Deutscher Fernsehpreis ohne Fernsehübertragung

16.10.2015 •

16.10.2015 • Der Deutsche Fernsehpreis wird im nächsten Jahr in veränderter Form verliehen. Das neue Konzept der Stifter sieht die Veranstaltung nun als „Neujahrstreffen der Fernsehbranche“, wo „in lockerer Atmosphäre“ die Auszeichnungen für die besten TV-Leistungen des abgelaufenen Jahres vergeben werden. So ist es auf der Web-Seite des Deutschen Fernsehpreises nachzulesen. Die markanteste Änderung ist, dass die Fernsehpreis-Verleihung nicht mehr im Fernsehen ausgestrahlt wird. Erstmals wird die Preisvergabe nach dem neuen Konzept am 13. Januar 2016 (Mittwoch) in Düsseldorf stattfinden.

Stifter des Deutschen Fernsehpreises sind die Chefs der vier Sender, die den Wettbewerb ausrichten. Sie haben sich Mitte August auf den neuen Austragungsmodus geeinigt. Die Stifter sind WDR-Intendant Tom Buhrow, (für die ARD), ZDF-Intendant Thomas Bellut, RTL-Geschäftsführer Frank Hoffmann und Sat-1-Chef Kaspar Pflüger (als Nachfolger des jüngst bei dem Sender ausgeschiedenen Nicolas Paalzow). Bereits Anfang des Jahres hatten die Stifter verkündet, die Verleihung des Preises nicht in der bis dahin praktizierten Form fortzusetzen, sondern die besten und erfolgreichsten Produktionen bzw. Leistungen des zurückliegenden Fernsehjahres in kleinerer Form im Rahmen eines Branchentreffens würdigen zu wollen (vgl. MK-Meldung).

Abendliches Award-Dinner

RTL-Geschäftsführer Hoffmann, der für 2016 im Stifterkreis den Vorsitz innehat, wird hinsichtlich des Charakters des neuen Deutschen Fernsehpreises auf der Web-Seite des Wettbewerbs folgendermaßen zitiert: „Das Neujahrstreffen der Fernsehbranche soll ein Fest von Fernsehmachern für Fernsehmacher sein, ein herzliches Dankeschön für die Besten und Erfolgreichsten des Jahres. Wir haben den Preis neu gedacht und wollen die Freiräume, die der Wegfall der TV-Inszenierung bietet, konsequent nutzen. Der Fernsehpreis 2016 steht für einen Neuanfang dort, wo es nötig war, und für Kontinuität in der Würdigung der herausragenden Leistungen eines Fernsehjahres.“

Zur Neuausrichtung wurde zudem mitgeteilt, dass die Preisverleihung „als abendliches Award-Dinner“ stattfinden werde; Veranstaltungsort sind die Düsseldorfer Rheinterrassen. Auszeichnungen sollen in bis zu 25 Kategorien vergeben werden. Dabei seien „die kreativen Einzelleistungen wieder mit eigenständigen Auszeichnungen vertreten“. Gleichzeitig solle „eine gleichberechtigte Würdigung der Leistungen in Fiktion, Unterhaltung und Information ermöglicht werden“. Entsprechend solle die Programmsichtung und -vorauswahl verstärkt werden und durch drei Fachkommissionen in den Programmfeldern Fiktion, Unterhaltung und Information erfolgen. Gemeinsam würden die Kommissionen dann die Jury bilden, die über die Nominierungen und Preise entscheide.

Träger des Wettbewerbs und des Branchentreffs ist die Deutsche Fernsehpreis GmbH, deren Gesellschafter die Privatsender RTL und Sat 1 sowie die öffentlich-rechtlichen Sender WDR und ZDF sind. Die Geschäftsführung liegt weiterhin bei Dirk Jander (WDR). Den Beirat bilden Tom Sänger (RTL; Vorsitz), Taco Ketelaar (Sat 1), Jörg Schönenborn (WDR) und Reinhold Elschot (ZDF). Die Durchführung und Realisierung des Branchentreffs übernimmt die Produktionsfirma Kimmig Entertainment. Weiterhin ist das in Köln angesiedelte Ständige Sekretariat des Fernsehpreises für die Programmrecherche und die Begleitung der Programmauswahl verantwortlich.

Der Deutsche Fernsehpreis wird seit 1999 zur Würdigung herausragender Leistungen im TV vergeben. Die letzte Verleihung nach dem alten Muster mit einer großen, im Fernsehen übertragenen Gala fand im Oktober 2014 in Köln statt. In eine Krise, aus der er nicht mehr herauskam, geriet der Preis durch eine Strukturreform im Jahr 2010, als zahlreiche Gewerke-Kategorien abgeschafft wurden. Dies hatte enorme Proteste in der Branche zur Folge (vgl. FK 31/10 und 35/10). Zudem blieb die Übertragung der Preis-Gala ein Problempunkt zwischen den Sendern. Die Verleihung wurde zuletzt zu eher unattraktiven Sendezeiten als Aufzeichnung ausgestrahlt; auf eine Live-Übertragung konnten sich die Stifter ebenso wenig einigen wie auf eine klare Linie in Sachen Moderation. Allmählich kamen viele in der Branche zu der Einschätzung (oder Einbildung), dass der Deutsche Fernsehpreis weder von der Branche noch vom Publikum akzeptiert sei. Zwischenzeitlich sah es so aus, als werde der Wettbewerb ganz eingestellt, nun aber bleibt er als Branchentreff erhalten und es wird sich zeigen müssen, wie tragfähig das neue Konzept ist.

Nach der Strukturreform des Deutschen Fernsehpreises von 2010 hatte sich in Konkurrenz zu dem Senderwettbewerb zudem die Deutsche Akademie für Fernsehen (DAfF) gegründet, die seit 2013 eigene Auszeichnungen verleiht. Am Abend des 28. November (Montag) vergibt die Akademie im Filmforum NRW im Kölner Museum Ludwig ihre TV-Auszeichnungen zum dritten Mal.

16.10.2015 – MK