MA-HSH leitet wegen Werbeverstoß Verfahren gegen YouTuber „Flying Uwe“ ein

21.04.2017 •

Die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA-HSH) geht gegen über YouTube verbreitete Schleichwerbung vor. Wegen nicht gekennzeichneter Werbung sei gegen den Betreiber eines YouTube-Kanals ein medienrechtliches Verfahren eingeleitet worden, teilte die in Norderstedt ansässige MA-HSH am 27. März 2017 mit. Konkret richte sich das Verfahren wegen Verstoßes gegen die Werbebestimmungen des Rundfunkstaatsvertrags (§ 58 Abs. 3) gegen den YouTuber „Flying Uwe“.

Für fernsehähnliche Telemedien – also auch für über das Internet abrufbare Videos, die beispielsweise über die Plattform YouTube verbreitet werden, die zum US-Konzern Google gehört – gelten die Werbevorschriften des Rundfunkstaatsvertrags. Dort heißt es, dass Werbung „als solche klar erkennbar und vom übrigen Inhalt der Angebote eindeutig getrennt sein“ muss. Werbung sei „durch optische oder akustische Mittel oder räumlich eindeutig von anderen Sendungsteilen“ abzugrenzen. Außerdem gibt es Vorschriften für die Kennzeichnung von Produktplatzierungen, also wenn Produkte von Unternehmen gegen Bezahlung verwendet werden oder wenn Produkte von Firmen kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Für Verstöße gegen diese Vorschriften kann gemäß dem Rundfunkstaatsvertrag (§ 49 Absätze 1 und 2) eine Geldbuße von bis zu 500.000 Euro verhängt werden.

Fehlende Werbekennzeichnung

Unter dem Namen „Flying Uwe“ ist der 30-jährige Uwe Schüder bei YouTube aktiv. Er betreibt über die Videoplattform zwei Kanäle mit zusammen knapp 1,4 Mio Followern; sein Hauptkanal „Flying Uwe“ hat fast 1,1 Mio Anhänger. Als YouTuber begann der in Hamburg lebende Schüder, der sich selbst auch als „selbständiger Künstler“ bezeichnet, vor zehn Jahren; 2010 wirkte er auch in der Containershow „Big Brother“ (RTL 2) mit. Schüder, gelernter Maler und Lackierer, ist heute bei drei Firmen tätig, die in den Bereichen Fitnessbekleidung und Nahrungsergänzungsmittel aktiv sind.

Die MA-HSH wirft „Flying Uwe“ nun vor, in Videos über YouTube Eigenprodukte zu präsentieren, ohne dies jedoch als Werbung zu kennzeichnen. Damit verstoße er gegen rundfunkrechtliche Werbebestimmungen. Bereits im November 2016 habe die MA-HSH „Flying Uwe“ aufgefordert, einige seiner Videos und die zugehörigen Videobeschreibungen auf YouTube als Werbung kenntlich zu machen. Daraufhin seien Beschreibungen teilweise angepasst worden. Bei Videos, in denen der YouTuber Produkte eines Unternehmens präsentiere, dessen Geschäftsführer er sei, fehlten aber weiterhin Werbekennzeichnungen, monierte die Medienanstalt. Daher habe die MA-HSH jetzt ein medienrechtliches Verfahren gegen den YouTuber eingeleitet.

Die MA-HSH ist für die (werberechtliche) Kontrolle von Telemedien-Angeboten zuständig, deren Betreiber in Hamburg oder Schleswig-Holstein wohnen. Auch in elf weiteren Bundesländern obliegt den jeweiligen Landesmedienanstalten diese Aufsicht. Nur in den Bundesländern Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen sind die dort ansässigen Medienanstalten nicht für diese Kontrolle zuständig, sondern andere Behörden, in Niedersachsen beispielsweise das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Ihn „jetzt so an den Pranger zu stellen“

In einem auf YouTube am 28. März veröffentlichten Video wies Uwe Schüder alias „Flying Uwe“ gemeinsam mit seiner Assistentin – die auch seine Lebensgefährtin ist – die Vorwürfe der MA-HSH zurück. Er bekomme nicht zusätzlich Geld dafür, dass er Produkte seiner Firmen in den Videos erwähne, so der Hamburger. Es sei unfair, sagte Schüders Lebensgefährtin, ihn „jetzt so an den Pranger zu stellen“, denn man habe mit der Medienanstalt bezüglich der Vorwürfe in Kontakt gestanden. Schüder kündigte jedenfalls an, dass er ab jetzt generell jedes seiner Videos vor Beginn und am Ende mit dem Hinweis „Unterstützt durch Produktplatzierung“ kennzeichnen werde, auch wenn dies dann nicht bedeute, dass er für darin genannte Produkte eine Vergütung erhalten habe.

Die Landesmedienanstalten hatten im Oktober 2015 einen Leitfaden dazu veröffentlicht, in welchen Fällen und welcher Form Werbung in eigenproduzierten Online-Videos zu kennzeichnen ist (vgl. MK 22/15). Im vorigen Jahr wurde der Leitfaden aktualisiert, der gewissermaßen Mindeststandards gewährleisten soll. In dem Ratgeber wird anhand von mehreren Beispielfällen die Rechtslage erläutert (etwa am Fall der Präsentation eines selbst gekauften Produkts oder am Fall der Verwendung eines kostenlos von einem Unternehmen zugeschickten Produkts).

Erstellt haben die Medienanstalten den Leitfaden 2015 auf Basis von Gesprächen mit den größten hiesigen sogenannten Multi-Channel-Networks, die YouTubern bei der Vermarktung und Finanzierung ihrer Kanäle helfen und sie bei der Produktion von Inhalten unterstützen. Hinzu kam, dass Medien verstärkt über Vorwürfe wegen Schleichwerbung in über YouTube verbreiteten Videos berichteten, die vor allem bei jüngeren Menschen eine immer größere Publikumsresonanz erreichen.

Die MA-HSH gab jetzt außerdem bekannt, dass sie parallel zu dem gegen „Flying Uwe“ eingeleiteten Verfahren rund 30 YouTuber aus Hamburg und Schleswig-Holstein angeschrieben und sie über die Werbe- und Sponsoring-Bestimmungen informiert habe, die für YouTube-Videos gelten. Werbung müsse als solche leicht erkennbar und vom übrigen Inhalt der Angebote angemessen abgesetzt sein, so die Medienanstalt. Deren Direktor Thomas Fuchs verweist darauf, auch Werbung auf Plattformen wie YouTube unterliege rechtlichen Grenzen: „ Wer hier professionell tätig ist, muss sich an diese Regeln halten.“

21.04.2017 – vn/MK

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