USA: „24“-Held Kiefer Sutherland in neuer ABC-Serie als unerwarteter US-Präsident

02.09.2016 •

02.09.2016 • Kein anderes Jahr als 2016 könnte geeigneter sein, um aus dem unbeugsamen Agenten Jack Bauer, der Hauptfigur aus der erfolgreichen Fernsehserie „24“ (Fox), einen unerwarteten US-Präsidenten zu machen. Während sich in der politischen Gegenwart der amerikanischen Nation gerade ein mit allen Mitteln geführter Wahlkampf zweier weitgehend unbeliebter und mit Misstrauen beobachteter Präsidentschaftskandidaten abspielt – Donald Trump vs. Hillary Clinton –, hat die Mehrheit des Volkes die Hoffnung auf einen Anwärter, den man wählt, weil man der Person vertraut, längst als unrealisierbaren Traum aufgegeben. Wer im November die Wahl zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewinnt, wird seinen Erfolg vornehmlich der Tatsache zu verdanken haben, dass die Wähler nicht wirklich für ihn oder sie gestimmt haben, sondern gegen die konkurrierende Person.

Wenn denn die Realität schon nicht in der Lage ist, dem Volk die Hoffnung auf einen idealistischen Außenseiter zu erfüllen, so muss wohl das Fernsehen in die Bresche springen. Mit einem untrüglichen Gespür für die richtige Serie zur richtigen Zeit hat das Network ABC gegen Ende des vergangenen Jahres die Produktion des politischen Thrillers „Designated Survivor“ angekurbelt und die Hauptrolle passend mit dem einzigen Serienhelden besetzt, dem das Publikum ein ganzes Jahrzehnt lang vor dem Bildschirm fiebernd als dem Beschützer zahlreicher Präsidenten und der ganzen Bevölkerung Aufmerksamkeit gezollt hat: Jack Bauer alias Kiefer Sutherland.

„Mr. Smith Goes to Washington“

„Designated Survivor“ (vgl. auch diese MK-Meldung) ist die wohl am ungeduldigsten erwartete Serie der Ende September beginnenden neuen TV-Saison der amerikanischen Broadcast-Networks. Dass der „Held“ dieser Serie in Anzug und Krawatte daherkommt statt im blutverschmierten Hemd wie bei „24“, mag zunächst gewöhnungsbedürftig sein; doch die Integrität, die der Hauptdarsteller Kiefer Sutherland ausstrahlt, dürfte auch in dieser so ganz anderen Rolle das Publikum von vornherein für ihn einnehmen. Sutherland spielt Tom Kirkman, einen der kleinsten und unbekanntesten Staatsdiener im Kabinett des neugewählten Präsidenten, einen Mann, der nie auch nur einen Gedanken daran verschwendet hat, selbst einmal US-Präsident zu werden. Doch genau das passiert ihm, als er der einzige Überlebende eines Terroranschlags ist, dem die gesamte Administration zum Opfer fiel.

Jon Harmon Feldman, der ausführende Produzent der neuen Serie, beschreibt „Designated Survivor“ als die Geschichte eines kleinen Politikers, der durch die Umstände in die Rolle des Mannes am bedeutendsten Hebel der Macht hineinwächst und der nie geahnt hat, dass er dazu tatsächlich fähig wäre. Blickt man zurück in die Filmgeschichte, so drängen sich einem zu allererst Figuren aus den Filmen Frank Capras auf, vor allem aus der in den USA bis heute verehrten und geliebten politischen Satire „Mr. Smith Goes to Washington“ (1939), in der James Stewart als naiver, aber grundehrlicher Pfadfinderführer zum zunächst verlachten Senator, dann aber allseits bewunderten Reformer in Washington wird. Kenner der sich entwickelnden Story von „Designated Survivor“ glauben, hier Elemente dieser Figur in einem zeitgemäßen Gewand zu entdecken, vermischt mit Qualitäten von Fernsehserien wie „The West Wing“ (NBC), „Homeland“ (Showtime) und „House of Cards“ (Netflix). Die erste Episode der mit Spannung erwarteten Serie wird in den USA am 21. September im ABC-Programm ausgestrahlt; die Serie beginnt damit gerade rechtzeitig vor der wenige Wochen später stattfindenden Präsidentenwahl.

02.09.2016 – Ev/MK

Print-Ausgabe 23/2019

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