Pastewka. 8-teilige Comedy-Reihe mit Bastian Pastewka (Sat 1)

Kommunikationsunfälle

23.09.2005 •

23.09.2005 • Prominente haben’s auch nicht leicht und Komiker sind nicht rund um die Uhr komisch. Das wussten wir natürlich alles schon. Und dazu hätte es die erschütternde Celebrity-Doku-Soap „Sarah and Mark in Love“ (Pro Sieben) nun wirklich nicht gebraucht. Aber jetzt gewährt auch noch Bastian Pastewka wöchentlich Einblicke in sein ganz privates Privatleben. Was natürlich Quatsch ist. Denn so bescheiden ist sein IQ denn doch nicht, um sich vor laufenden Kameras tatsächlich privat zu inszenieren. Vielmehr spielt Pastewka in seiner neuen Sat-1-Comedy-Reihe lediglich einen Komiker.

Was die Sache allerdings kompliziert macht, ist der Umstand, dass dieser Komiker Bastian Pastewka heißt und auch genauso aussieht wie sein Darsteller gleichen Namens. Doch das hört sich nun identitätslogisch komplizierter an, als es ist. Denn selbstverständlich gibt es hier ein ausformuliertes Drehbuch, ist die (Film-)Wohnung nicht die Behausung des Privatmanns Pastewka und seine (Film-)Freundin eine Schauspielerin. Andererseits hat (der echte) Pastewka in Interviews (und davon gab es reichlich) vor dem Start der Reihe immer wieder betont, dass in dem fiktiven Pastewka durchaus viel vom echten stecke. Was ungefähr die Brisanz vom Bekenntnis eines Autors hat, sein neuer Roman basiere irgendwie auch auf eigenen Erfahrungen. So ist das Rätsel um das Autobiografische in „Pastewka“ nicht mehr als ein nettes Verwirrspiel, das einem als Zuschauer gänzlich schnuppe sein kann. Letztlich geht’s allein um eine Frage: Isses lustig oder nicht?

Die Antwort ist ein klares „Jein“. Wer erwartet hatte, der Mann, der einst als tuntiger Brisko Schneider in der Sat-1-„Wochenshow“ seinen Durchbruch als TV-Komiker schaffte, würde hier ein Feuerwerk an Gags und treffsicheren Pointen abbrennen, wird einigermaßen ratlos vor der ersten Folge gesessen haben. Vielmehr versteht sich Pastewka inzwischen auf die Kunst, sich zurückzunehmen und unspektakuläre Alltagssituationen auf ihren komischen Gehalt hin abzuklopfen. Das war schon bei „Ohne Worte“ (RTL) so und erfährt hier noch einmal eine Steigerung. Im Wesentlichen dreht sich dabei alles um verunglückte Kommunikationsversuche. Dabei ist der Held von der vorwiegend traurigen Gestalt stets bemüht, Konflikten aller Art aus dem Weg zu gehen und dabei gelegentlich auch zur Notlüge zu greifen. Aber mit jedem Versuch, einer misslichen Lage möglichst elegant – gern auch mit einem unverfänglichen Scherz – zu entkommen, reitet sich Pastewka immer nur weiter in den Sumpf. Egal, ob es nun (wie in der ersten Folge) beim Gespräch mit seiner Freundin um eine gemeinsame Wohnung geht oder um seine Versuche, die maulfaule Teenie-Tochter seines Bruders aufzumuntern, – es geht am Ende gründlich in die Hose. Und wenn er auf die stete Frage „Wie geht’s?“ mit „Läuft“ antwortet, befindet er sich kurz vor dem Nervenzusammenbruch.

In der zweiten Episode legte sich Pastewka dann mit der Deutschen Post und dem Einwohnermeldeamt an. Dabei glückten ihm wahre Perlen an Kommunikationsunfällen, bei denen er bisweilen auch nur staunend danebenstand. Da herrschte seine forsche Managerin die Dame vom Einwohnermeldeamt an, ihrem Mandanten eine Vorzugsbehandlung zu gewähren, statt ihn endlos warten zu lassen: „Sie wissen schon, dass das Bastian Pastewka ist?“ Was Pastewka mit einem gequälten Dackelblick quittierte, der vor allem verriet, wie peinlich ihm das Gebaren seiner Managerin war. Was den Blick dann völlig kollabieren ließ, war die Antwort der Beamtin: „Und wenn Sie der Jürgen Drews wären..!“ Solch feingeschliffene tragikomische Kleinodien gab es in den ersten beiden Folgen von „Pastewka“ (Produktion: Minestrone TV und Brainpool TV) nicht durchgehend, aber doch immer wieder mal zu goutieren. Womit sich der Mime in einer Reihe mit Kollegen wie Christoph Maria Herbst („Stromberg“/Pro Sieben) und Olli Dittrich („Blind Date“/ZDF, „Dittsche“/WDR Fernsehen) wiederfindet und Anlass zu der Hoffnung bietet, dass die deutsche Comedy in absehbarer Zeit aus dem Tal der dösigen Pointenhuberei herausfinden könnte.

So gesehen ist „Pastewka“ auf jeden Fall ein Lichtblick. Ob es nach den ersten acht Folgen eine zweite Staffel geben wird, ist nach Auskunft von Sat 1 noch nicht entschieden. Aber die bisher sehr guten Quoten sprechen eine deutliche Sprache.

• Text aus Heft Nr. 38/2005 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

23.09.2005 – Reinhard Lüke/FK

Print-Ausgabe 6-7/2020

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