Donnepp-Preis: Ulrike Simon und Jochen Meißner geehrt

20.02.2015 •

Der mit 5000 Euro dotierte Bert-Donnepp-Preis ging in diesem Jahr an die Berliner Medienjournalistin Ulrike Simon. Mit der Besonderen Ehrung des Donnepp-Preises, die undotiert ist, wurde „Medienkorrespondenz“-Autor Jochen Meißner ausgezeichnet. Vergeben werden die Preise vom „Verein der Freunde des Adolf-Grimme-Preises“. Die Auszeichnungen wurden Ulrike Simon, 46, und Jochen Meißner, 48, am 3. Februar beim „Bergfest“ der Jurywoche des 51. Grimme-Preises in Marl überreicht. Der Bert-Donnepp-Preis war 1991 als Deutscher Preis für Medienpublizistik gestiftet worden. Er ist benannt nach dem Gründer des Marler Grimme-Instituts.

Ulrike Simon habe in den vergangenen Jahren in herausragender Weise Hintergründe und Zusammenhänge in deutschen Verlagen, in Sendern und in der Medienpolitik aufgedeckt und beschrieben, so die Jury in ihrer Begründung für die Preisvergabe. „Wenn ihr eigenes Medium im Mittelpunkt steht, ist vielen Verlegern und Chefredakteuren ein kritischer Journalismus plötzlich lästig. Sich als Journalistin, noch dazu als freiberuflich arbeitende, dagegen durchzusetzen, ist keine leichte Aufgabe. Ulrike Simon meistert sie seit Jahren und sorgt dafür, dass wir uns dank ihrer profunden Beobachtungen ein Bild davon machen können, wie es in deutschen Verlagshäusern zugeht, die im Zuge der Medienkrise zunehmend unter Druck geraten sind“, heißt es in der Begründung weiter.

Ulrike Simon begann ihre Karriere 1993 bei Branchenmagazinen wie „Text intern“ und „Der Kontakter“. Sie war anschließend mitverantwortlich für die Medienseite der in Berlin erscheinenden Zeitung „Der Tagesspiegel“. Danach war sie als Reporterin für die Tageszeitung „Die Welt“ tätig. Außerdem arbeitete sie freiberuflich unter anderem für das „Medium Magazin“, die „Berliner Zeitung“ und die „Frankfurter Rundschau“. Seit Anfang 2015 ist Simon Autorin für die Zeitungen der Verlagsgruppe Madsack (Hannover). Im vergangenen Jahr dokumentierte sie auf herausragende Weise die Umbrüche beim „Spiegel“.

Nachdem ihr in Marl im Rahmen einer Feierstunde der Preis übergeben worden war, hielt Ulrike Simon in ihrer Dankesrede der Branche auch den Spiegel vor. „Ich wünsche mir Mut und Gelassenheit von Chefredakteuren und Senderchefs: Sie sollen ihren Journalisten den Rücken stärken und sie zu kritischer Berichterstattung ermutigen. Und sie sollten gleichzeitig nicht so schnell die beleidigte Leberwurst spielen, wenn sie selbst Gegenstand von Kritik werden.“

Das bedrohte Hörspiel

Zur Begründung für die Besondere Ehrung für den Hörspielkritiker Jochen Meißner schrieb die Donnepp-Jury unter anderem: „Es gibt wohl kaum einen Zweiten in Deutschland, der wie Meißner die einzige radiophone Kunstform mit einer derartigen Intensität, Kenntnis und Beharrlichkeit begleitet und sie durch seine Beiträge immer wieder kritisch auslotet, erdet, durchdringt und auch feiert.“ Als Kritiker sei Meißner, der vor allem im Fachdienst „Medienkorrespondenz“ (bis Dezember 2014 „Funkkorrespondenz“) veröffentlicht, dabei „immer auch ein Ermunterer und ein zugleich Fordernder, der es sich, dem Hörspiel und den Lesern seiner Rezensionen niemals leicht macht, der niemals den bequemen Weg einschlägt“. Meißner sei, so heißt es weiter, „ein profunder Kenner des Hörspiels und des Mediums Radio, der seine Arbeit auf ebenso instruktive wie unterhaltsame Weise zu präsentieren weiß. Seine Hörspielkritik ist im Fall des Falles immer auch wieder Medienkritik und seine Website hoerspielkritik.de hat sich zu einem der wichtigsten Anlaufpunkte für Hörspielinteressierte entwickelt.“

In seiner Dankesrede für die Auszeichnung kritisierte Meißner, dass dem Hörspiel heutzutage nur noch eine mangelnde Beachtung zuteil werde. Im Gegensatz zu Theater oder Film sei „das Hörspiel aus dem kollektiven kulturellen Gedächtnis fast völlig verschwunden“. Die Gattung Hörspiel sei „allerdings auch innerhalb des Radios bedroht“, sagte Meißner und verwies diesbezüglich auf viefaltsgefährdende Vereinheitlichungstendenzen in den Radioprogrammen der ARD-Landesrundfunkanstalten und übertriebene Sparbemühungen im Hörspielbereich. (Die Dankesrede von Jochen Meißner ist im Dokumentationsteil der MK in vollem Wortlaut nachzulesen.)

20.02.2015 – MK

Print-Ausgabe 20-21/2019

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