Hörspiel als Radiokunst: Karl-Sczuka-Preis 2015 für Gerhard Rühm

25.07.2015 •

Der Wiener Schriftsteller und Hörspielmacher Gerhard Rühm erhält den vom Südwestrundfunk (SWR) gestifteten Karl-Sczuka-Preis 2015 für Hörspiel als Radiokunst. Der 85-jährige Rühm, der auch als Komponist und bildender Künstler wirkt, erhält die Auszeichnung für sein Hörspiel „Hugo Wolf und drei Grazien, letzter Akt“. Titelheld des Radiostücks ist der österreichische Komponist Hugo Wolf (1860 bis 1903). Die mit 12.500 Euro dotierte Auszeichnung werde Rühm am 18. Oktober im Rahmen der Donaueschinger Musiktage 2015 verliehen, teilte der SWR am 24. Juli mit.

„Hugo Wolf und drei Grazien, letzter Akt“, eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks (WDR) und des Hessischen Rundfunks (HR), wurde am 13. Februar dieses Jahres im Programm von WDR 3 urgesendet (vgl. auch Kritik in MK 4/15). Das rund 40-minütige Hörspiel ist weiterhin über die Internet-Seite von WDR 3 zum Nachhören abrufbar. Gerhard Rühm, Pionier der konkreten Poesie und für den WDR „einer der produktivsten Realisatoren des Neuen Hörspiels“ erhält nun den Karl-Sczuka-Preis zum zweiten Mal. Im Jahr 1977 wurde ihm die Auszeichnung erstmals verliehen, und zwar für seine vom WDR hergestellte Produktion „Wintermärchen. Ein Radiomelodram“. Mit dem Westdeutschen Rundfunk und dessen „Studio Akustische Kunst“ ist Rühm seit vielen Jahren verbunden.

Ein berührendes Hörbild

Die Jury schreibt in ihrer Begründung zur Preisvergabe an Rühm für sein jüngstes Hörspiel „Hugo Wolf und drei Grazien, letzter Akt“: „Ausgehend von monovokalen Wortreihen nähert sich dieses ‘radiophone redeoratorium für sprecher, geräusche und klavier’ der letzten Lebensphase des Komponisten Hugo Wolf an. In konsequenter Fortführung klassischer Verfahren der konkreten Poesie gelingt Rühm eine Musikalisierung des sprachlichen Materials, die ein berührendes Hörbild von Hugo Wolf im Raum seiner späten Einsamkeit zeichnet. Das Stück, in dem Themen von Liebe und Tod, Erinnern und Vergessen durchscheinen, ist ebenso streng konstruiert wie spielerisch offen und schreibt die Geschichte der akustischen Kunst in besonderer ästhetischer Intensität fort. Ein radiophones Meisterwerk von gelassener Melancholie.“

Wie der SWR weiter mitteilte, geht der diesjährige Karl-Sczuka-Förderpreis in Höhe von 5000 Euro an Dagmara Kraus und Marc Matter für ihren lyrischen Geräuschtext „Entstehung dunkel“. Die Gemeinschaftsproduktion von WDR und SWR wurde am 14. November 2014 im Programm von WDR 3 urgesendet. Am 6. Januar dieses Jahres folgte die Ausstrahlung bei SWR 2 (vgl. auch Kritik in MK 2/15).

Der Karl-Sczuka-Preis gilt als international bedeutende Auszeichnung für avancierte Werke der Radiokunst. Die Auszeichnung wird seit 1955 vergeben, zunächst alle zwei Jahre, ab 1967 dann jährlich. Laut Satzung wird der Preis verliehen an die „beste Produktion eines Hörwerks, das in akustischen Spielformen musikalische Materialien und Strukturen benutzt“. Der Preis wird nun zum 54. Mal vergeben. Zu den früheren Preisträgern zählen unter anderem John Cage, Mauricio Kagel, Luc Ferrari, Ferdinand Kriwet, Urs Widmer, Heiner Goebbels und Friederike Mayröcker sowie Oswald Egger und Iris Drögekamp.

In diesem Jahr wurden nach Angaben des SWR insgesamt 71 Wettbewerbsbeiträge von Bewerbern aus 20 Ländern eingereicht. Über die Preisträger entschied am 23. Juli eine unabhängige Jury unter Vorsitz der ehemaligen Kulturstaatsministerin Christina Weiss. Weitere Mitglieder der insgesamt fünfköpfigen Jury waren der Autor Marcel Beyer, der Literaturwissenschaftler Michael Grote, der Komponist Helmut Oehring und die Kulturjournalistin Magarete Zander. Der 1955 vom damaligen Südwestfunk (SWF) in Baden-Baden gestiftete Karl-Sczuka-Preis ist benannt nach dem SWF-Hauskomponisten der ersten Nachkriegsjahre. Der SWF war 1998 mit dem Süddeutschen Rundfunk (SDR) zum Südwestrundfunk zusammengelegt worden. Seitdem ist der SWR der Stifter des Preises.

25.07.2015 – vn/MK