TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga: Rekorderlöse für die DFL

25.06.2016 •

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat mit dem Verkauf der nationalen Fernseh- und Internetrechte an der Bundesliga ein Rekordergebnis erzielt. In den vier Spielzeiten von 2017/18 bis 2020/21 wird die DFL durchschnittlich 1,159 Mrd Euro einnehmen. Im Vergleich zur laufenden vierjährigen Rechteperiode entspricht dies einem Anstieg von 85 Prozent. In den Spielzeiten von 2013/14 bis 2016/17 erlösen die DFL und damit die 36 Profivereine der ersten und zweiten Bundesliga im Schnitt 628 Mio Euro pro Saison (vgl. hierzu FK-Heft Nr. 16/12).

Im neuen vierjährigen Rechtezeitraum werden sich bei der DFL die Einnahmen aus den Medienrechten auf insgesamt 4,64 Mrd Euro belaufen, wie die Deutsche Fußball-Liga am 9. Juni anlässlich der Vergabe der Bundesliga-Rechte für die neue Periode bekanntgab. Hinzu kommen noch Erlöse aus dem Verkauf der Bundesliga-Rechte für den internationalen Markt. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert rechnet damit, dass die gesamten Rechteerlöse inklusive der internationalen Einnahmen ab der Spielzeit 2017/18 im durchschnittlich bei mindestens 1,4 Mrd Euro pro Saison liegen werden.

Kaum Änderungen bei Rechteinhabern

Daran, welche Sender hierzulande künftig live und in Zusammenfassungen über die erste und zweite Liga berichten können, wird sich ab August 2017 nicht viel ändern. Das ist das grundsätzliche Ergebnis der neuen Rechtevergabe. Der Pay-TV-Sender Sky überträgt die meisten Spiele der ersten und zweiten Liga live. Die ARD berichtet weiter in ihrer „Sportschau“ über die Partien am Samstagnachmittag. Und das ZDF kann in seinem „Aktuellen Sportstudio“ auch künftig über das Samstagabendspiel informieren. Zusätzlich hat das ZDF den Zuschlag für mehrere Live-Übertragungen pro Saison erhalten.

Verlierer der Verhandlungen ist das Unternehmen Sport 1, das im Fernsehen die Live-Rechte am Montagsspiel der zweiten Liga einbüßte. Und die Live-Rechte an der Bundesliga im Audio-Bereich verlor der Sender Sport1.FM an den Internetriesen Amazon, der die Spielübertragungen ab der Saison 2017/18 über sein Streaming-Angebot Prime Music verbreiten will. Prime Music ist Teil des „Prime“-Service von Amazon, der zur Zeit 49 Euro pro Jahr kostet und eine schnellere Lieferung von bestellten Waren ohne weiteres Porto und unter anderem auch den Zugriff auf Amazons Videostreaming-Dienst ermöglicht. Nach dem Rechteverlust droht Sport1.FM im Sommer 2017 das Aus. Im März 2013 hatte Sport1.FM dem Sender 90elf (Regiocast) die Audio-Rechte mit Beginn der Saison 2013/14 weggeschnappt. 90elf musste dann Anfang Juni 2013 seinen Betrieb einstellen (vgl. FK-Hefte Nr. 12/13 und 21/13).

Im Fernsehen wird Sky künftig 266 Spiele der Erstliga-Saison live zeigen. Für die Übertragung der übrigen 40 Begegnungen erhielt von der DFL mit dem Unternehmen Eurosport ein neuer Wettbewerber den Zuschlag. Bei dem Vierziger-Paket handelt es sich um die 30 Freitagabendspiele sowie um je fünf Partien, die künftig pro Bundesliga-Saison am Sonntagmittag und Montagabend stattfinden werden. Teil des nun von Eurosport erworbenen Rechtepakets sind darüber hinaus auch die Übertragungen von den vier Relegationsspielen zur ersten und zweiten Liga sowie vom deutschen Super-Cup. Eurosport, das zum US-Medienkonzern Discovery gehört, wird die Übertragungen über seine Pay-Plattformen vermarkten, darunter auch das On-Demand-Angebot Eurosport-Player (Abo-Gebühr derzeit: 6,99 Euro pro Monat).

Die Neulinge: Eurosport, Amazon und Perform

Sky verliert mit dem Beginn der übernächsten Saison das Recht, sämtliche 306 Partien der ersten Liga übertragen zu können. Das Bundeskartellamt hatte vorgeschrieben, dass die DFL beim Bezahlfernsehen an einen zweiten Anbieter Live-Rechte zu vergeben hat. Diese „No Single Buyer Rule“ will Sky vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf juristisch anfechten. Die 306 Spiele der zweiten Liga werden aber auch künftig bei Sky zu sehen sein, dann sogar allesamt exklusiv. Mit dem Beginn der Saison 2017/18 wird das Zweitliga-Spiel am Montagabend nicht mehr zusätzlich auch im frei empfangbaren Fernsehen übertragen. Diese Partie zeigt bis zum Ende der Spielzeit 2016/17 weiterhin der Sender Sport 1, der für dieses Rechtepaket ab August 2017 von der DFL nicht mehr berücksichtigt wurde.

Wollen Fußballfans ab August 2017 weiterhin alle Spiele ihres Vereins live sehen, benötigen sie zwei Abonnements – eines von Sky und eines von Eurosport. Obwohl Sky künftig weniger Bundesliga-Spiele übertragen kann – es sind rund 93 Prozent von insgesamt 612 Erst- und Zweitligapartien –, zahlt der Pay-TV-Sender dann deutlich mehr für die Bundesliga-Rechte. Sky lässt sich in der neuen Periode die Rechte im Schnitt 876 Mio Euro pro Saison kosten; im aktuellen Rechtezeitraum beläuft sich der Preis für Sky auf durchschnittlich 486 Mio Euro – es kommt somit zu einem Kostenanstieg um rund 80 Prozent für den Pay-TV-Sender. Was Eurosport für die TV-Rechte zahlen muss, ist bisher nicht bekannt.

Die ARD erhielt im Fernsehbereich von der DFL den Zuschlag für zwei Rechtepakete: Neben dem Recht auf die zusammenfassende Berichterstattung von der Erstliga-Partien am Samstagsnachmittag und am Freitagabend in der „Sportschau“ gehört dazu auch die Highlight-Verwertung der Erstliga-Spiele am Sonntag in der „Sportschau“, die in den Dritten Programmen ausgestrahlt wird. Pro Saison sind dies künftig 65 Begegnungen, an 30 Sonntagen je eine Partie um 15.30 Uhr und um 18.00 Uhr. Hinzu kommen an fünf Sonntagen noch Spiele, die um 13.30 Uhr beginnen. Im Hörfunkbereich kann die ARD weiterhin über die Bundesliga-Partien am Samstagnachmittag berichten, inklusive der Konferenzschaltung in den letzten 20 Spielminuten.

ARD verliert Live-Rechte ans ZDF

Die ARD verlor nun aber die Live-Rechte, die sie bisher an der Bundesliga im Free-TV besitzt. In der nächsten Saison 2016/17 zeigt die ARD letztmals das Eröffnungsspiel und den Rückrundenauftakt der ersten Liga sowie die vier Relegationsspiele zur ersten und zweiten Liga und den Super-Cup. Die Live-Übertragungen dieser Spiele im Free-TV sicherte sich für die vier Spielzeiten ab August 2017 nun das ZDF. Zusätzlich erhielt das ZDF von der DFL auch das Recht, eine Partie am letzten Spieltag der Hinrunde, dem letzten vor Beginn der Winterpause, zu übertragen. Was ARD und ZDF – deren Gremien den neuen Rechteverträgen noch zustimmen müssen – für diese Übertragungsrechte zu bezahlen haben, ist bislang nicht offiziell bekannt. In Medienberichten hieß es, die ARD bezahle für das neue Rechtepaket 134 Mio Euro pro Saison, das ZDF für seine Rechte 45 Mio Euro. Die ARD zahlt in der aktuellen Periode insgesamt 110 Mio Euro pro Saison für das gesamte Rechtepaket („Sportschau“ am Samstag im Ersten, „Sportschau“ am Sonntag in den Dritten Programmen und die Live-Übertragungen). Beim ZDF werden die Rechtekosten für das bisherige Paket auf rund 20 Mio veranschlagt. Der Fernsehanbieter Sport 1 bekam von der DFL jetzt lediglich noch ein Rechtepaket zugesprochen. Auch künftig kann Sport 1 am Sonntagmorgen und Sonntagnachmittag in seinen Sendungen „Bundesliga pur“ und „Doppelpass“ über die Bundesliga-Spiele berichten. Zwei Rechtepakete vergab die DFL noch nicht. Die Gebote dafür hätten nicht den Vorstellungen der DFL entsprochen, sagte Geschäftsführer Seifert. Bei den beiden Paketen handelt es sich um die Zusammenfassungen von der zweiten Bundesliga im Free-TV am Freitag und Sonntag sowie um die Free-TV-Zusammenfassung am Montagabend über alle Erst- und Zweitligapartien eines Spieltages. Möglicherweise wird Sport 1 noch versuchen, für diese Rechtepakete den Zuschlag zu bekommen.

Die Deutsche Fußball-Liga vergab außerdem noch ein Rechtepaket für Web- und Mobile-TV. Es enthält das Recht, ab der Saison 2017/18 Highlights aus allen 612 Begegnungen der ersten und zweiten Liga 40 Minuten nach dem Ende der Partien anzubieten. Die Clips müssen zunächst als Pay-Angebot vermarktet werden und können ab einem späteren Zeitpunkt auch frei zugänglich über das Netz angeboten werden. Dieses Rechtepaket, das bislang dem Springer-Konzern gehört, erhält künftig die Perform Group. Das in London ansässige Unternehmen betreibt hierzulande über seine deutsche Tochtergesellschaft beispiels­weise den Videodienstleister Omnisport und die Internetportale spox.com und goal.com. Perform will zusätzlich im Sommer unter dem Namen DAZN ein kostenpflichtiges Streaming-Angebot mit Sportinhalten starten, über das künftig dann die Bundesliga-Berichte abrufbar sein sollen. Für Springer haben sich offensichtlich, auch in Anbetracht der notwendigen hohen finanziellen Investition, die Erwartungen nicht erfüllt, die der Konzern in die Bundesliga-Spielberichte gesetzt hatte, um dadurch ein Zugpferd für das Bezahlangebot bei bild.de zu erhalten.

25.06.2016 – vn/MK

Print-Ausgabe 12/2019

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