USA: Barack und Michelle Obama kooperieren mit Netflix

20.06.2018 •

20.06.2018 • Was tun amerikanische Staatspräsidenten, wenn sie das Weiße Haus mit dem Ruhestand getauscht haben? Gemeinhin halten sie Vorträge (für viel Geld) und schreiben Bücher (für noch mehr Geld). Barack Obama und seine Ehefrau Michelle Obama, mit 56 bzw. 54 Jahren beide noch zu jung für den Ruhestand, wollen sich dementsprechend nicht zurückziehen. Sie sehen es so, dass sie der Welt noch viel zu sagen haben. Und sie wollen, dass es gehört wird, über entsprechende mediale Wirkung.

Es wird dem früheren US-Präsidenten und der damaligen First Lady nicht entgangen sein, dass man gleichzeitig Hunderte Millionen Dollar verdienen kann, wenn man die richtige Plattform findet. So wie Shonda Rhimes, die Schöpferin der ABC-Serie „Grey’s Anatomy“, und Ryan Murphy, der vielseitige Autor und Fernsehproduzent, die zukünftig beide bei Netflix zu Hause sind. Was lag näher für die Obamas, fragt man sich im Nachhinein, als ihre Namen und ihre Popularität an Reed Hastings und seinen derzeit weltweit erfolgreichen Streaming-Konzern zu verkaufen, der nur zu gern mehrstellige Millionen-Dollar-Partnerschaften mit den richtigen Leuten eingeht.

Der großzügige Freund Reed Hastings

So hat es denn auch nur wenige Politiker und Medienkenner überrascht, als jüngst bekannt wurde, dass Barack und Michelle Obama ihre schöpferische Kraft zukünftig ganz dem Marktführer im weltweiten Streaming anvertrauen möchten. Die Obamas schlossen Anfang dieses Monats einen formellen Mehrjahresvertrag mit Netflix über die Produktion von Filmen, Fernsehreihen und Dokumentationen ab. Die Sendungen sollen von dem den Obamas gehörenden Unternehmen Higher Ground Productions hergestellt und von Netflix unters Volk gebracht werden. Die Wahl ist wohl kaum zufällig auf Netflix gefallen und nicht etwa auf Konkurrenten wie Amazon oder Disney, die ebenfalls hochfliegende Streaming-Pläne entwickelt haben. Netflix-Chef Reed Hastings ist nämlich seit langem ein großzügiger Freund der Demokratischen Partei und er hat in der Vergangenheit viele demokratische Kandidaten unterstützt, darunter auch Barack Obama.

In einer Stellungnahme zu dem Vertrag sagte Barack Obama: „Eine der vielen kleinen Freuden im öffentlichen Dienst ist heutzutage, so viele faszinierende Menschen aus allen Bereichen des Lebens zu treffen und ihnen dabei zu helfen, ihre Erfahrungen mit einem breiten Publikum zu teilen. Deshalb sind Michelle und ich so begeistert, eine Partnerschaft mit Netflix einzugehen. Wir hoffen, talentierte, inspirierende und kreative Stimmen pflegen und fördern zu können, die in der Lage sind, größere Empathie und ein tieferes Verständnis zwischen den Völkern zu verbreiten.“

Die Themen von Obamas Regierungszeit

Ein wesentliches Element dafür, dass die Obamas sich Netflix als Kooperationspartner gewählt haben, sehen amerikanische Kommentatoren auch in der Tatsache, dass Netflix unter den derzeitigen Streaming-Plattformen und Sendern am ehesten bereit ist, seinen Partnern die völlige kreative Kontrolle einzuräumen. Bisherige Produktionen, so heißt es vielerorts, hätten bewiesen, dass Netflix auch die Wahl der Projekte weitgehend seinen Partnern überlasse, ohne sich einzumischen.

Vorerst ist es Sache der eigenen Phantasie, was Barack und Michelle Obama wohl am meisten interessieren könnte. Doch die „New York Times“ liegt sicher nicht falsch, wenn sie vermutet, dass man den Schlüssel dazu am ehesten in den Themen finden dürfte, die auch Obamas achtjährige Regierungszeit als US-Präsident (2009 bis 2017) beherrscht haben: Wahlrecht, Gesundheitsreform, Immigration, Außenpolitik und Klimawandel. Und von Michelle Obama sei gewiss noch mehr zum Thema der gesunden Ernährung zu erwarten.

20.06.2018 – Ev/MK