BLM verbietet „Pastewka“‑Folge wegen Schleichwerbung

05.02.2019 •

Der Streaming-Anbieter Amazon Prime Video will die Entscheidung der Medienaufsicht, dass Amazon eine Folge der Serie „Pastewka“ wegen Schleichwerbung nicht mehr verbreitet darf, nicht akzeptieren. Gegen die entsprechende Verfügung der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) werde Amazon Prime Video Einspruch einlegen, teilte das Unternehmen mit. Die in München ansässige BLM hatte am 21. Januar mitgeteilt, dass aufgrund eines Verstoßes gegen das Schleichwerbeverbot die vierte Folge der achten „Pastewka“-Staffel ab sofort nicht mehr zum Abruf angeboten werden dürfe. Zur Begründung hieß es seitens der BLM: „Die gesamte Folge ist – vor allem in Bezug auf die Marke Media-Markt – von häufigen und intensiven Darstellungen und Erwähnungen geprägt, die nicht programmlich-dramaturgisch begründbar sind“. Ein Bußgeld verhängte die BLM nicht.

Ende Januar 2018 hatte Amazon Prime Video die aus zehn Folgen bestehende achte Staffel für seine Kunden zum Abruf bereitgestellt. Seit dem 25. Januar 2019 ist bei Amazon die wiederum von der Produktionsfirma Brainpool hergestellte neunte Staffel von „Pastewka“ abrufbar. Deren vierte Folge, die jetzt von der BLM beanstandet wurde, trägt den Titel „Das Lied von Hals und Nase“. Die ersten sieben „Pastewka“-Staffeln waren vom privaten Fernsehsender Sat 1 im Zeitraum von 2005 bis 2014 ausgestrahlt worden. Im Februar 2017 hatte Amazon bekannt gegeben, die Serie mit Bastian Pastewka fortzusetzen. Der Verdacht, dass in der achten Serienstaffel Schleichwerbung betrieben werde, kam auf, da in den Episoden mehrere Marken, darunter auch die Elektronikmarktkette Media-Markt, prominent in die Handlung eingebettet sind. Die Folgen der Staffel wurden nicht mit dem Hinweis gekennzeichnet, dass sie Produktplatzierungen enthalten.

Kommerzielle Anbieter dürfen beispielsweise in eigenproduzierten Serien, sofern sie nicht primär an Kinder gerichtet sind, bezahlte Produktplatzierungen (Product Placement) einsetzen, müssen diese Sendungen dann aber entsprechend kennzeichnen. Brainpool hatte erklärt, die achte Staffel von „Pastewka“ enthalte keine bezahlten Produktplatzierungen. Media-Markt verwies darauf, das Unternehmen habe bei „Pastewka“ kein Product Placement gebucht. Brainpool habe einen Media-Markt als Drehort angemietet und dafür eine produktionsübliche Miete bezahlt.

Amazon will Rechtsmittel einlegen

Bis im Jahr 2018 klar war, dass die BLM für die Prüfung des Schleichwerbeverdachts bei „Pastewka“ zuständig ist, dauerte es mehrere Wochen. Zuvor war die luxemburgische Medienaufsicht eingeschaltet worden, da mehrere Amazon-Firmen, über die auch Geschäftsaktivitäten in Deutschland abgewickelt werden, ihren Sitz in Luxemburg haben. Im April 2018 stellte sich dann heraus, dass Amazons Streaming-Angebot für Deutschland redaktionell von der in München ansässigen Amazon Instant Video Germany GmbH verantwortet wird. In der Folge begann die BLM mit der Prüfung des Verdachts auf Schleichwerbung, die nun, rund neun Monate später, zu der Untersagungsverfügung an Amazon führte.

Laut BLM handelt es sich bei Amazon Prime Video um einen sogenannten audiovisuellen Mediendienst auf Abruf, für den das Schleichwerbeverbot des Rundfunkstaatsvertrags entsprechend gelte. Da Amazon angekündigt hat, rechtlich gegen die BLM-Entscheidung vorzugehen, müsste das Unternehmen seine Klage beim Verwaltungsgericht München einreichen. Dafür hat Amazon nun einen Monat ab Zustellung der Untersagungsverfügung Zeit. Die Frist läuft also in der zweiten Februar-Hälfte ab.

Zusätzlich könnte Amazon auch noch den Sofortvollzug der Untersagung vor Gericht anfechten. Dazu wäre, ebenfalls beim Verwaltungsgericht München, ein Antrag zu stellen. Mit einem solchen Antrag könnte Amazon versuchen, den Sofortvollzug der Verfügung außer Kraft zu setzen, um zu erreichen, dass die betreffende „Pastewka“-Folge in ihrer bisherigen Form weiterhin verbreitet werden darf, bis über die Klage gerichtlich entschieden ist. Wie das Unternehmen hier nun genau vorgehen wird, ist noch nicht bekannt. Amazon kündigte an, die von der BLM beanstandete „Pastewka“-Episode werde „in Kürze und für den Zeitraum, bis in der Sache entschieden wurde, gegen eine neue Version ausgetauscht“.

Bereits gegen die erste Staffel von „Pastewka“, die ab September 2005 von Sat 1 gezeigt worden war, hatte es Schleichwerbevorwürfe gegeben. Damals ging es darum, ob in den ersten beiden Folgen Schleichwerbung für die Fast-Food-Kette „Burger King“ bzw. die Deutsche Post/Postbank betrieben worden sei. So gab es Szenen, die an einem Drive-in-Schalter von „Burger King“ bzw. in einer Filiale der Deutschen Post/Postbank spielten. Die für Sat 1 zuständige Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK) sprach damals keine Beanstandung aus, sondern folgte der Auffassung der Produzenten und von Sat 1, dass die Comedy-Reihe davon lebe, dass Humor in der Alltagswelt dargestellt werde. Dazu gehöre es dann auch, dass an Originalschauplätzen gedreht werde. Die LMK hatte die Produzenten und den Sender damals aber aufgefordert, die Einbeziehung von Firmenmarken in der zweiten Staffel zurückzufahren (vgl. diese FK-Meldung und diese FK-Meldung).

05.02.2019 – vn/MK

Print-Ausgabe 10/2019

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