ARD will mehr Regisseurinnen für Filmproduktion engagieren

06.10.2015 •

06.10.2015 • Die ARD will den Anteil von Regisseurinnen bei fiktionalen Produktionen steigern. Die ARD-Landesrundfunkanstalten wollen in den nächsten fünf Jahren in ihren Fernsehfilmen und Serien gezielt den Anteil weiblicher Regiebesetzungen ausbauen, teilte der Senderverbund am 23. September mit. Einen entsprechenden Maßnahmenplan hätten die Chefinnen und Chefs der Fernsehfilmredaktionen verabschiedet. Produzenten würden nun aufgefordert, für die Herstellung von Fernsehfilmen und Krimis den beauftragenden Redaktionen sowohl einen Regisseur als auch eine Regisseurin vorzuschlagen. Die ARD-Sender hätten bereits begonnen, Serienproduktionen gezielt mit Regisseurinnen zu besetzen. Daneben sollen Redaktionen die Regisseurinnen, die erfolgreiche Debütfilme vorgelegt haben, konsequent weiter fördern. In diesem Genre seien die ARD-Produktionen im Übrigen bereits jetzt ausgeglichen besetzt, hieß es weiter.

ARD-Programmdirektor Volker Herres erklärte am 23. September im Rahmen einer Pressekonferenz im Anschluss an die jüngste Sitzung der ARD-Intendanten in Stuttgart, ein Großteil der Regiearbeiten in deutschen fiktionalen Produktionen würde von Männern gemacht, Frauen seien hier „geradezu chronisch unterrepräsentiert“. Wie hoch derzeit der Anteil von Regisseurinnen sei, die bei fiktionalen ARD-Produktionen zum Einsatz kommen, sagte Herres nicht. Der Programmdirektor erklärte, bei den ARD-Landesrundfunkanstalten und deren Fernsehfilmredaktionen müsse bei der Vergabe von Produktionen „das Bewusstsein geschärft werden“, auch Regisseurinnen zu beauftragen.

Soziologische Studie

Herres verwies darauf, dass in den für Fiktionales zuständigen Redaktionen der ARD-Sender „sehr viele Frauen“ arbeiteten. Angesichts dessen sei „es schon nicht ganz nachvollziehbar ist, warum das an der Stelle dann zu einer solchen Diskrepanz kommt“, meinte Herres. Der Programmdirektor kündigte in Stuttgart zugleich an, die ARD wolle mit einer Studie die Ursachen des bisherigen Ungleichgewichts im Bereich der Regie untersuchen lassen. Auf Basis der Ergebnisse lasse sich dann „gezielter reagieren“. Im Rahmen ihrer Medienforschung will die ARD diese soziologische Studie unterstützen.

Im November 2014 hatte der Bundesverband Regie einen sogenannten Regie-Diversitätsbericht für die Jahre 2010 bis 2013 vorgelegt, in dem unter anderem die Regievergabepraxis in den fiktionalen Primetime-Programmen von ARD (Das Erste) und ZDF analysiert wurde. In den vier Untersuchungsjahren wurden demnach nur 11 Prozent der Sendeminuten des fiktionalen Primetime-Angebots der beiden öffentlich-rechtlichen Programme von Regisseurinnen inszeniert.

Den nun von der ARD beschlossenen Maßnahmenplan begrüßte der Verein ‘Pro Quote Regie’ als „einen ersten großen Schritt zur Chancengleichheit im Film- und Fernsehbereich“. Der Verein forderte das ZDF auf, „dem Beispiel der ARD zu folgen“. Im September 2014 hatten sich 170 deutsche Regisseurinnen in dem Verein ‘Pro Quote Regie’ zusammengeschlossen. Der Verein, der seinen Sitz in Berlin hat und dem inzwischen 326 Regisseurinnen angehören, fordert unter anderem eine Quote für die Vergabe von Regieaufträgen im Fernseh- und Filmbereich. Ab dem Jahr 2018 sollen demzufolge 30 Prozent der Regieaufträge an Frauen gehen. Weitere zwei Jahre später sollen es 42 Prozent sein. Im Jahr 2025 soll der Anteil dann auf 50 Prozent ansteigen. Den Vorstand des Vereins bilden Katinka Feistl, Esther Gronenborn, Maria Mohr, Nathalie Percillier, Barbara Rohm, Bettina Schoeller-Bouju und Tatjana Turanskyj (www.proquote‑regie.de).

06.10.2015 – MK

Print-Ausgabe 20-21/2019

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