NRW-Staatssekretär Marc Jan Eumann darf Doktortitel behalten

17.04.2014 •

Der nordrhein-westfälische Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann (SPD) darf seinen Doktortitel behalten. Das teilte am 9. April die Technische Universität (TU) Dortmund mit, an der Eumann im Jahr 2011 mit einer Arbeit über die Geschichte des Deutschen Presse-Dienstes, einem Vorläufer der Nachrichtenagentur dpa, promovierte. Die Entscheidung traf der Fakultätsrat der Fakultät Kulturwissenschaften der TU. Eine Begründung veröffentlichte die Universität zunächst nicht. Später gab es ein Statement von Ute Gerhardt, Dekanin der Fakultät Kulturwissenschaften und Mitglied im 18-köpfigen Fakultätsrat. Sie erklärte, der Fakultätsrat habe entschieden, „trotz großer Bedenken bezüglich eines wissenschaftlichen Fehlverhaltens Herrn Eumann den Doktortitel nicht abzuerkennen, da eine vorsätzliche Täuschung seitens Herrn Eumann nicht eindeutig belegt werden konnte“.

An der TU Dortmund wurde seit Dezember 2012 geprüft, ob Eumann der Doktortitel abzuerkennen sei (vgl. FK-Hefte Nr. 4/13 und 31/13). Damals hatte Eumanns Doktorvater, der inzwischen emeritierte Journalistik-Professor Horst Pöttker, die ‘Kommission zur Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis’ der Universität eingeschaltet. Auslöser dafür war, dass in der Fachzeitschrift „Publizistik“ (Ausgabe Nr. 4/2012) eine äußerst kritische Rezension über Eumanns Dissertation publiziert wurde, die ein Jahr zuvor in Buchform veröffentlicht worden war.

Der Leipziger Medienhistoriker Arnulf Kutsch hatte in seiner Besprechung geschrieben, in Eumanns Dissertation lasse sich „eine konzeptionelle oder methodische Erweiterung“ seiner Magisterarbeit nicht erkennen, „auch keine wirklich inhaltlich-substanzielle“. Seine Magisterarbeit hatte Eumann 1991 an der Universität Köln ebenfalls über den Deutschen Presse-Dienst verfasst. Thema und Inhalt der Magisterarbeit seien ihm nicht bekannt gewesen, erklärte Eumanns Doktorvater Pöttker damals. Auch im Quellenverzeichnis der eingereichten Dissertationsschrift sei diese nicht vermerkt gewesen.

Von Dritten erhobene Vorwürfe, er habe bewusst getäuscht, wies Eumann im Sommer 2013 entschieden zurück. Der vollständige Titel seiner Magisterarbeit sei seinem Doktorvater, dem Promotionsausschuss und dem Dekanat der Fakultät bekannt gewesen, so Eumann. In seinem Promotionszulassungsantrag seien der Titel seiner Magisterarbeit und „der in wesentlichen Teilen wortidentische Titel seiner Dissertation“ enthalten gewesen. Auch sei er in einer „Vorbemerkung“ zu seiner Dissertation auf seine Magisterarbeit eingegangen. Diese Vorbemerkung sei seinem Doktorvater und dem Vorsitzenden des Promo­tionsausschusses ab Juni 2011 bekannt gewesen.

„Keine Täuschungsabsicht“

Zu diesem Zeitpunkt war das eigentliche Promotionsverfahren an der Universität bereits seit Wochen beendet. Am 16. Februar 2011 fand die mündliche Prüfung (Disputation) statt. Damals war Eumann seit sieben Monaten NRW-Medienstaatssekretär. Zuvor war er medienpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion der SPD, die bis Juli 2010 in der Opposition war und dann mit den Grünen die neue Regierung in NRW bildete. Für die Buchveröffentlichung seiner Dissertation erstellte Eumann die „Vorbemerkung“, in der er auf die Magisterarbeit einging, ohne explizit deren Titel oder ihr Thema zu erwähnen.

Das Rektorat der TU Dortmund konstatierte im Juli 2013 ein „erhebliches wissenschaftliches Fehlverhalten des Herrn Dr. Eumann“. Grundlage für diese Bewertung waren der Bericht der ‘Kommission zur Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis’ und ein externes Rechtsgutachten. Das Rektorat der Universität schaltete den zuständigen Fakultätsrat ein, „damit dieser ein Verfahren zur Aberkennung des Doktorgrads einleitet“. Laut der Promotionsordnung der Fakultät Kulturwissenschaften wird der Doktorgrad aberkannt, „wenn sich nachträglich herausstellt, dass er durch Täuschung erworben worden ist, oder wenn wesentliche Voraussetzungen für die Verleihung irrtümlich als gegeben angesehen worden sind“. Das Gremium entschied nun, dass Eumann seinen Doktortitel nicht aberkannt wird.

Dieses Votum begrüßte der 48-jährige SPD-Politiker: „Für mich war von Anfang an wichtig, dass es nie Plagiatsvorwürfe gab. Ich habe bei niemandem abgeschrieben, mich nicht mit fremden Federn geschmückt.“ Die Weiterentwicklung einer unveröffentlichten Magisterarbeit sei gängige Praxis, so Eumann. Lediglich 31 Prozent des Dissertationstextes inklusive Paraphrasen und parallel verwendeter Wortlautzitate Dritter stammten aus der Magisterarbeit. Die Fakultät stelle nicht infrage, dass die Erweiterung seiner Dissertation substanziell sei. Er habe also wissenschaftlich korrekt gearbeitet. Eumann verwies ferner darauf, es sei zuletzt darum gegangen, ob er die Magisterarbeit, auf der er die Dissertation aufgebaut habe, unzulässigerweise verschwiegen habe. Dieser Vorwurf sei jetzt mit der Entscheidung des Fakultätsrats vom Tisch. Er habe die Universität über seine Magisterarbeit in den entsprechenden Anträgen informiert und auch mit seinem Doktorvater und seinem Zweitgutachter über diese Arbeit gesprochen. Es liege auf der Hand, „dass sich daraus keine Täuschungsabsicht ableiten lässt“, so Eumann.

• Text aus Ausgabe Nr. 16/2014 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

17.04.2014 – FK