„Manhattan Transfer“ Hörspiel des Monats Mai

13.06.2016 •

Die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste hat die Produktion „Manhattan Transfer“ nach dem gleichnamigen Roman des US-amerikanischen Autors John Dos Passos zum Hörspiel des Monats Mai gewählt. Die Hörspielrealisation unter der Regie von Leonhard Koppelmann basiert auf der neuen deutschen Übersetzung von Dirk van Gunsteren. Die Einrichtung des Textes für das Hörspiel besorgte Leonhard Koppelmann zusammen mit seinem Co-Bearbeiter Hermann Kretzschmar, der auch die Komposition beisteuerte. Die Ursendung von „Manhattan Transfer“ erfolgte in drei rund 100-minütigen Teilen am 22., 26. und 29. Mai im Programm SWR 2 (jeweils 18.20 bis 20.00 Uhr). Neben dem federführenden SWR war der Deutschlandfunk Koproduzent des Hörspiels. Der Deutschlandfunk strahlt die Produktion in gekürzter Form (vier Teile à 50 Minuten) zwischen dem 7. und 28. Juni jeweils dienstags um 20.10 Uhr in seinem Programm aus. Zur Begründung ihrer Entscheidung, die sich auf die von SWR 2 ausgestrahlte Version bezieht, schreibt die Jury der Akademie:

«John Dos Passos’ für die amerikanische literarische Moderne wegweisender Roman „Manhattan Transfer“ ist in diesem dreiteiligen Hörspiel (das zeitgleich als Hörbuch veröffentlicht worden ist) in Deutschland wiederauferstanden. Denn mit der Produktion verbunden war eine neue Übersetzung, die – da die erste aus dem Jahr 1927 stammt – mehr als überfällig war. Sie bildet die Grundlage für dieses vielstimmige Hörstück, das die Wandlung New Yorks von der Einwanderstadt zur Weltmetropole in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts thematisiert.

Der Regisseur Leonhard Koppelmann hat sich entschieden, die radikale Multiperspektivität des Romans zugunsten einer stärkeren Fokussierung auf Dos Passos’ Hauptfiguren gelinde zurückzunehmen – ein, wie es scheint, für den akustischen Nachvollzug des Geschehens notwendiger Eingriff. Trotzdem bleibt diese Umsetzung des Romans in das Medium Hörspiel lebendig und unmittelbar genug, um die Vielstimmigkeit der Vorlage zu bewahren. Ein großartiges Ensemble von Sprechern – die Creme de la Creme deutscher Schauspieler/innen – macht „Manhattan Transfer“ zum Ereignis. Auch bei der musikalischen Gestaltung wurde nicht gespart. Hermann Kretzschmars atmosphärisch dichte Komposition wirft den vom Jazz geprägten Sound der Neuen Welt in der Interpretation des ‘Ensemble Modern’ und der HR-Bigband mit 100 kurzen Stücken als starke weitere Stimme hinein in diesen vibrierenden, zum Ende hin immer stärker von Desillusionen durchzogenen Melting Pot New York. Als syntaktisch-rhythmische Interpunktion webt sich die Musik wie ein Teil des Textes in das verbale Geschehen hinein und fügt ihm vor allem durch kleine Varianten einen spielerischen Fluss hinzu.»

Alle bisherigen Hörspiele des Monats im Jahr 2016

Januar

Ich dachte, in Europa stirbt man nie (RBB Kulturradio)

Autorin: Sarah Schreier, Regie: Alfred Behrens

Februar

Gadji Beri # 2016. Eine DADA-Radio-Oper (Deutschlandfunk/NDR/SWR/WDR)

Realisation (nach dem Lautgedicht von Hugo Ball): Wittmann und Zeitblom

März

Eugénie Grandet (Deutschlandradio Kultur)

Funkeinrichtung des Romans von Honoré de Balzac: Helmut Peschina, Regie: Marguerite Gateau.

April

The Tower of Babel (HR/NDR/RBB/SWR/BBC)

Autor/Regie: Robert Wilson

Mai

Manhattan Transfer (HR/Deutschlandfunk)

Funkeinrichtung des Romans von John Dos Passos: Leonhard Koppelmann und Hermann Kretzschmar, Regie: Leonhard Koppelmann

13.06.2016 – da/MK

Print-Ausgabe 6-7/2020

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