WDR-Produktion „Des Teufels langer Atem“ ist Hörspiel des Monats August

10.09.2018 • Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat den Vierteiler „Des Teufels langer Atem“ zum Hörspiel des Monats August gewählt. Geschrieben hat das Stück der 1966 in Ochsenfurt geborene und seit 1995 in Berlin lebende freie Autor Robert Weber. Es handelt sich bei seinem neuen Hörspiel um eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks (WDR) unter der Regie von Annette Kurth (Dramaturgie: Natalie Szallies); die beiden Hauptrollen sprechen Cathlen Gawlich und Wanja Mues. Die vier rund 30 Minuten langen Teile des Hörspiels wurden am 27., 28., 29. und 30. August jeweils um 19.05 Uhr im Programm WDR 3 erstausgestrahlt (vgl. MK-Kritik). Zur Begründung ihrer Entscheidung schreibt die Jury der Akademie:

«Robert Weber hat sich zu einem Meister von Krimifolgen entwickelt, in der sich Realität und Fiktion durchdringen, zum Beispiel in „Die Infektion“ (WDR, 2010 bis 2016) unter der Regie von Annette Kurth. In „Des Teufels langer Atem“, wiederum vom WDR und von Annette Kurth inszeniert, vermischen sich zudem Krimi- und Horrorgenre, Realität und Popkultur auf schier unheimliche Weise. In vier Teilen, in sich abgeschlossen, jedoch aufeinander bezogen, jagt die Agentin Clarice Starling – bekannt als Ermittlerin in dem Film „Das Schweigen der Lämmer“ – einen Serienkiller durch die Vereinigten Staaten der Gegenwart und nahen Vergangenheit. Ihr Gegenspieler Louis Cyphre (korrekt ausgesprochen: Luzifer) ist ebenfalls eine Filmfigur, aus „Angel Heart“ von Alan Parker.

Die Zeichen stecken also bereits im Namen, niemand jedoch erkennt sie, weil die Menschheit nicht mehr an den Teufel glaubt, vielleicht weil sie ihn nicht braucht: Das Unmenschliche gehört seit jeher zum Menschen, die dem Satan an Hass und Vernichtungswillen in nichts nachstehen. Eine ausgelassene Freude an bösen Einfällen, in einer schier überbordenden Montage aus Kolportage- und Märchenelementen, unglaublichen, aber realen Figuren wie dem Kartenkünstler Dai Vernon und popkulturellen wie literarischen Motiven von Lewis über Hauff bis Twain oder Borges, wird zum spektakulären Kopfkino dank einer meisterlichen Gemeinschaftsleistung im Zusammenspiel mit Annette Kurths phantasievoller Regie, wandlungsfähigen Sprechern, dem Ton (Jonas Bergler) und vor allem auch klugem Einsatz einer vielseitigen Musik, die durch alle Folgen der Serie hindurch eine wunderbar expressive und sensible zweite Erzählspur legt.»

Ihre lobende Erwähnung „im Sinne eines zweiten Preises“ sprach die Jury in diesem Monat aus für das vom Bayerischen Rundfunk (BR) produzierte Stück „Die Traumnovelle“ in der Bearbeitung von Katja Langenbach, die auch die Regie führte. Die Produktion sei „eine fesselnde Hörspielumsetzung der vielschichtigen Beziehungsnovelle Arthur Schnitzlers, die mit überzeugender Natürlichkeit auch einen Raum für zeitgenössische Stimmen zum Thema Bindung, Liebe und Leidenschaft schafft“, so die Jury. Die Ursendung des 70-minütigen Hörspiels „Die Traumnovelle“ erfolgte am 24. August um 21.05 Uhr im Programm Bayern 2.

10.09.2018 – MK

Print-Ausgabe 24/2018

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