Deutscher Radiopreis für BR-Sendung „Drei Religionen, ein Humor“

18.09.2015 •

18.09.2015 • In Hamburg wurden am 3. September wieder die besten Hörfunkproduktionen und Radiomacher des Jahres ausgezeichnet. Zum inzwischen sechsten Mal wurde im Rahmen einer Gala-Veranstaltung der Deutsche Radiopreis verliehen. Die unabhängige Jury des Grimme-Instituts unter dem Vorsitz des Medienjournalisten Torsten Zarges vergab Preise in insgesamt elf Kategorien. Die Auszeichnung für die beste Sendung ging an eine Ausgabe der im Programm Bayern 3 (BR) ausgestrahlten Sendereihe „Die Stefans“. Die beiden Moderatoren widmeten sich dabei dem Thema „Drei Religionen, ein Humor“.

Es sei ein starkes Zeichen, wenn sich eine Woche nach dem Attentat auf die französische Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ ein Jude, ein Christ und ein Moslem im Bayern-3-Studio bei den „Stefans“ treffen und gegenseitig Witze erzählen, sagte Laudator Rea Garvey zur Verleihung des Preises an die Moderatoren Stefan Schwabeneder und Stefan Kreutzer. Die Jury schrieb: „Unverkrampft, ohne Pathos und Zeigefinger kam so ein Stück Radio heraus, das eindrucksvoll bewies, dass das scheinbar Trennende, wenn man gemeinsam lacht und über sich selbst lachen kann, ganz schnell keine Rolle mehr spielt.“

Neue Kategorie: Beste Innovation

Beim Deutschen Radiopreis gab es in diesem Jahr zusätzlich die neu geschaffene Kategorie „Beste Newcomerin/Bester Newcomer“. Dadurch erhöhte sich die Gesamtzahl der Kategorien nun auf elf. Diesmal gingen sieben Auszeichnungen an öffentlich-rechtliche und vier an private Programme. Mit drei Preisen schnitt der WDR beim Wettbewerb 2015 am besten ab. Die Auszeichnungen sind undotiert. Für den Deutschen Radiopreis hatten in diesem Jahr insgesamt 37 öffentlich-rechtliche bzw. private Radiosender 366 Preisvorschläge eingereicht. Es war die bisher höchste Zahl an Einreichungen für den Deutschen Radiopreis (Vorjahr: 350). Aus den Einreichungen wählte die Jury für jede der elf Kategorien zunächst drei Nominierungen aus.

Der erstmals vergebene „Newcomer“-Preis ging an Julia Bamberg vom niedersächsischen Privatsender Radio FFN für ihre Abendsendestrecke. Sie moderiere „kenntnisreich und selbstbewusst, aber niemals selbstverliebt“, schrieb die Jury, „sie macht dabei nicht den Eindruck einer Newcomerin“. Julia Bamberg sei „ein Talent, das seinen Weg im Radio gehen wird“. In der Kategorie „Comedy“ erhielten Philipp Schmid und Jochen Drechsler den Preis für ihre Sendereihe „Prenzlauer Berg News“, in der sie beim Berliner Privatsender Kiss FM auf humorige und selbstironische Art schwäbische Nachrichten vom Berliner Kiez präsentieren.

Der Preis für die beste Reportage ging an ein Stück zum Thema „Schlepperbanden“, das im Programm des Berliner Privatsenders Spreeradio zu hören war. Ausgezeichnet wurden der Autor Toni Schmitt und die zuständige Spreeradio-Redakteurin Yvonne Fricke. „Auf eindrucksvolle Weise“, so die Jury hierzu, lasse der Reporter „Beteiligte sprechen: Flüchtlinge, Menschen, die Flüchtlinge betreuen, Mitarbeiter in Behörden, Bundespolizisten Schlepper, die über ihre skrupellosen Geschäfte berichten“. Das Stück „Schlepperbanden – Menschen werden Ware“ leiste Aufklärung und mache „zugleich deutlich, dass es bei diesem Thema keine einfachen und eindeutigen Antworten gibt“.

Solidarität mit Flüchtlingen

Den Preis für die beste Reportage überreichte der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler, der mit Blick auf die Aktualität der Flüchtlingsthematik sagte: „Deutschland macht zur Zeit eine sehr gute Präsentation, auch der Menschlichkeit, der Humanität. Das sieht die ganze Welt, das ist das wirkliche Deutschland – und nicht die rechtsradikale Kriminalität.“ Überhaupt war die Hamburger Preisverleihung in diesem Jahr eine Demonstration der Solidarität mit den Flüchtlingen. Stars wie die Schauspielerin Iris Berben und der Rockmusiker Udo Lindenberg machten sich bei der Preisverleihung für die Flüchtlinge stark und fanden klare Worte gegen Fremdenhass und Rechtsextremismus. Siham El-Maimoudi (WDR Funkhaus Eu­ropa), die als beste Moderatorin ausgezeichnet wurde, kam mit einem weißen Pullover mit dem Aufdruck „Refugees welcome“ („Flüchtlinge willkommen“) auf die Bühne, um ihren Preis entgegenzunehmen.

Der Beirat des Deutschen Radiopreises verlieh im Rahmen des Wettbewerbs zudem eine Sonderauszeichnung: Sie ging an die norwegische Rockband a-ha („Take On Me“), die für ihre drei Jahrzehnte lange „außergewöhnliche Karriere“ geehrt wurde. Dieser Preis war bereits vorher bekannt gegeben worden.

Die wie in den vergangenen Jahren wieder von Barbara Schöneberger moderierte Radiopreis-Gala am 3. September (Donnerstag), die vor rund 1000 Gästen im „Schuppen 52“ im Hamburger Hafen stattfand, wurde nach Angaben der Veranstalter bundesweit live von 67 öffentlich-rechtlichen und privaten Radiosendern sowie als Livestream im Internet übertragen. Als Aufzeichnung wurde die Preisverleihung überdies von allen Dritten Fernsehprogrammen der ARD ausgestrahlt.

Stifter des Deutschen Radiopreises sind die Hörfunkprogramme der ARD, das Deutschlandradio und die deutschen Privatradios. Zu den Kooperationspartnern zählen neben dem Grimme-Institut die Stadt Hamburg, die Radiozentrale (eine gemeinsame Plattform privater und öffentlich-rechtlicher Sender zur Stärkung des Hörfunks) sowie die beiden Radiovermarkter AS&S Radio und RMS. Die Federführung für den Wettbewerb liegt stets beim Norddeutschen Rundfunk (NDR). Im Folgenden alle Preisträger des Deutschen Radiopreises 2015 im Überblick:

 

Von der Jury vergebene Preise

Beste Sendung

Die Stefans: Drei Religionen, ein Humor! (Bayern 3/BR)
Der Preis geht an die beiden Moderatoren Stefan Schwabeneder und Stefan Kreutzer.

Beste Morgensendung

Die N-Joy Morning Show mit Kuhlage und Hardeland (N-Joy/NDR)
Der Preis geht an die beiden Moderatoren Andreas Kuhlage und Jens Hardeland.

Beste Reportage

Schlepperbanden – Menschenleben werden Ware (105.5 Spreeradio)
Der Preis geht an Toni Schmitt (Autor) und Yvonne Fricke (Redakteurin).

Bestes Interview

Zeichen & Wunder – Das Literaturgespräch (WDR 3)
Der Preis geht an Michael Kohtes (Interviewer) und Adrian Winkler (Redakteur) für das Interview mit dem Literaturkritiker Fritz J. Raddatz im Rahmen der Reihe „Zeichen & Wunder“.

Beste Innovation

PSR.likeme: Die mehr PSR App (Radio PSR)
Der Preis geht an die zuständigen Redakteure Matthias Pfaff und Marco Brandt.

Beste Programmaktion

Der Sonderzug nach Pankow (Radio Berlin 88,8/RBB)
Der Preis geht an Nina Siegers und Ron Perduss (zusammen redaktionell verantwortlich).

Bestes Nachrichten-/Informationsformat

SWR 3 Report: Jung – schnell – tot (SWR 3)
Der Preis geht an die beiden Autoren, SWR-3-Reporter Gregor Glöckner und SWR-3-Reporterin Katharina Jansen.

Beste Comedy

Prenzlauer Berg News (88.8 Kiss FM)
Der Preis geht an die beiden Comedians Philipp Schmid und Jochen Drechsler.

Beste Moderatorin

Siham El-Maimouni (WDR Funkhaus Europa) für die Präsentation der Sendereihe Süpermercado

Bester Moderator

Thorsten Schorn (WDR 1Live) für seine Sendereihe 1Live – Die Schorn Show

Beste Newcomerin/Bester Newcomer

Julia Bamberg (Radio FFN) für ihre Abendsendestrecke bei Radio FFN

 

Vom Beirat vergebener Preis

Sonderpreis des Beirats Bereich Musik

Die Auszeichnung geht an die Band a-ha.

Begründung des Beirats:

Es begann im Sommer 1985. Die Single „Take On Me“ ist aus dem Radio nicht mehr wegzudenken. Das Musikvideo, in dem reale Bilder zu einem Comic verschmelzen, gilt heute noch als einer der besten Videoclips aller Zeiten. Der Song wird ein Welthit, Sänger Morten Harket Mädchenschwarm und a-ha werden Superstars. Die drei Norweger haben seitdem mehr als 80 Millionen Tonträger verkauft, ihre Songs sind allein in Deutschland sechsfach gold- und sechsfach platinveredelt. Titel wie „Hunting High And Low“, „Crying In The Rain“ oder „Food of the Mountain“ werden seit vielen Jahren täglich im Radio gespielt. A-ha haben ein Gespür für eingängige Melodien. Ihre Hits haben sich ins ‘Popgedächtnis’ der ganzen Welt eingeschrieben. Seit 30 Jahren bewegen a-ha die Herzen der Radiohörer. Eine außergewöhnliche Karriere!

18.09.2015 – da/MK