USA: Gigant AT&T kauft für 85,4 Mrd Dollar Gigant Time Warner

28.10.2016 •

28.10.2016 • Die Hochzeiten von Telekom- und Mediengiganten werden immer opulenter und marktbeherrschender. Wenn man schon denkt, es gehe kaum noch größer als die Kombination von Comcast mit NBC Universal (vgl. FK-Hefte Nr. 3/11 und 37/11), dann kommt gleich der nächste Branchenriese hinterher und übertrifft alle bisherigen Superlative. Diesmal ist es AT&T, der in Dallas (Texas) beheimatete Telekommunikationskonzern, auf den sich aller Augen richten. Es ist noch nicht so lange her, dass AT&T den Satellitenbetreiber DirecTV übernommen hat, da will sich der Konzern nun für 85,4 Mrd Dollar das weltweit agierende Medienunternehmen Time Warner seinem Reich einverleiben (zusätzlich übernimmt AT&T die Schulden von Time Warner, die einen Betrag von 23,3 Mrd Dollar ausmachen). Der Mammutdeal kann allerdings nur über die Bühne gehen, wenn die staatliche Aufsichtsbehörde die Übernahme genehmigt.

Die Akquisition würde dem Telekomunternehmen AT&T ein Standbein im traditionellen Entertainment-Geschäft sichern und dem Inhalte-Produzenten Time Warner ein solides Fundament im Angesicht der sich mit Windeseile vermehrenden Streaming-Konkurrenz. AT&T besitzt Millionen von Kunden insbesondere im Mobilfunk- und Pay-TV-Sektor, während Time Warner führende TV-Networks wie HBO und CNN sowie das Hollywood-Studio Warner Brothers in die beabsichtigte Ehe einbringt. Kaum drang die Nachricht von der avisierten Vereinigung der beiden Unternehmen am Wochenende des 22. Oktober in die Öffentlichkeit, da sprachen die Wirtschaftsexperten der amerikanischen Tagespresse vom „bedeutendsten Mediengeschäft der letzten Jahre“ („The Wall Street Journal“).

Medienindustrie in Bewegung

Allein in diesem Jahr hatte sich schon Charter Communication mit Time Warner Cable zusammengeschlossen, Comcast/NBC Universal kaufte Dreamworks Animation und das Filmstudio Lions Gate umwirbt den Pay-TV-Anbieter Starz. Die CBS Corporation denkt darüber nach, sich wieder mit Viacom zusammenzutun, während die Walt Disney Company einen Anteil an dem Streaming-Service BAM Tech erworben hat und erwog, Gebote für Netflix und Twitter zu machen. 2016 ist wieder einmal eines jener Jahre, in denen die ganze Medienindustrie einschneidend in Bewegung geraten ist. Niemand hat Zweifel daran, dass die neuerliche Eskalation den Boden für weitere Konsolidierungsvorhaben bereiten wird.

Mitten im aufgeregten Präsidentschaftswahlkampf zwischen Hillary Clinton und Donald Trump hat die Absicht von AT&T, sich noch mächtiger und allumfassender zu machen, als der Konzern ohnehin schon ist, auch den beiden Präsidentschaftskandidaten neues Futter geliefert. Vor allem Donald Trump hat sogleich seine Stimme erhoben, um Punkte für sich zu sammeln. Würde er die Wahl gewinnen, würde seine Administration, so ließ er verlauten, einen Zusammenschluss von AT&T und Time Warner niemals erlauben, weil er zu weiterer Konzentration in der Medienindustrie führen würde. „Deals wie dieser zerstören die Demokratie“, sagte Trump auf einer seiner Wahlveranstaltungen. Hillary Clinton beschränkte sich bisher auf die Ankündigung, sie wolle die Antitrust-Behörden der Regierung mit größeren Vollmachten ausstatten.

Ob die zuständigen Aufsichtsorgane die Vorbehalte der Präsidentschaftskandidaten teilen werden, ist allerdings noch keineswegs ausgemacht. Schon bei dem Deal zwischen Comcast und NBC Universal, der im Vorfeld heftige Bedenken ausgelöst hatte, kam es letztendlich doch zu einer staatlichen Genehmigung, wenn auch unter erheblichen Auflagen. Nur eines ist zu diesem Zeitpunkt sicher: Es wird noch lange dauern, bis das geplante Geschäft unter Dach und Fach ist. Wahrscheinlich sogar bis zum Ende des kommenden Jahres. Der Konzern AT&T, gegründet 1885, erzielte im Jahr 2015 einen Umsatz von 146,8 Mrd Dollar und einen Jahresüberschuss von 13,3 Mrd Dollar. Time Warner kam im selben Jahr auf einen Umsatz in Höhe von 28,1 Mrd Dollar (Nettogewinn: 3,8 Mrd Dollar).

28.10.2016 – Franz Everschor/MK

Print-Ausgabe 20-21/2019

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