Fußball-Bundesliga im Fernsehen: Künftig mehr Anstoßzeiten? 

06.03.2015 •

Die Nachricht, dass die Vereine der ersten englischen Fußball-Liga von August 2016 an durch den Verkauf der nationalen Fernsehrechte umgerechnet 2,3 Mrd Euro pro Saison erlösen werden (vgl. MK 4/15), sorgt hierzulande für Diskussionen. Angesichts der massiven Steigerung der TV-Einnahmen für die englischen Premier-League-Klubs befürchtet die Deutsche Fußball-Liga (DFL) international gesehen deutliche Wettbewerbsnachteile für die Fußball-Bundesliga in den kommenden Jahren. Derzeit nimmt die DFL aus dem Verkauf der nationalen TV-Rechte an der Bundesliga 2,5 Mrd Euro ein – für vier Spielzeiten. Diesen Betrag erzielt die Premier League künftig fast pro Saison. Vor diesem Hintergrund wundert es nicht, wenn Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung, „eine ehrliche Diskussion in der Liga“ darüber fordert, ob die Bundesliga mit Blick auf den neuen TV-Vertrag bereit sei, „notfalls auch unpopuläre Maßnahmen zu ergreifen, um weiter die besten Spieler der Welt in der Bundesliga zu halten“. Der derzeitige Rechtevertrag zwischen der DFL und den Sendern läuft noch bis zur Saison 2016/17. Im kommenden Jahr will die DFL das Verfahren zur Vergabe der Rechte ab der Saison 2017/18 starten.

Zu den von Seifert angesprochenen „unpopulären Maßnahmen“ könnte gehören, dass es künftig noch mehr verschiedene Anstoßzeiten für die Spiele der Ersten Liga gibt. Dadurch ließen sich, so wohl das Kalkül der DFL, höhere Erlöse für Spielübertragungen durch das Bezahlfernsehen erzielen. Derzeit erstreckt sich ein Bundesliga-Spieltag über den Zeitraum von Freitagabend bis Sonntagabend. Die Begegnungen werden zu fünf verschiedenen Terminen angepfiffen. Fünf Partien sind bisher stets für Samstagnachmittag angesetzt (15.30 Uhr). An den vier weiteren Terminen findet jeweils eine Begegnung statt.

Politik sieht keinen Handlungsbedarf

Sollten künftig zusätzliche Spieltermine eingeführt werden, dürften zwangsläufig weniger Spiele am Samstagnachmittag stattfinden – was die Attraktivität einer Zusammenfassung im frei empfangbaren Fernsehen, wie sie derzeit die ARD-„Sportschau“ am Samstagabend bietet, mindern würde. Ein anderes Szenario wäre das Folgende: Künftig gibt es eine Zusammenfassung der Erstliga-Spiele vom Samstagnachmittag im Free-TV nicht mehr wie derzeit einigermaßen zeitnah nach dem Abpfiff der Begegnungen in der ARD-„Sportschau“ und auch nicht mehr im bisherigen zeitlichen Umfang. Bereits bei der Vergabe der TV-Rechte für die laufende Periode hatte die DFL in der Ausschreibung die Möglichkeit vorgesehen, die Zusammenfassungen der Samstagsspiele zunächst über das Internet und über mobile Endgeräte anzubieten. Im Fernsehen wären Highlights der Spiele dann erst am späten Samstagabend (ab 21.45 Uhr) zu sehen gewesen (vgl. FK 3/12).

Die Politik sieht derzeit jedenfalls keinen Anlass, durch weitergehende Vorschriften in die Vergabe der Fernsehrechte an der Fußball-Bundesliga einzugreifen, damit eine zeitnahe Zusammenfassung im Free-TV von den Samstagsspielen im bisherigen Umfang auch künftig gewährleistet ist. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) verwies auf MK-Nachfrage auf den Rundfunkstaatsvertrag, in dem bereits geregelt sei, „dass allen Sendern ein Recht auf Kurzberichterstattung bei allen für die Öffentlichkeit wichtigen Ereignissen zusteht“.

Durch diese Vorgabe stellten die Länder sicher, dass die Bevölkerung über alle wichtigen Ereignisse informiert werden könne, erklärte die Ministerpräsidentin weiter. Diese Regelung gebe „den Sendern auch für künftige Verhandlungen mit der DFL eine gute Basis, um jenseits von gesetzlichen Ansprüchen zu individuellen vertraglichen Vereinbarungen zu gelangen“, so Dreyer: „Insofern hoffe ich, dass es wie bisher aufgrund entsprechender Vereinbarungen zwischen den öffentlich-rechtlichen Sendern und der DFL auch künftig möglich ist, den Zuschauerinnen und Zuschauern diese Informationen in der gewohnten Form der Zusammenfassung im Vorabendprogramm am Samstagnachmittag zu bieten.“

Der sächsische Staatskanzleichef Fritz Jaeckel (CDU) erklärte gegenüber der MK, es sei zwar wünschenswert, wenn es eine Zusammenfassung der Samstagsspiele im Free-TV auch künftig in der aktuellen Form gebe. Aber die Aushandlung der Verträge mit der DFL sei grundsätzlich Sache der Programmanbieter, „wobei dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk aufgrund seines umfassenderen Programmauftrags eine besondere Verantwortung zur Schonung seiner Ressourcen zukommt“. Auch Jaeckel sieht keinen politischen Handlungsbedarf in Sachen Bundesliga-Rechte: Das Recht auf Kurzberichterstattung sei „ein geeignetes Instrument, den Interessen von Sendern und Nutzern entgegenzukommen, ohne übermäßig in die Eigentumsrechte der Rechteinhaber einzugreifen“. Jaeckel weiter: „Wir müssen vorsichtig sein, dass wir bei allem Verständnis für die Fußballfans nicht beginnen, mit scheinbar populären Maßnahmen tragende Prinzipien unserer Wirtschaftsordnung auszuhöhlen: Diese basiert ganz entscheidend auf dem Prinzip der Vertragsfreiheit. Die Politik sollte das respektieren.“

06.03.2015 – Volker Nünning/MK