Digitaler Fernsehempfang gewinnt weiter an Bedeutung 

16.10.2016 •

Neun von zehn Haushalten (92,3 Prozent) empfangen Fernsehprogramme in Deutschland inzwischen ausschließlich digital. Das ist ein Ergebnis des neuen Digitalisierungsberichts, den die Landesmedienanstalten am 6. September in Berlin vorgestellt haben. Lediglich etwa 3 Mio Haushalte (7,7 Prozent) nutzen heute noch ausschließlich analoges Fernsehen und bei knapp einer Million Haushalten (2,5 Prozent) kommen sowohl analoge als auch digitale TV-Empfangsgeräte zum Einsatz. Diese Zahlen ermittelte TNS Infratest im Auftrag der Landesmedienanstalten. Vom 2. Mai bis 21. Juni wurden zu diesem Zweck etwa 8200 Telefoninterviews geführt, deren Ergebnisse für etwa 69 Mio Personen in 39,4 Mio Haushalten repräsentativ sind (deutschsprechende Wohnbevölkerung ab 14 Jahren).

Während TV-Satellitenprogramme bereits seit 2012 ausschließlich digital empfangen werden können, erreichte die Digitalisierungsquote bei den Kabelnetzen Mitte des Jahres 82,1 Prozent. Vor allem viele ältere Fernsehzuschauer mit Röhrenfernsehgeräten und ohne Set-Top-Boxen nutzen noch immer analoge Kabelnetze. Beim Vergleich der unterschiedlichen Empfangswege bleibt der Satellitenempfang mit einem Anteil von 46,5 Prozent (17,7  Mio Haushalte) Marktführer vor dem Kabelfernsehen mit einem Anteil von 45,9 Prozent (17,5 Mio Haushalte). Der Anteil des digital-terrestrischen Empfangs (DVB-T) liegt bei 9,0 Prozent (3,4 Mio Haushalte), während 6,2 Prozent der Befragten (2,4 Mio Haushalte) auf Fernsehempfang per Internet (IPTV) setzen.

Online schauen statt mit dem Fernsehgerät

Mitte 2016 nutzte erstmals mehr als die Hälfte der Haushalte in Deutschland TV-Programme in HD-Qualität. Der Anteil nahm binnen eines Jahres um fünf Prozentpunkte auf 53,1 Prozent der TV-Haushalte zu. Bei den privaten Fernsehangeboten liegt der Anteil der Zuschauer, die die Programme in HD-Qualität schauen können, allerdings nur bei 19,8 Prozent. Grund dafür ist die Tatsache, dass für den HD-Empfang dieser Sender ein zusätzliches Entgelt fällig wird (5 Euro monatlich) und ein spezielles Empfangsgerät bzw. -modul erforderlich ist.

Dank der sogenannten Smart-TV-Geräte hat auch die Anzahl der Flachbildschirme zugenommen, die an das Internet angeschlossen sind. Dies ist mittlerweile in 45 Prozent aller deutschen Haushalte bei zumindest einem Fernsehmonitor der Fall (17,2 Mio Haushalte). Inzwischen steht zwar in etwa jedem vierten deutschen Haushalt ein Smart-TV-Gerät, jedoch ist noch immer fast ein Drittel dieser internetfähigen Flachbildschirme gar nicht an das World Wide Web angeschlossen.

Insgesamt gaben 71,2 Prozent der Zuschauer an, dass sie Bewegtbilder am liebsten in Form von linearen TV-Programmen schauen. Die Daten von TNS Infratest zeigen allerdings auch, dass das klassische Fernsehen bei den jüngeren Rezipienten an Bedeutung verliert. Die 14- bis 19-Jährigen nutzen lineares Fernsehen nur noch zu 46,6 Prozent und bevorzugen stattdessen zunehmend non-lineare Online-Angebote wie Videoportale, Streaming-Inhalte oder Video-on-Demand (VoD). Jeder zehnte deutsche Fernsehzuschauer (ab 14 Jahren) sieht mindestens einmal monatlich Streaming-Angebote von Amazon Video, etwa jeder zwanzigste von Netflix.

Beim Hörfunk dominiert immer noch UKW

Der Digitalisierungsbericht der Landesmedienanstalten weist auch wieder Zahlen zur Digi­talisierung des Hörfunks aus. Demnach verfügt etwa jeder achte Haushalt in Deutschland mittlerweile über ein Radiogerät für den digitalen Standardempfang DAB plus. Insgesamt nutzen etwa 9,5 Mio Menschen in Deutschland DAB plus, wobei die Marktdurchdringung in den Bundesländern Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg am höchsten ist. Mehr als ein Drittel der insgesamt etwa 3 Mio Geräte für DAB plus befindet sich in Autos. Mit bundesweit insgesamt annähernd 140 Mio UKW-Empfangsgeräten aber dominiert in Deutschland nach wie vor der analoge Radioempfang.

UKW bleibt mit einem Anteil von 74,3 Prozent die meistgenutzte Empfangsart für Hörfunk. Während die Verbreitungswege Kabel und Satellit für den Hörfunkempfang an Bedeutung verlieren, wird auch hier das Internet immer wichtiger. TNS Infratest erfasste etwa 4 Mio WLAN-Audiogeräte in deutschen Haushalten. Allerdings ist Web-Radio nur für knapp 6 Prozent der Bevölkerung die meistgenutzte Hörfunkempfangsart, wobei dieser Wert in den vergangenen drei Jahren laut Digitalisierungsbericht lediglich um 0,7 Prozentpunkte gestiegen ist. DAB plus nannten nur 3,4 Prozent als favorisierten Empfangsweg für Hörfunkprogramme.

16.10.2016 – mak/MK