USA: In der Fernsehserien-Saison 2018/19 bleibt alles beim Alten

16.08.2018 • Amerikanisches Publikum, das im Zeitalter des Videostreamings den alteingesessenen Broadcast-Networks treu geblieben ist, dürfte vom Angebot der kommenden Saison 2018/19 enttäuscht werden. Die Hoffnung vieler Fernsehzuschauer auf eine mutige Neuorientierung der Sender im Schlagschatten von Netflix und Amazon bleibt unerfüllt.

Nun, da feststeht, was ABC, CBS, NBC, Fox und CW ihrem Publikum im Herbst und Winter dieses Jahres auftischen wollen, mehren sich bereits die Anzeichen der Unzufriedenheit. Statt sich auf etwas Neues oder vielleicht sogar Gewagtes einzulassen, um ihr Programmangebot vom Kabelfernsehen und vom Streaming zu unterscheiden, setzen die US-Networks auf immer mehr Variationen des Alten und Bewährten. Als hätte ihnen der Kampf um Einschaltquoten und Werbegelder, die unentwegte Forderung nach Diversifikation und die Unsicherheit im Zeitalter immer größerer Firmenfusionen den Atem verschlagen, klammern sie sich an Ideen und Rezepte von gestern.

Langjährige Anhänger der Broadcast-Networks wundern sich nicht über den mangelnden Wagemut. Es ist längst zur Gewohnheit geworden, dass die Networks in die Fußstapfen der Filmindustrie treten oder aus dem Ideenpool unabhängiger Fernsehproduzenten schöpfen. Sicherheit haben sie immer schon der Entwicklung eigener Konzepte vorgezogen. So war es denn möglich, dass sich bei der offiziellen Vorstellung des neuen Angebots der Networks ausgerechnet Fox als Vorreiter präsentieren konnte.

Nicht einmal gewiss, ob denn nach Vollzug der drohenden Übernahme durch den Disney-Konzern (vgl. diese MK-Meldung) in ihren Büros und Studios tatsächlich alles unverändert bleiben wird, gaben die Repräsentanten des Networks das Schlagwort eines „New Fox“ aus, dem sie sogleich ein Loblied auf ihren neuen Star, den 64-jährigen Komödianten Tim Allen, folgen ließen, dessen uralte, vor einem Jahr bei ABC eingestellte Sitcom „Last Man Standing“ sie nun wiederaufleben lassen und fleißig fortsetzen wollen. Tim Allen passt nahtlos in das konservative, Trump-freundliche Profil des Networks und hat sich vermutlich nach seinem sechsjährigen ABC-Dasein allein dadurch schon bei den Oberen von Fox qualifiziert.

Robert Zemeckis produziert Serie für NBC

ABC hatte in der vorigen Saison bemerkenswerten Erfolg mit der Krankenhausserie „The Good Doctor“, die vom amerikanischen Publikum mit gewohnter Anhänglichkeit an das Genre der Arztserien enthusiastisch aufgenommen wurde. Keine Überraschung also, dass „The Good Doctor“ es auch in die nächste TV-Saison schafft. Ebenso wenig erstaunt, dass ABC weiterhin auf die Produzentin Shonda Rhimes setzt, die dem Network schon lange Zeit mit ihren Produktionen „Grey’s Anatomy“ und „How to Get Away With Murder“ den Rücken stärkt. Von Shonda Rhimes wird es die neuen Serien „Station 19“ und „For the People“ geben.

CBS klammert sich am offensichtlichsten an alte Erfolge. Nachdem das Network schon „S.W.A.T.“, „Hawaii Five-O“ und „MacGyver“ wiederbelebt hat, sollen nun Neuauflagen von „Magnum P.I.“ und „Murphy Brown“ folgen. NBC setzt ganz auf die Arztserie „New Amsterdam“, die sich vornimmt, „The Good Doctor“ Paroli zu bieten. Die drei „Chicago“-Serien von Dick Wolf, „Chicago Med“, „Chicago Fire” und “Chicago PD”, sollen – in dieser Reihenfolge – bei NBC künftig am selben Tag hintereinander ausgestrahlt werden. Und natürlich wird es weiterhin „Law & Order: SVU“ geben. Bei CW wird es noch einmal, aber – wie man hört – zum letzten Mal, die aufmüpfig munteren Serien „Jane the Virgin“ und „Crazy Ex-Girlfriend“ geben. Ansonsten setzt das kleinste der Broadcast-Networks auf mehrere Ableger des Kinotrends der Superhelden, beginnend mit „Supergirl“.

Wer etwas Neues und vielleicht Lohnendes im Programmplan der Broadcast-Networks für die Saison 2018/19 entdecken will, wird am ehesten noch bei NBC fündig. Robert Zemeckis, der Regisseur der Kinofilme „Zurück in die Zukunft“, „Forrest Gump“ und „Contact“, produziert für das Network die Serie „Manifest“, laut NBC-Ankündigung „eine unerwartete, emotionsgeladene Reise in eine Welt, die auf Hoffnung, Herz und Zukunft gegründet ist“. Es geht hier  – weniger pathetisch ausgedrückt – um die Passagiere eines Flugzeugs, die nach turbulenter Reise feststellen müssen, dass in der Spanne ihrer wenigen Flugstunden die Welt um fünf Jahre gealtert ist. Gegenwartsnäher klingt die Geschichte der NBC-Serie „The Village“ (erst ab Anfang 2019 auf Sendung), deren Handlung sich in einem Apartment-Gebäude in Brooklyn zuträgt, dessen höchst verschiedene Bewohner mit Abschiebung, posttraumatischen Belastungsstörungen und anderen aktuellen Problemen zu schaffen haben.

16.08.2018 – Ev/MK

Print-Ausgabe 24/2018

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