Bundesliga: Kartellamt prüft TV-Vergabekonzept der DFL

31.07.2015 •

Das Bundeskartellamt prüft derzeit das ab der Saison 2017/18 vorgesehene Konzept zur Vermarktung der Fernseh- und Internet-Rechte an der Fußball-Bundesliga. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat dem in Bonn ansässigen Kartellamt ihre Planungen für die Rechtevergabe vor, die im April 2016 erfolgen soll, von sich aus vorgelegt. Die DFL wolle mit diesem Schritt sicherstellen, „dass der Zuschnitt der Pakete und die Ausgestaltung des Vergabeverfahrens etwaigen kartellrechtlichen Bedenken Rechnung trägt“, erklärte Kartellamtssprecher Kay Weidner auf MK-Nachfrage. Die Prüfung befinde sich noch in einem frühen Stadium.

Das Kartellamt habe nun damit begonnen, Marktteilnehmer zum vorgesehenen Vermarktungskonzept der DFL zu befragen, so Weidner weiter. Angeschrieben würden insbesondere Rechteverwerter wie Sportrechteagenturen und Inhalteanbieter wie Fernsehsender. Wann die Prüfung abgeschlossen werden könne, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, erklärte der Kartellamtssprecher. Ihre Prüfung könnte die Wettbewerbsbehörde mit einem förmlichen Beschluss abschließen.

Befragung der Marktteilnehmer

Auch schon vor der Vergabe der Bundesliga-Rechte für die vier Spielzeiten 2013/14 bis 2016/17 hatte die DFL ihr Vermarktungskonzept dem Kartellamt zur Prüfung vorgelegt. Die DFL hatte 2011 der Behörde bestimmte Zusagen gemacht, die den Umfang der einzelnen Rechtepakete, den Verfahrensablauf und die Entscheidungskriterien bei der Rechtevergabe betrafen. Das Kartellamt hatte gegen das damalige Ausschreibungsprocedere keine Bedenken und im Januar 2012 die Zusagen der DFL in einer förmlichen Entscheidung für verbindlich erklärt (vgl. FK 3/12). Dieses Vorgehen sei damals sowohl von der DFL als auch von den Marktteilnehmern begrüßt worden, weil es dadurch ein größeres Maß an Rechtssicherheit gegeben habe, erklärte Kartellamtssprecher Weidner dazu nun gegenüber der MK.

Das jetzige dem Kartellamt vorgelegte Vermarktungskonzept sieht auch ein Szenario vor, bei dem die bisherige zusammenfassende Berichterstattung über die Samstagsspiele der Ersten Bundesliga im frei empfangbaren Fernsehen reduziert würde. Würde dieses Szenario umgesetzt, dann wäre eine Berichterstattung im Free-TV nur noch in der Zeit von 19.15 bis 20.00 Uhr zulässig. Bisher berichtet die ARD in ihrer „Sportschau“ am Samstag ab zirka 18.45 bis 20.00 Uhr über die grundsätzlich fünf Erstliga-Spiele vom Nachmittag. Hinzu kommt noch die Zusammenfassung des Freitagsspiels. Bevor in der „Sportschau“ am Samstag über die Erstliga-Spiele informiert wird, gibt es ab 18.30 Uhr Zusammenfassungen über Begegnungen der Zweiten Bundesliga vom Samstagnachmittag.

Die DFL plant außerdem, künftig womöglich pro Saison am Samstagnachmittag insgesamt zehn Erstliga-Spiele weniger als heute stattfinden zu lassen: Fünf Begegnungen sollen dann stattdessen am Sonntag um 13.30 Uhr beginnen, weitere fünf sollen am Montagabend (20.15 Uhr) angepfiffen werden. Pro Spielzeit gibt es insgesamt 306 Parteien. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert sagte in einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ (Ausgabe vom 9. Juli), dass die zusätzlichen Anstoßzeiten „aus sportlichen Gründen“ eingeführt werden könnten. Es sollen die Mannschaften, die in der Europa League spielen, entlastet werden, da sie dann nach einer Donnerstagspartie in dem europäischen Wettbewerb nicht schon wieder am Samstag in der Bundesliga antreten müssten.

Unter Zugzwang wegen Premier-League-Deal

Derzeit erstreckt sich ein Bundesliga-Spieltag über den Zeitraum von Freitagabend bis Sonntagabend. Die Begegnungen werden zu fünf verschiedenen Terminen angepfiffen. Fünf Spiele sind bisher am Samstagnachmittag angesetzt (15.30 Uhr); an den vier weiteren Terminen findet jeweils eine Partie statt (freitags um 20.30 Uhr, samstags um 18.30 Uhr, sonntags um 15.30 und 17.30 Uhr). Hintergrund für die jetzigen Überlegungen der DFL, die Free-TV-Berichterstattung über die Bundesliga einzuschränken und zusätzliche Anstoßzeiten einzuführen, ist aber auch, dass sie aus der Rechtevergabe deutlich mehr Geld einnehmen will als bisher. Mehr Exklusivität für Pay-TV-Sender könnte zum Beispiel dazu führen, aus diesem Segment künftig mehr Geld zu erhalten.

Dass die Vereine der englischen Premier League von August 2016 an durch den Verkauf der nationalen Fernsehrechte umgerechnet 2,3 Mrd Euro pro Saison erlösen werden und damit 70 Prozent mehr als in der vorherigen Rechteperiode, hat die DFL unter Zugzwang gesetzt (vgl. MK 4/15 und 5/15). Sie befürchtet international gesehen spürbare Wettbewerbsnachteile für die Fußball-Bundesliga in den kommenden Jahren. Bislang nimmt die DFL aus dem Verkauf der nationalen Fernsehrechte an der Ersten und Zweiten Bundesliga 628 Mio Euro pro Saison ein, davon steuert der Pay-TV-Sender Sky mit im Schnitt 486 Mio Euro pro Spielzeit den überwiegenden Teil bei. Die ARD lässt sich die Free-TV-Rechte für ihre „Sportschau“ pro Saison derzeit insgesamt 110 Mio Euro kosten (vgl. FK 16/12 und 30/12).

In den vier Spielzeiten 2013/14 bis 2016/17 erhält die DFL aus der Inlandsvermarktung 2,5 Mrd Euro – so viel wie die Premier-League-Klubs künftig fast in einer einzigen Saison erhalten werden. In der englischen wie auch in der deutschen Liga kommen noch Erlöse aus der Rechtevermarktung im Ausland hinzu. Doch auch hier erzielen die englischen Vereine deutliche höhere Einnahmen als die deutschen Klubs.

31.07.2015 – Volker Nünning/MK

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