Deutsche Welle: Mehr Kultur im deutschen Fernsehangebot

15.12.2015 •

15.12.2015 • Die Deutsche Welle (DW) wird ihr deutschsprachiges Fernsehprogramm inhaltlich überarbeiten und dort ab 2017 stärker kulturelle Themen berücksichtigen. Das Vorhaben trifft beim DW-Rundfunkrat auf Zustimmung. Das Gremium habe in seiner Sitzung am 20. November in Bonn erklärt, dass es die Auffassung teile, „das deutschsprachige TV-Angebot neu zu entwickeln“, und diesen Plan unterstütze. Das gab die Deutsche Welle am 22. November bekannt. In seiner Sitzung nahm der Rundfunkrat den von der DW-Geschäftsleitung vorgelegten Entwurf zur Fortschreibung der Aufgabenplanung der Auslandsrundfunkanstalt an.

Gemäß dem Deutsche-Welle-Gesetz hat der aus Steuergeldern des Bundes finanzierte Sender seine Aufgabenplanung – die aktuelle betrifft den Vierjahreszeitraum bis 2017 – jährlich fortzuschreiben. Die jeweiligen Entwürfe zur Überarbeitung der Aufgabenplanung sind dem Bundestag und der Bundesregierung zur Stellungnahme zu übermitteln. Die Rundfunkanstalt muss diese Entwürfe außerdem gegenüber der Öffentlichkeit bekannt machen, damit sich beispielsweise Mittlerorganisationen wie das Goethe-Institut auch dazu äußern können. Wann die Deutsche Welle ihren Entwurf für die überarbeitete Aufgabenplanung veröffentlichen wird, steht noch nicht fest.

In einem partizipativen Prozess

Wenn das deutschsprachige TV-Programm künftig stärker auf Kultur ausgerichtet werde, dann solle dabei vermehrt auf Eigenproduktionen gesetzt werden. Dafür plädierte laut Sendermitteilung der 17-köpfige DW-Rundfunkrat. Außerdem sollten auch geeignete Beiträge der öffentlich-rechtlichen Inlandssender einbezogen und so „die bewährte Kooperation mit ARD und ZDF fortgesetzt“ werden. In einem Workshop mit externen Experten hätten Gremien (Rundfunkrat und Verwaltungsrat), Geschäftsleitung und Mitarbeiter der Deutschen Welle „den Rahmen für diese Weichenstellung“ erarbeitet, hieß es weiter. Der DW-Rundfunkrat bat Intendant Peter Limbourg, bis Ende 2016 das deutschsprachige Fernsehprogramm „in einem partizipativen Prozess neu zu gestalten“. Anfang 2017 soll das Programm dann mit dem restrukturierten Angebot auf Sendung gehen.

In der aktuellen Fassung der DW-Aufgabenplanung – sie wurde im Februar dieses Jahres vom Rundfunkrat endgültig verabschiedet – wird für Fernsehen und Online journalistischen Inhalten in deutscher Sprache eine „zentrale Bedeutung“ zugeschrieben: „Im linearen deutschsprachigen TV-Angebot wird deshalb die Nachrichtenfläche ausgeweitet und klarer strukturiert. Ziel ist es, regelmäßig internationale Nachrichten in deutscher Sprache anbieten zu können.“ Die vorgesehene Neuausrichtung werde aber nicht zu Abstrichen im Informationsbereich führen, erklärte die Deutsche Welle auf MK-Nachfrage.

Die bisher bereits in der Aufgabenplanung bis 2017 beschriebenen Ziele und Schwerpunkte haben nach DW-Angaben weiterhin Bestand. Prioritär bleibe „eine signifikante Steigerung von Relevanz und Reichweite“. Mit Blick auf den ungelösten Russland-Ukraine-Konflikt, die Flüchtlingsthematik, die anhaltenden Bürgerkriege in der arabischen Welt sowie die zunehmende wirtschaftliche und politische Bedeutung Afrikas will die Deutsche Welle in den kommenden zwei Jahren einen stärkeren Fokus auf Sprachangebote für diese Regionen richten.

„Breaking-News-Fähigkeit“

DW-Intendant Peter Limbourg hatte wenige Wochen, nachdem er Anfang Oktober 2013 die Leitung der Deutschen Welle übernommen hatte (vgl. FK-Heft Nr. 41/13), drei zentrale Ziele ausgegeben. Erstens gehe es darum, „die Relevanz der Angebote“ für die neu festgelegte Zielgruppe der Entscheider und Teilnehmer an der politischen Meinungsbildung zu steigern. Zweitens solle die Reichweite auf allen Plattformen, insbesondere in der Zielgruppe, deutlich ausgeweitet werden, und zwar von damals 101 Mio auf 150 Mio wöchentliche Nutzer im Jahr 2017. Bis zu diesem Zeitpunkt solle die Deutsche Welle drittens „eine Spitzenposition unter den Auslandssendern erreichen und in die Top 3 aufrücken“ (vgl. FK-Heft Nr. 49/13).

Im Oktober dieses Jahres teilte die Deutsche Welle mit, dass aktuell 118 Millionen Menschen weltweit mindestens einmal wöchentlich ein Angebot der Deutschen Welle nutzten, sei es im Fernsehen, im Radio oder über den Online-Weg. Diese Zahl erschloss sich der Auslandssender über eine Hochrechnung auf der Basis von mehr als 60 repräsentativen Befragungen zur Nutzung seiner Radio- und Fernsehangebote. Die Daten zur Nutzung der Online-Angebote stammen der DW zufolge aus der Webanalyse und dem Monitoring der Nutzung in sozialen Netzwerken und auf weiteren externen Partnerplattformen.

Der DW-Rundfunkratsvorsitzende Prälat Karl Jüsten hob im Rahmen der Sitzung des Gremiums am 20. November hervor, dass es der Deutsche Welle bei der Berichterstattung zum Thema Flüchtlinge gelinge, „den Menschen einerseits ein realistisches, differenziertes Bild zu vermitteln, was sie in Deutschland erwartet, und ihnen andererseits die berechtigten Erwartungen der deutschen Gesellschaft zu spiegeln“. Die DW-Mitarbeiter seien sich in besonderem Maße „ihrer hohen Verantwortung bei diesem sensiblen Thema bewusst“. Der Rundfunkrat würdigte außerdem die Arbeit der DW-Akademie, die im vorigen Monat ihr 50-jähriges Bestehen feierte. Mit ihren Fortbildungs- und Beratungsangeboten für Medienschaffende unterstütze die Akademie in vielen Ländern demokratische und zivilgesellschaftliche Prozesse. Die von ihr verantworteten Deutsch-Sprachkurse leisteten auch einen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen, so der Rundfunkrat weiter.

Bund erhöht DW-Etat für 2016

Der Rundfunkratsvorsitzende Jüsten ging auch auf die Berichterstattung des Senders zu den Terroranschlägen in Paris ein. Diesbezüglich sagte Jüsten: „Die DW hat in Fernsehen und Internet eindrucksvoll ihre Breaking-News-Fähigkeit unter Beweis gestellt. Der von Intendant Peter Limbourg initiierte neue englische TV-Kanal hat seine erste Bewährungsprobe gemeistert.“ Die Deutsche Welle hat ihren neuen englischsprachigen Informationskanal DW am 22. Juni gestartet (vgl. MK-Meldung).

Zur Finanzierung ihrer Aktivitäten verfügt die Deutsche Welle im kommenden Jahr über mehr Geld. Denn der Bund erhöht seine Förderung. Darauf hatte sich die Regierung von CDU/CSU und SPD bereits im Februar dieses Jahres verständigt. Dadurch waren zuvor von DW-Intendant Limbourg erwogene drastische Einsparszenarien vom Tisch, die auf heftige Kritik in der Belegschaft gestoßen waren und im Sender große Unruhe ausgelöst hatten (vgl. FK-Heft Nr. 50/14 und diese MK-Meldung). Der Bundestag verabschiedete am 27. November den Bundeshaushalt für 2016. Aus dem Etat von Kultur- und Medienstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sind für die Deutsche Welle 291,3 Mio Euro (inkl. Mietzahlungen in Höhe von 7,2 Mio Euro) eingeplant – ein Zuwachs von 4,6  Mio Euro gegenüber 2015.

Außerdem erhält die Deutsche Welle aus dem Etat von Ministerin Grütters 2016 noch zusätzliche Projektgelder in Höhe von 10,5 Mio Euro: Erstens für die Berichterstattung in russischer und ukrainischer Sprache (3,5 Mio Euro), zweitens für die Berichterstattung zur Flüchtlingskrise und zum Ausbau von Deutsch-Kursen (4 Mio Euro) und drittens für technische Investitionen (3 Mio Euro). Gelder für bestimmte Projekte bekommt die Deutsche Welle seit Jahren außerdem auch aus dem Auswärtigen Amt und dem Bundesentwicklungshilfeministerium. Wie hoch die DW-Projektförderung dieser Ministerien für das kommende Jahr ausfällt, steht noch nicht fest. Der Rundfunkratsvorsitzende Jüsten erklärte, durch die vorgesehene deutliche Anhebung des DW-Etats werde sichergestellt, „dass der Sender seine wichtige Aufgabe im Interesse unseres Landes weiter in bewährter Weise erfüllen kann“.

15.12.2015 – vn/MK

Print-Ausgabe 23/2019

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