Großbritannien: Rekordpreis für Fußball-TV-Rechte

20.02.2015 •

Die Premier League hat beim Poker um die Vergabe der Fernsehrechte für die erste englische Fußball-Liga einen neuen Rekordpreis erzielt: Von 2016 bis 2019 müssen die beiden Pay-TV-Anbieter Sky und BT Sport (British Telecommunications) insgesamt 5,136 Mrd Pfund zahlen. Das entspricht etwa 6,9 Mrd Euro. Für diese Summe erwarben die beiden Bieter die Live-Übertragungsrechte für Bewegtbilder von insgesamt 504 Partien (168 pro Saison). Das gab die Premier League am 10. Februar auf einer Pressekonferenz bekannt. Für weitere 204 Mio Pfund (275 Mio Euro) hatte sich kurz zuvor die BBC die sogenannten Highlight-Rechte der Spielzeiten 2016/17, 2017/18 und 2018/19 für das Free-TV gesichert (Spiel vom Samstagabend plus Zusammenfassungen).

Insgesamt finden in der englischen Top-Liga 380 Partien pro Saison statt. Ab der Spielzeit 2016/17 zeigt Sky davon 126 Begegnungen live und überweist dafür jährlich etwa 1,4 Mrd Pfund (1,89 Mrd Euro). BT Sport zahlt pro Spielzeit etwa 320 Mio Pfund (430 Mio Euro) und darf 42 Partien live übertragen. Umgerechnet pro Premier-League-Spiel ergeben sich ab 2016 für Sky Rechtekosten von durchschnittlich 15 Mio Euro pro Begegnung und für BT Sport von 10,2 Mio Euro pro Übertragung. Um leere Stadien zu vermeiden, bleiben bei Samstagsnachmittagsspielen der Premier League weiterhin Live-Übertragungen verboten. Neu ist, dass künftig auch am Freitagabend gespielt werden darf.

Sky und BT zahlen 70 Prozent mehr

British Telecommunications will mit der Ware Fußball vor allem die eigenen Breitband-Pakete besser vermarkten. Der harte Bieterwettstreit in England sorgte dafür, dass die Premier League den Rechtepreis im Vergleich zur aktuellen Saison um mehr als 70 Prozent in die Höhe treiben konnte. Zur Zeit müssen Sky und BT Sport für den laufenden Drei-Jahres-Vertrag insgesamt 3,018 Mrd Pfund (knapp 4,1 Mrd Euro) an die 20 Profi-Klubs der obersten englischen Fußball-Liga überweisen (vgl. FK 26/12). Der Preis der von der BBC genutzten Highlight-Rechte (Free-TV) stieg hingegen nur um 13,5 Prozent.

Die Premiere League verdient mit der Vermarktung von Übertragungsrechten künftig mehr als alle anderen Fußball-Ligen weltweit. Für die Auslandsvermarktung werden – zusätzlich zu den 6,9 Mrd Euro von Sky und BT Sport – weitere 2,6 Mrd Euro von 2016 bis 2019 erwartet. Pro Spielzeit kommen so insgesamt mehr als 3 Mrd Euro für die Premier League zusammen. Das entspricht etwa dem, was in Deutschland die beiden größten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten WDR und ZDF zusammen an Rundfunkbeiträgen erhalten.

Furcht vor Wettbewerbsverzerrung

Im internationalen Vergleich fürchten viele Fußballklubs bereits eine Wettbewerbsverzerrung. Der neue Geldsegen für die Premier League dürfte ihre 20 Vereine, die bereits in dieser Saison erstmals zusammen mehr als eine Milliarde Euro für neue Spieler ausgaben, schnell zu den reichsten Klubs Europas machen. In der Premier League fließt die Hälfte der TV-Erlöse zu gleichen Teilen an alle Vereine. Der Rest der Einnahmen aus den Fernsehrechten wird über ein spezielles System aufgeteilt, bei dem ein Viertel entsprechend der Tabellenplatzierung und ein Viertel gemäß der TV-Präsenz ausgeschüttet wird.

Zum Vergleich: Das Volumen des vierjährigen TV-Vertrages der Deutschen Fußball-Liga (DFL), der im April 2012 mit Sky, ARD und ZDF geschlossen wurde (vgl. FK 16/12) und zum Ende der Saison 2016/17 ausläuft, beträgt nur 2,51 Mrd Euro (im Schnitt 628 Mio Euro pro Spielzeit). Über die Verteilung der Fernsehgelder in Deutschland entscheiden nur die aktuelle Platzierung und das Abschneiden in den vergangenen drei Spielzeiten.

20.02.2015 – mak/MK

Print-Ausgabe 17/2019

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