Ines Pohl ab März 2017 Chefredakteurin bei der Deutschen Welle

10.07.2016 •

Ines Pohl, frühere Chefredakteurin der „taz“, übernimmt bei der Deutschen Welle (DW) am 1. März 2017 die Position der Chefredakteurin. Pohl, 49, arbeitet seit Ende 2015 bei der Auslandsrundfunkanstalt in deren Studio Washington als Korrespondentin (vgl. MK-Meldung). Anfang Juli vorigen Jahres hatte sie die Leitung der „taz“ nach sechs Jahren abgegeben. Als DW-Chefredakteurin wird Pohl die Nachfolge antreten von Alexander Kudascheff, der Ende Februar 2017 im Alter von 65 Jahren in den Ruhestand gehen wird.

Kudascheff wurde am 1. Januar 2014 bei der Deutschen Welle alleiniger Chefredakteur und verantwortet seither alle journalistischen DW-Angebote im Fernsehen, Hörfunk und Internet. Bis Ende 2013 gab es bei der Deutschen Welle zwei Programmdirektionen, eine für Fernsehen und eine weitere für Hörfunk und Internet. Beiden Direktionen war je eine Chefredakteursposition zugeordnet. Im Herbst 2013 hatte der damals bei der Deutschen Welle neu ins Amt gekommene Intendant Peter Limbourg mit Zustimmung der DW-Aufsichtsgremien entschieden, die beiden Programmdirektionen zu einer einzigen zusammenzulegen. In der Folge wurde somit eine zentrale Chefredakteursposition bei der Deutschen Welle geschaffen (vgl. FK-Hefte Nr. 45/13 und 48/13).

Zur Berufung von Ines Pohl zur künftigen DW-Chefredakteurin erklärte Limbourg, sie sei „eine hervorragende Journalistin und erfahrene Managerin“. Pohl werde bei der Deutschen Welle die „vielsprachigen Angebote weiter profilieren, konsequent plattformübergreifend ausrichten und damit die Transformation der DW zum digitalen Medienhaus unterstützen. Innerhalb kurzer Zeit hat sie sich hohe Wertschätzung in der DW erarbeitet.“ Limbourg würdigte zugleich Alexander Kudascheff als „einen Journalisten, der die DW über viele Jahrzehnte mit geprägt hat“. Er sei „der beste Chefredakteur, den die DW sich für die Zeit der internen Reformen und des Umbruchs wünschen konnte“.

Alexander Kudascheff, am 28. Mai 1951 in Buenos Aires als Sohn eines russischen Vaters und einer deutschen Mutter geboren, studierte Philosophie, Geschichte, Politik und Islamkunde in München, Hamburg und Köln. Sein Studium schloss er 1977 mit der Promotion zum Dr. phil. ab. Er volontierte bei der Deutschen Welle und arbeitete anschließend zunächst in der Nahostredaktion der Sendeanstalt. Später wurde Kudascheff Leiter der Innenpolitik, Chefreporter und schließlich Chefredakteur des deutschen DW-Hörfunkprogramms. Im Jahr 1998 übernahm er beim Sender die Leitung des Studios in Brüssel, im August 2007 wechselte er an die Spitze des DW-Hauptstadtstudios in Berlin. 2014 wurde Alexander Kudascheff dann Chefredakteur der Deutschen Welle.

Ines Pohl, geboren am 12. April 1967 in Mutlangen, studierte Germanistik und Skandinavistik in Göttingen. Nach ihrem Studienabschluss war sie zunächst einige Monate als Frauenbeauftragte an der Philosophischen Fakultät der Universität Göttingen tätig; zudem arbeitete sie als freie Journalistin. Im Jahr 1999 begann sie bei der Regionalzeitung „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ (HNA) in Kassel ein Volontariat. Bei der Zeitung, die im Jahr 2002 von der Ippen-Gruppe gekauft wurde, arbeitete Pohl anschließend als Redakteurin, später wurde sie dort Nachrichtenchefin. Zwischenzeitlich war sie in den Jahren 2004 und 2005 Stipendiatin der Nieman Foundation for Journalism an der Harvard University in Cambridge (Massachusetts).

Anfang 2009 wechselte Ines Pohl als Korrespondentin für mehrere Zeitungen der Ippen-Gruppe nach Berlin. Im Juli desselben Jahres wurde sie dann in der Nachfolge von Bascha Mika Chefredakteurin der „taz“. Diese Funktion gab sie Anfang Juli 2015 ab und wechselte dann mehrere Monate später zur Deutschen Welle.

10.07.2016 – vn/MK