als Zielgruppe in den Mittelpunkt stellen“. Dadurch solle dieses Angebot einen besonderen Beitrag zur Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags leisten. Um die Finanzierung von Funk zu ermöglichen, wurden die Spartenfernsehkanäle Eins Plus (ARD) und ZDFkultur am 30. September eingestellt. Das Budget des neuen Jugendangebots ist auf maximal 45 Mio Euro pro Jahr begrenzt. ARD und ZDF haben den jährlichen Etat auf 43,7 Mio Euro festgelegt, wovon die ARD zwei Drittel (29,1 Mio Euro) trägt und das ZDF ein Drittel (14,6 Mio).

Seinen Sitz hat das Online-Jugendangebot in Mainz; federführender Sender ist der Südwestrundfunk (SWR). Geschäftsführer von Funk ist der 40-jährige Florian Hager, der zuvor ab 2002 für das ZDF und ab 2009 beim deutsch-französischen Kulturkanal Arte arbeitete, dort zuletzt als stellvertretender Programmdirektor und Hauptabteilungsleiter Programmplanung TV+Web. Stellvertretende Geschäftsführerin von Funk ist die 34-jährige Sophie Burkhardt, die vorher ab 2011 Programmreferentin von ZDF-Chefredakteur Peter Frey war. Bei Funk in Mainz arbeiten zehn fest angestellte und weitere 20 bis 30 freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Laut dem Konzept für Funk, das ARD und ZDF im vorigen Jahr erstellten und das vom SWR-Rundfunkrat und ZDF-Fernsehrat genehmigt wurde (vgl. MK-Meldung), versteht sich das Jugendangebot als Content-Netzwerk. Das heißt, nicht primär die eigene Startseite im Netz soll zur Verbreitung der Inhalte genutzt werden, sondern die bei jungen Menschen beliebten Online-Plattformen. Die Inhalte sollen „emotional und persönlich gestaltet“ werden. Ziel sei es, wie in dem Konzept weiter verankert wurde, „die junge Zielgruppe perspektivisch an das gesamte öffentlich-rechtliche Angebot heranzuführen – über die Nutzung des Jugendangebots hinaus“. Die Inhalte von Funk sind sponsoring- und werbefrei.

Auch Serien sind abrufbar

In ihrem Online-Jugendangebot dürfen ARD und ZDF auch ausländische Spielfilme und Serien verbreiten. Die Zeiträume zum Abruf dieser Inhalte sind „zeitlich angemessen zu begrenzen“, wie es im neuen Rundfunkstaatsvertrag heißt. Für den Kauf von Verbreitungsrechten für ausländische Filme und Serien im Netz haben ARD und ZDF im Etat des Jugendangebots ein jährliches Budget von 6 Mio Euro eingeplant. Zum Start von Funk sind über die App beziehungsweise über funk.net ausländische Serien wie „The Aliens“, „Banana“ und „Hoff the Record“ abrufbar. In den nächsten Wochen werden weitere Serien hinzukommen, darunter „Fargo“. Teilweise werden die Serien auch von den Fernsehsendern ZDFneo bzw. One (ARD) ausgestrahlt, mit denen Funk insofern kooperiert.

Zu den nun über Funk abrufbaren Online-Formaten gehört beispielsweise die Produktion „Jäger & Sammler“, die vom ZDF zugeliefert wird. Dabei handelt es sich nach ZDF-Angaben um „ein investigatives Format auf Facebook“. Die Macher arbeiten dabei mit der Redaktion des ZDF-Politmagazins „Frontal 21“ zusammen. Präsentiert wird „Jäger & Sammler“ von Nemi El-Hassan, Ronja von Rönne und Friedemann Karig. Daneben gibt es bei Funk unter anderem mit „Hochkant“ ein tägliches Nachrichtenformat für Snapchat, die Sportsatire „Wumms!“, die Sketch-Comedy „Gute Arbeit Originals“, das Musikformat „Bongo Boulevard“ und die Reihe „Kostas Kind“, in der der YouTuber Kostas Dennis Weiß etwa über das Erwachsenwerden redet. Im Format „Tatort – Die Show“, produziert vom Hessischen Rundfunk (HR), geht es um die ARD-Krimireihe, über deren aktuelle Folge am Sonntag direkt nach der Ausstrahlung diskutiert wird. Bei Funk ist auch das Gaming-Format „1080 Nerd Scope“ der drei YouTuber LeFloid, Frodo und RobBubble vertreten, das im August 2015 bei YouTube und im damaligen Programm Eins Plus gestartet war (vgl. MK-Meldung). Neue Formate sollen bei Funk kontinuierlich hinzukommen.

15.10.2016 – vn/MK

Print-Ausgabe 20-21/2019

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