Hörfunkprogramm WDR 4 ab Januar 2017 ohne Werbung 

12.07.2016 •

Der Westdeutsche Rundfunk wird ab Januar 2017 in seinem Hörfunkprogramm WDR 4 keine Werbung mehr ausstrahlen. Der WDR-Rundfunkrat stimmte in seiner Sitzung am 30. Juni in Köln einem entsprechenden Vorschlag der Geschäftsleitung der Rundfunkanstalt mit Intendant Tom Buhrow an der Spitze zu. Das gab der öffentlich-rechtliche Sender am 30. Juni bekannt. Ab dem 1. Januar 2017 darf der Westdeutsche Rundfunk aufgrund der Neufassung des WDR-Gesetzes, die Mitte Februar in Kraft getreten war (vgl. MK-Meldung), nur noch in zwei seiner Hörfunkprogramme Werbung senden. In welchen beiden Wellen dann noch Werbespots zu hören sein dürfen, wurde durch das Gesetz nicht vorgeschrieben. Diese Entscheidung wurde der Rundfunkanstalt überlassen. Ab Januar 2017 wird Werbung nur noch in der Jugendwelle 1Live und im Programm WDR 2 gesendet.

„Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, dass es die Welle WDR 4 ist, die künftig keine Werbung mehr sendet: Hier müssen wir durch den Wegfall nur minimal in den Programmablauf eingreifen, was letztendlich auch den Hörerinnen und Hörer zugutekommt“, erklärte WDR-Hörfunkdirektorin Valerie Weber. Dadurch dass WDR 4 künftig werbefrei sei, entstehe dem WDR insgesamt „der vergleichsweise geringste finanzielle Schaden“. WDR 4 sendet bislang im Jahresdurchschnitt jeden Werktag 15 Minuten Werbung. In der Sitzung des WDR-Rundfunkrats erklärte Intendant Buhrow, dass sich die jährlichen Umsatzeinbußen durch den Werbeverzicht bei WDR 4 auf bis zu 12 Mio Euro beliefen.

Gesetzliche Vorgabe

Bis Ende 2016 ist dem WDR noch erlaubt, pro Werktag (montags bis samstags) insgesamt 90 Minuten Werbung im Hörfunk auszustrahlen. Diese Vorgabe muss im Jahresdurchschnitt erfüllt werden. Das bedeutet, dass an Tagen etwa im Sommer deutlich weniger Werbung ausgestrahlt werden kann, dafür an Tagen etwa im Herbst signifikant mehr als 90 Minuten. Werbung gibt es bis Ende 2016 noch bei 1Live, WDR 2 und WDR 4; die übrigen drei UKW-Programme WDR 3, WDR 5 und Funkhaus Europa sind werbefrei.

Mit der Änderung des WDR-Gesetzes hatte die nordrhein-westfälische Regierungskoalition von SPD und Grünen festgelegt, dass ab Januar 2017 beim WDR-Hörfunk die Werbung in zwei Schritten reduziert wird. Im Zeitraum von Januar 2017 bis Dezember 2018 darf zunächst noch Werbung in zwei Hörfunkprogrammen gesendet werden. Sie darf dabei im Jahresdurchschnitt den zeitlichen Umfang von 75 Minuten pro Werktag nicht übersteigen. Der WDR teilte nun mit, dass es ab 2017 bei 1Live 35 Minuten Werbung pro Werktag im Jahresschnitt geben werde, bei WDR 2 würden es 40 Minuten sein.

Ab dem 1. Januar 2019 ist im WDR-Hörfunk dann nur noch in einem einzigen Programm Werbung zulässig, und zwar werktags maximal 60 Minuten im Monatsdurchschnitt. Dadurch, dass die Werbezeit an den Monat gekoppelt wird, wird die noch bis Ende 2018 zulässige Möglichkeit, das werktägliche Werbevolumen innerhalb eines Einjahreszeitraums zu verrechnen, entfallen. Welches WDR-Hörfunkprogramm ab Januar 2019 noch Werbung ausstrahlen wird, entweder also 1Live oder WDR 2, steht noch nicht fest. Diese Entscheidung will der Sender im Sommer 2018 treffen.

Keine Kompensation aus Beitragsgeldern

WDR-Intendant Tom Buhrow hatte den Beschluss der rot-grünen NRW-Regierungskoalition, die Hörfunkwerbung zu reduzieren, scharf kritisiert. Dadurch erleide die Rundfunkanstalt finanzielle Einbußen, was den Sender in Zeiten eines bereits laufenden Sparkurses zusätzlich belaste. Wie hoch letztlich der Einnahmeverlust für den WDR bei der Hörfunkwerbung ausfallen wird, ist schwer zu berechnen, da dies unter anderem von der weiteren Entwicklung der Werbepreise abhängt. Die übrigen acht ARD-Anstalten erwarten aus der schrittweisen Reduzierung der WDR-Hörfunkwerbung ab 2017 ebenfalls Einbußen bei der Werbevermarktung. Das hängt damit zusammen, dass die Werbewellen der ARD-Anstalten über sogenannte Kombis deutschlandweit vermarktet werden.

Die ARD hatte aufgrund der künftigen Einnahmeverluste bei der Hörfunkwerbung einen finanziellen Ausgleich aus Rundfunkbeitragsgeldern gefordert. Gegenüber der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) hatte die ARD im Frühjahr einen entsprechenden Kompensationsbetrag von 92,1 Mio Euro für die nächste Beitragsperiode (2017 bis 2020) nachgemeldet. Von dem Gesamtbetrag entfielen 65,8 Mio Euro auf den WDR und 26,3 Mio auf die übrigen ARD-Anstalten. Die KEF berücksichtigte diese Nachmeldung aber nicht.

Die öffentlich-rechtlichen Sender mussten die Anmeldungen über ihren Finanzbedarf in der neuen vierjährigen Beitragsperiode bis Ende August vorigen Jahres bei der KEF einreichen. Die Entscheidung, beim WDR die Hörfunkwerbung zu verringern, traf die nordrhein-westfälische Politik erst nach diesem Stichtag. Die KEF erklärte, ihr Prüfverfahren, das dann Anfang September 2015 gestartet wurde, solle frei von medienpolitischen Einflüssen sein, weshalb solche Entscheidungen vor Verfahrensbeginn getroffen werden müssten.

12.07.2016 – vn/MK

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