USA: Erste Pilotfilme machen von sich reden

13.05.2016 •

13.05.2016 • Es ist wieder die Zeit, wo amerikanische Networks erste Kostproben ihrer für die nächste TV-Saison geplanten Serien vorzeigen. In früheren Jahren waren die sogenannten „May-Screenings“ große Ereignisse. Lukrative Verträge über die Platzierung von Werbespots wurden  abgeschlossen und dienten als Indikatoren dafür, welche Fernsehserien grünes Licht für einen Start im Herbst des Jahres erhielten. Pilotfilme entschieden gleichsam über Leben und Tod der in Angriff genommenen Projekte.

Heute ist die Situation für die rund 80 Pilotfilme, die nun um einen der begehrten Sendeplätze wetteifern, nicht mehr ganz so zugespitzt wie einst. Zu sehr haben sich die Sender von ihrem früheren Saisondenken abgewandt, ein Serien-Beginn im Herbst ist nicht mehr zwingend, denn die Networks starten neue Serien inzwischen zu jeder beliebigen Zeit des Jahres. Dass dennoch dem Saisonbeginn im September/Oktober und den geballten Screenings im Frühjahr davor Aufmerksamkeit gewidmet wird, hat inzwischen schon mehr mit Nostalgie zu tun als mit kommerzieller Notwendigkeit. Dennoch klammern sich die Broadcast-Networks ABC, CBS, NBC und Fox an ihre alte Tradition und auch die Fachpresse erwartet den bevorstehenden Ansturm von Pilotfilmen nach wie vor mit Neugier.

„24“ bei Fox ohne Kiefer Sutherland

Es werden gewiss weniger Pilotfilme sein, die in den jetzigen Mai-Wochen um einen Produktionsauftrag für eine Serie konkurrieren. Trotzdem dürfte die Konkurrenz groß sein, denn es geht ja nicht mehr allein um die Sendeplätze bei den Broadcast-Networks, sondern auch um eventuelle Chancen, die sich heutzutage mit Blick auf die Kabelsender und das Videostreaming bieten. Im Vorfeld wird in der US-Branche über einige Projekte bereits fleißig geredet und geschrieben.

Allen voran stößt das Projekt „24: Legacy“ auf gespannte Erwartung. Das Fox-Network hatte die kuriose Idee, die einstige Erfolgsserie „24“ wieder aufzugreifen, jedoch ohne die früheren Figuren und Darsteller, insbesondere ohne Hauptdarsteller Kiefer Sutherland als Jack Bauer. Was vom alten Konzept geblieben ist, ist der Ablauf des Geschehens in Echtzeit, über die Spanne von 24 Stunden verteilt. Auch die Produzenten sind dieselben, nämlich Joel Surnow und Robert Cochran. Stephen Hopkins, der in der Originalserie den Pilotfilm und die ersten Episoden inszeniert hatte, führt zumindest erst einmal beim neuen Pilotfilm von „24: Legacy“ wieder Regie.

ABC-Projekt mit Kiefer Sutherland

Aber das Ganze ohne Kiefer Sutherland? Der einstige Star, an dessen Person die ganze Serie hing, hat seine Beteiligung an der neuen Fox-Serie ein- für allemal ausgeschlossen. Er ist längst zu ABC übergelaufen, wo man ihm nicht einmal einen Pilotfilm für das Projekt „Designated Survivor“ abverlangt hat. Sutherland spielt in dieser neuen Serie einen Kabinettsangehörigen, dem laut Verfassung die Position des Präsidenten der Vereinigten Staaten zufällt, nachdem bei einem Terroranschlag sämtliche Anwärter auf das höchste Amt im Staat ums Leben gekommen sind.

Beim Network NBC spricht man am meisten von einem Spin-off des Kinofilms „Cruel Intentions“, der 1999 zu einem unerwarteten Publikumserfolg geworden war. In Deutschland lief der Film unter dem Titel „Eiskalte Engel“. Eine der Hauptrollen spielte Sarah Michelle Gellar. Der nach dem Briefroman „Les Liaisons Dangereuses“ („Gefährliche Liebschaften“) konzipierte Spielfilm entwarf ein Porträt damaliger Teenager, die aus reichem Elternhaus stammen und nach Einfluss und Sex streben. Der Pilotfilm zu der geplanten NBC-Serie soll nun 15 Jahre nach den Ereignissen des Kinofilms spielen. Sarah Michelle Gellar wurde abermals für eine Hauptrolle verpflichtet.

Auch CBS klammert sich an eine erfolgreiche Kinoproduktion und will dazu jetzt eine Serie folgen lassen: „Training Day“ war ursprünglich ein aus dem Jahr 2001 stammender Film, in dem Denzel Washington einen jungen Polizisten spielte, der in den Elendsvierteln von Los Angeles gegen die kriminellen Machenschaften seines eigenen Kollegen und Lehrmeisters ankämpfte. Neben Denzel Washington spielte Ethan Hawke die zweite Hauptrolle.

13.05.2016 – Ev/MK

Print-Ausgabe 23/2019

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