Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis geht an Marietta Slomka vom ZDF

29.04.2015 •

Die ZDF-Journalistin Marietta Slomka, die bei dem öffentlich-rechtlichen Sender seit 2001 das „Heute-Journal“ moderiert, wird mit dem diesjährigen Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis ausgezeichnet. Der britische Journalist Eliot Higgins und das Team des Recherche-Netzwerks Bellingcat erhalten den Sonderpreis. Das gaben die Stifter des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises am 15. April bekannt.

Die Jury schrieb zur Begründung der Preisvergabe an Marietta Slomka, 45, unter anderem: „Ihre schnörkellosen, klaren und alltagsnahen Moderationstexte helfen den Zuschauern, auch schwierigste Sachverhalte besser zu verstehen. So wenig, wie Marietta Slomka ihren Interviewpartnern aus Politik und Wirtschaft die Flucht ins Ungefähre und ins Täuschende gestattet, so wenig gibt sie sich selbst mit den Floskeln der eiligen Nachrichtensprache zufrieden.“ Weiter hieß es, die Jury zeichne mit Marietta Slomka „auch die Haltung einer Journalistin aus, die Selbstbewusstsein mit dem Respekt vor Menschen und Themen verbindet und sich damit dem Glaubwürdigkeitsverlust des Fernsehjournalismus widersetzt. In dieser Haltung kommt Marietta Slomka dem nahe, womit Hanns-Joachim Friedrichs herausragte: Glaubwürdigkeit und Verständlichkeit.“

Recherche-Netzwerk Bellingcat

Zur Vergabe des Sonderpreises an den 1979 geborenen Eliot Higgins und sein Recherche-Team erklärte die Jury, Bellingcat zeige, dass man „im Kampf um die Wahrheit nicht auf verdeckte oder geheimdienstliche Informationen bauen“ müsse, sondern auch „mit öffentlichen und überprüfbaren Bildern und Fakten die Öffentlichkeit überzeugen“ könne. Weiter schrieb die Jury über Higgins und seine Mitstreiter: „Ihre Methode der weltweiten Vernetzung öffentlich zugänglicher Quellen und ihre kompetente und verantwortungsvolle Auswertung ist beste journalistische Aufklärung auf dem Schlachtfeld moderner Propaganda- und Verunsicherungskriege. Sie wirkt vor allem dort, wo das Klima des Misstrauens und der Verschwörung Platz gegriffen hat: im Internet.“ Die Jury hob hervor, sie würdige mit dieser Preisvergabe auch die Unterstützung, die Higgins und sein Team vielen – auch deutschen – Journalisten bei deren Recherchen gebe.

Der mit 5000 Euro dotierte Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus wird seit 1995 in Erinnerung an den früheren „Tagesthemen“-Moderator von einem rund 20-köpfigen Freundeskreis vergeben. Mit dem Preis werden jährlich Fernsehjournalisten für ihre kreative, kritische und unabhängige Arbeit ausgezeichnet. Zu den Mitgliedern der Jury zählen unter anderem Nikolaus Brender, Fritz Pleitgen, Ulrich Wickert, Klaus Bresser, Cordt Schnibben, Anne Will, Sandra Maischberger, Katharina Trebitsch und Ilse Friedrichs, die Witwe von Hanns Joachim Friedrichs. Der Hanns-Joachim-Friedrichspreis ist mit 5000 Euro dotiert, der Sonderpreis mit 2500 Euro.

In Zukunft will der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis, wie ebenfalls am 15. April bekannt gegeben wurde, auch herausragende Recherchevorhaben von Nachwuchsjournalisten des Fernsehens unterstützen. Dazu wird ab 2016 jährlich ein Förderstipendium in Höhe von 5000 Euro vergeben. Das Stipendium solle „inhaltlich bemerkenswerte, zeitaufwendige Recherchen junger Journalisten zu relevanten gesellschaftlichen oder politischen Themen anstoßen“, hieß es dazu. Es richte sich an TV-Nachwuchsjournalisten, die ihr 35. Lebensjahr noch nicht beendet haben und die der Freundeskreis, der als Verein organisiert ist, „explizit in ihrer Arbeit fördern möchte“.

29.04.2015 – da/MK

Glaubwürdigkeit und Verständlichkeit: Marietta Slomka, seit 2001 beim ZDF Moderatorin des „Heute-Journals“

Foto: Screenshot

Der Brite Eliot Higgins (Foto) und sein Recherche-Team Bellingcat erhalten den Sonderpreis

Foto: Screenshot (aus einer ARD-Dokumentation)