Web-TV-Monitor vorgestellt: Online-Videos werden immer beliebter

26.02.2016 •

In München sind am 22. Januar die Ergebnisse des „Web-TV-Monitors 2015“ vorgestellt worden. Dabei handelt es sich um eine Bestandsaufnahme und Befragung deutscher Web-TV-Anbieter. Die Untersuchung wird von dem Berliner Beratungsunternehmen Goldmedia im Auftrag der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) und der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LfK) durchgeführt. Web-TV bedeutet, dass sich Bewegtbilder (Filme, Videos, Videoclips etc.) mit Hilfe eines Internet-Browsers abrufen lassen. Die Goldmedia-Forscher ermittelten für das Jahr 2015 insgesamt 1044 reine Web-TV-Kanäle und 7953 YouTube-Kanäle (mit jeweils mindestens 500 Abonnenten).

Goldmedia ermittelt seit 2010 Daten über den deutschen Web-TV-Markt und war 2012 erstmals mit der Erstellung des Web-TV-Monitors beauftragt worden – damals noch ausschließlich von der BLM. Seitdem hat die Bedeutung von Online-Videos stark zugenommen: Zwar ist im Vergleich zum Jahr 2010 die Zahl klassischer deutscher Web-TV-Kanäle um etwa ein Fünftel auf derzeit 1044 zurückgegangen. Allerdings erlebte parallel die Videoplattform YouTube einen solch starken Aufstieg, dass insgesamt mittlerweile mehr Bewegtbild-Angebote im Internet existieren als je zuvor. Deshalb berücksichtigte Goldmedia beim Web-TV-Monitor nun erstmals auch fast 8000 deutsche Video-Channels des Google-Tochterunternehmens. YouTube ist so stark, dass die Zahl der Portale klassischer Medien (Online-Only-Angebote, Corporate TV und Mediatheken) 2015 im Vergleich zum Vorjahr um etwa zwölf Prozent gesunken ist.

Die meisten Anbeiter machen Verluste

Von insgesamt knapp 9000 Online-Videoangeboten in Deutschland hat Goldmedia etwas mehr als 1900 Betreiber befragt und schließlich 239 Antworten erhalten. Das Ergebnis: Die meisten der Web-Videoanbieter machen noch immer Verluste, rechnen aber mit starkem Wachstum. Die befragten Unternehmen gaben an, sie rechneten damit, dass in diesem Jahr die Streaming-Abrufzahlen im Internet gegenüber 2015 um etwa 80 Prozent steigen würden. In den kommenden fünf Jahren würden die Abrufe von Online-Videos sogar um den Faktor sieben zunehmen.

Nur sechs Prozent aller deutschen Web-TV-Angebote sind derzeit kostenpflichtig. Dabei handelt es sich vor allem um die Mediatheken privatwirtschaftlicher Fernsehprogramme. Die meisten Angebote werden über Werbung finanziert, die vor einzelnen Videos abgespielt wird (Pre-Rolls). Auf diese Weise, so errechnete Goldmedia, konnten 2015 in Deutschland etwa 356 Mio Euro Netto-Werbeumsatz erzielt werden. Dieser Wert, so sagen die Berliner Berater voraus, werde sich bis 2021 nahezu verdreifachen.

Deutliches Wachstum prognostiziert Goldmedia auch für den Bereich Live-Streaming. Bei diesem Verfahren werden Bewegtbilder von Ereignissen in Echtzeit über das Internet übertragen und dabei liegt die durchschnittliche Sehdauer deutlich über der für andere Videos auf Abruf (Video-on-Demand/VoD): Während die von Goldmedia ermittelte Sehdauer pro VoD-Abruf nur etwa acht Minuten beträgt, übersteigt die tägliche Nutzungsdauer der weltweit reichweitenstärksten Live-Streaming-Plattform Twitch pro Nutzer im Durchschnitt bereits die 100-Minuten-Grenze.

YouTube dominiert

YouTube ist mit mehr als einer Milliarde Nutzern inzwischen die weltweit dominierende Online-Bewegtbildplattform. Über die Hälfte aller YouTube-Abrufe, so ermittelte Goldmedia, erfolgt in Deutschland inzwischen über mobile Endgeräte (Smartphones, Tablets). Nach Google-Angaben hat sich die YouTube-Wiedergabezeit auf Mobilgeräten zuletzt binnen eines Jahres verdoppelt. Die für die Studie erfassten 7953 deutschen YouTube-Kanäle verbuchten im August 2015 insgesamt fast 63,8 Mrd Abrufe. In der zweiten Jahreshälfte 2015 seien pro Monat etwa 3 Mrd Abrufe, 9 Mio Abonnenten und 45.000 neue Videos hinzugekommen, berichtet Goldmedia. Mehr als die Hälfte der befragten deutschen Anbieter gehe davon aus, dass das Medium Online-Video dem klassischen Fernsehen innerhalb der nächsten fünf Jahre den Rang ablaufen werde, hieß es bei der Präsentation der Goldmedia-Studie in München.

Um beim Geschäft mit den Online-Videos mitspielen zu können, haben inzwischen auch die beiden großen deutschen Privatsenderfamilien im Internet jenseits ihrer Mediatheken sogenannte Multi-Channel-Plattformen aufgebaut. Dabei werden mehrere YouTube-Kanäle gebündelt durch Werbung vermarktet. Die Plattformen Multi-Channel-Networks Studio 71 und Seven One (beide Pro Sieben Sat 1) sowie Divimove und Broadband TV (beide RTL Group) gehören zu den 20 erfolgreichsten YouTube-Netzwerken in Deutschland. Gemeinsam konnten sie laut Goldmedia-Angaben im dafür untersuchten Monat Oktober 2015 fast ein Drittel aller Abrufe der 20 meistgenutzten YouTube-Netzwerke in Deutschland auf sich vereinen.

26.02.2016 – mak/MK