Erstes ARD-Gremium billigt neuen TV-Rechte-Vertrag zur Fußball-Bundesliga

08.07.2016 •

08.07.2016 • Innerhalb der ARD hat als erstes Aufsichtsgremium der Rundfunkrat des NDR den neuen TV-Rechtevertrag zur Fußball-Bundesliga genehmigt, den die ARD mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) abgeschlossen hat. Am 1. Juli stimmte der NDR-Rundfunkrat in seiner Sitzung in Hamburg dem ab der Saison 2017/18 geltenden Vertrag für die neue vierjährige Rechteperiode zu, wie die Sendeanstalt am selben Tag mitteilte. Im Juni hatte die ARD von der DFL den Zuschlag für ein Rechtepaket an der Fußball-Bundesliga für die vier Spielzeiten von 2017/18 bis 2020/21 erhalten. Die ARD kann demnach auch künftig am Samstag im Ersten und am Sonntagabend in den Dritten Programmen in ihren „Sportschau“-Sendungen über die Bundesliga-Spiele am Samstagnachmittag bzw. am Sonntag berichten. Der Vertrag zwischen DFL und ARD war unter dem Vorbehalt der Zustimmung der ARD-Gremien geschlossen worden (vgl. MK-Meldung).

Innerhalb des Senderverbundes müssen Rundfunkräte mehrerer ARD-Landesrundfunkanstalten dem Rechtevertrag zustimmen, damit er wirksam wird. Dazu gehören neben dem NDR-Rundfunkrat auch die Rundfunkräte des WDR, des SWR und des MDR. Finanziert wird der neue Bundesliga-Rechtevertrag der ARD von allen neun Landesrundfunkanstalten. Deren jeweiliger finanzieller Anteil ergibt sich aus dem sogenannten ARD-Fernsehvertragsschlüssel. Demgemäß hat der WDR mit 21,10 Prozent den größten Anteil, gefolgt vom SWR mit 18,20 und dem NDR mit 17,65 Prozent. Die geringsten Anteile haben laut dem ARD-Fernsehvertragsschlüssel die beiden kleinsten ARD-Sender: Beim Saarländischen Rundfunk (SR) sind es 1,25 Prozent, bei Radio Bremen 0,75 Prozent.

Die NDR-Rundfunkratsvorsitzende Ursula Thümler sieht in dem neuen Rechtevertrag zwischen ARD und DFL eine gute Nachricht für alle Fans der „Sportschau“, „auch wenn sich der Rechteumfang ein wenig verkleinert hat“. Die ARD verlor bei der jüngsten Vergabe durch die DFL die Live-Rechte, die sie bisher an der Bundesliga im Free-TV besitzt. Diese Übertragungsrechte sicherte sich ab der Saison 2017/18 das ZDF. Das Zweite kann künftig das Eröffnungsspiel und den Rückrundenauftakt der ersten Liga sowie die vier Relegationsspiele zur ersten und zweiten Liga und den Super-Cup zeigen. Zusätzlich erhielt das ZDF von der DFL im vorigen Monat auch das Recht, ab August 2017 eine Partie am letzten Spieltag der Hinrunde, dem letzten vor Beginn der Winterpause, zu übertragen.

119 Mio Euro Rechtekosten pro Spielzeit

Die ARD zahlt für das neue Rechtepaket im Fernsehen ab der Saison 2017/18 pro Saison nach MK-Informationen eine Lizenzgebühr von netto 113 Mio Euro an die DFL. Hinzu kommen netto weitere 5,8 Mio Euro pro Spielzeit als sogenannte „Servicepauschale“ zur Beteiligung an den DFL-Produktionskapazitäten; auf beide Beträge ist zusätzlich Mehrwertsteuer zu zahlen. Die Gesamtsumme für die ARD beläuft sich dann also auf 119 Mio Euro (plus Mehrwertsteuer). Die Deutsche Fußball-Liga lässt seit der Saison 2006/07 über ihre 100-prozentige Tochtergesellschaft Sportcast die Live-Bilder von allen Spielen der ersten und zweiten Bundesliga produzieren, zuvor war für diesen Zweck von der DFL eine externe Produktionsgesellschaft beauftragt worden.

Die ARD wollte sich auf Anfrage zu den Rechtekosten für den ab der Saison 2017/18 geltenden Bundesliga-Vertrag nicht äußern: „Wie in der Vergangenheit bereits kommuniziert, wird sich die ARD sowohl aus rechtlichen Gründen, sowie zum Erhalt der eigenen Wettbewerbsfähigkeit, zu diesen Zahlen nicht öffentlich äußern“, teilte der MK dazu Patric Nohe aus der ARD-Koordination Sport mit, die bei der ARD-Programmdirektion in München angesiedelt ist. Im Vergleich zum aktuellen Rechtevertrag zwischen der ARD und der DFL (für die Spielzeiten 2013/14 bis 2016/17) erhöhen sich ab August 2017 die Kosten für die ARD, das heißt, sie zahlt ab der übernächsten Saison für einen geringeren Rechteumfang signifikant mehr. Laut dem derzeitigen Vertrag überweist die ARD an die DFL pro Saison netto 105 Mio Euro als Lizenzgebühr; hinzu kommt noch die Servicepauschale von 4,6 Mio Euro pro Spielzeit (zu den Beträgen kommt jeweils die Mehrwertsteuer hinzu).

Am 30. Juni, einen Tag vor der Sitzung des NDR-Rundfunkrats, hatte der Rundfunkrat des WDR über den neuen Rechtevertrag beraten. Beim WDR ist in das Genehmigungsverfahren auch der Verwaltungsrat des Senders mit einbezogen. Einen Beschluss fasste der WDR-Rundfunkrat am 30. Juni noch nicht, da für die Beratung über den neuen Rechtevertrag zwei Sitzungstermine angesetzt wurden. Somit wird es erst in der nächsten Sitzung des Gremiums am 1. September in Köln eine Entscheidung geben. Der MDR-Rundfunkrat beispielsweise, der ebenfalls den Vertragsabschluss genehmigen muss, tagt erst wieder nach der Sommerpause am 5. September. Vorgesehen ist, dass die ARD-Gremien die Befassung mit dem neuen Bundesliga-Rechtevertrag bis Mitte Oktober abschließen.

08.07.2016 – vn/MK