Der größte Fehler war die enge Kooperation mit dem WDR

05.10.2015 •

05.10.2015 • «Eine zweite Tagung mit dem verunglückten Titel „Der Große Culture Day 2015“ beschäftigte sich mit der Frage, welchen Stellenwert Kultur im Wellnessmedium Fernsehen noch hat. Dass Kultur zur besten Sendezeit überhaupt nicht mehr zu finden ist und sich oft auf PR („das neue Buch von Jonathan Franzen“) beschränkt, analysierte Matthias Kremin, Programmleiter Kultur und Wissenschaft im WDR, durchaus hart und richtig. Ein vielsagendes Missverständnis schloss sich an: Bertrand Villegas, dessen Genfer Firma The Wit das weltweite Fernsehgeschehen auswertet, sollte Leuchtturmprojekte der Kulturvermittlung aufzeigen. Mit einer clownesken Definition von Kultur stellte er dem verdutzten Publikum erbärmliche Talent- und Realityshows vor, in denen Amateure Beethovens Neunte fiedeln oder Übergewichtige Schwanensee tanzen. Deutlicher kann man die Kapitulation des Geistigen auf dem Flachbildschirm nicht unterstreichen. [...]

Der größte Fehler dieser Konferenz aber war die enge Kooperation mit dem WDR, denn so wurde die live gestreamte Veranstaltung zu einer schamlosen Selbstbeweihräucherung des Senders. Vor allem der mit dem Schauspiel Köln im Mai dieses Jahres ausgerichtete Abend „Supernerds“ galt als transmediale Großtat. Dass die live in Theater, Fernsehen, Radio und Internet übertragene Erlebnisveranstaltung zum Thema Überwachung schwere dramaturgische Defizite hatte, kam natürlich nicht zur Sprache. Man hatte vielmehr den Eindruck, die einzig relevante Größe sei die Zahl der Medienkontakte.»

Oliver Jungen in der „FAZ“ (Ausgabe vom 2.10.15) über die im Rahmen der 25. Cologne Conference veranstaltete Tagung „Der Große Culture Day 2015“

05.10.2015 – MK

Print-Ausgabe 23/2019

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