Eine halbe Milliarde Euro für vier Jahre Bundesliga: Alle ARD‑Gremien stimmen neuem Fußball‑Vertrag zu

28.10.2016 • In der ARD haben jetzt alle Aufsichtsgremien den neuen, ab der Saison 2017/18 geltenden Rechtevertrag zwischen dem Senderverbund und der Deutschen Fußball-Liga (DFL) genehmigt. Die Gremienbefassung in allen neun Landesrundfunkanstalten sei gemäß den dort geltenden Regularien erfolgt, so dass „damit der Vorgang der Gremienzustimmung zum Bundesliga-Vertrag abgeschlossen ist“, erklärte Albrecht Hesse, Juristischer Direktor des Bayerischen Rundfunks (BR) in München, auf MK-Nachfrage. Der BR ist innerhalb der ARD federführend für Sportrechte-Angelegenheiten zuständig.

Als letztes Aufsichtsgremium stimmte am 30. September 2016 der Rundfunkrat des Südwestrundfunks (SWR) dem neuen Bundesliga-Vertrag der ARD mit der DFL zu. Als erstes Gremium hatte am 1. Juli der Rundfunkrat des Norddeutschen Rundfunks (NDR) den Kontrakt gebilligt. Die ARD hatte vorgesehen, dass deren Gremien die Befassung mit dem neuen Rechtevertrag bis spätestens Mitte Oktober abschließen. Im Juni hatte die ARD von der DFL den Zuschlag für ein Rechtepaket an der Fußball-Bundesliga für die vier Spielzeiten von 2017/18 bis 2020/21 erhalten (vgl. MK-Meldung). Der Vertrag zwischen DFL und ARD war unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Sendergremien geschlossen worden, wobei realistischerweise nicht zu erwarten war, dass die Zustimmungen ausbleiben würden.

Gesamtkosten pro Saison: 127 Mio Euro

Die ARD kann gemäß der Vereinbarung mit der Deutschen Fußball-Liga ab der nächsten Saison weiterhin am Samstag im Ersten und am Sonntagabend in den Dritten Programmen in ihren „Sportschau“-Sendungen über die Bundesliga-Spiele am Samstagnachmittag bzw. am Sonntag berichten. Beide Sendungen sind zu den Ausstrahlungsterminen im Fernsehen auch künftig über das Internet, (sportschau.de, daserste.de) empfangbar – allerdings nur für Nutzer in Deutschland, wie es die Geo-Blocking-Vorgaben der DFL vorsehen.

Die ARD verlor im Juni aber die Live-Rechte, die sie bisher noch an der Bundesliga im Free-TV besitzt. Diese Übertragungsrechte sicherte sich ab August 2017 das ZDF, das ab diesem Zeitpunkt das Eröffnungsspiel und den Rückrundenauftakt der ersten Liga sowie die vier Relegationsspiele zur ersten und zweiten Liga wie auch die Partie um den Super-Cup zeigen kann. Zusätzlich erhielt das ZDF von der DFL auch das Recht, ab der nächsten Saison 2017/18 eine Begegnung am letzten Spieltag der Hinrunde, dem letzten vor Beginn der Winterpause, zu übertragen.

Die ARD zahlt für das neue TV-Rechtepaket ab der Saison 2017/18 pro Spielzeit im Durchschnitt eine Lizenzgebühr von netto 113 Mio Euro an die DFL. Hinzu kommen netto weitere 5,8 Mio Euro pro Spielzeit als sogenannte „Servicepauschale“ zur Beteiligung an den DFL-Produktionskapazitäten; auf beide Beträge ist zusätzlich jeweils Mehrwertsteuer in Höhe von sieben Prozent zu entrichten. Brutto ergibt sich damit ein Gesamtbetrag von durchschnittlich 127,1 Mio Euro, den die ARD ab der Saison 2017/18 pro Spielzeit für das Rechtepaket an die DFL bezahlen muss (vgl. hierzu auch diese MK-Meldung). Für den Vierjahreszeitraum zahlt die ARD künftig also insgesamt eine halbe Milliarde Euro (genau: 508,4 Mio).

Die ARD zahlt ab der Saison 2017/18 für die TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga signifikant mehr als derzeit, da sich der Umfang der Rechte laut dem neuen Vertrag reduzieren wird. Gemäß dem derzeitigen Vertrag (inklusive der Live-Rechte) überweist die ARD an die DFL pro Saison durchschnittlich netto 105 Mio Euro als Lizenzgebühr; die „Servicepauschale“ beläuft sich auf weitere 4,6 Mio Euro pro Spielzeit. Zu den beiden Beträgen kommt jeweils die Mehrwertsteuer hinzu, so dass sich Gesamtkosten von im Schnitt 117,3 Mio Euro pro Saison ergeben und damit zusammen 469,2 Mio für die vierjährige Rechteperiode von der Saison 2013/14 bis zur Saison 2016/17.

Minutenkosten für die „Sportschau“: 40.000 Euro

Innerhalb einzelner ARD-Gremien gab es im Rahmen der Befassung mit dem neuen Bundesliga-Vertrag auch Diskussionen über den Sportrechteeinkauf des Senderverbundes. Der Rundfunkrat des WDR verwies in einer Mitteilung darauf, dass von Mitgliedern des Gremiums „hohe Rechtekosten und intransparente Vermarktungsmethoden von Sport-Großveranstaltungen wie Fußball und Olympische Spiele kritisiert“ worden seien. Mit Blick auf das hohe Zuschauerinteresse an Fußball habe der WDR-Rundfunkrat dann mehrheitlich dem neuen Bundesliga-Rechtevertrag zugestimmt, hieß es. Der Verwaltungsrat des Hessischen Rundfunks (HR) erklärte, das Gremium beobachte mit Sorge, „dass speziell die Rechtekosten für die Übertragung von Fußballereignissen exorbitant steigen und die Forderungen der jeweiligen Rechteinhaber eine kaum mehr vertretbare Größenordnung erreicht haben“.

Der Bayerische Oberste Rechnungshof (ORH) thematisierte in seinem im März 2016 veröffentlichten Sonderbericht über die Finanzlage des Bayerischen Rundfunks auch die Kosten der Samstags-„Sportschau“ mit der Berichterstattung über die Fußball-Bundesliga. Unter Verweis auf den Prüfungszeitraum 2006 bis 2010 hielt der ORH für diese Sendung fest: „Hier lagen die Minutenkosten bei über 40.000 Euro. Die Berichterstattung von der Fußball-Bundesliga kostete jährlich einen dreistelligen Millionenbetrag (Lizenzen und Produktion der ‘Sportschau’). Die Werbegesellschaften konnten diese Kosten nicht aus den Werbeerlösen refinanzieren. 61 Prozent der Lizenzkosten trugen die Landesrundfunkanstalten.“

Der ORH Bayern erklärte in dem Sonderbericht zu den BR-Finanzen weiter, dass „er für die Zukunft kaum noch Raum für Steigerungen der Lizenzkosten für Sportrechte“ sehe. Damit bekräftigte der Rechnungshof seine bereits im Jahr 2009 vertretene Position zu den Sportrechtekosten im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der ORH bestätigte im aktuellen Sonderbericht außerdem seine Auffassung, „dass beim Erwerb der Rechte eine deutlich zurückhaltendere Strategie geboten“ sei.

28.10.2016 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 24/2018

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