USA: AT&T mit neuem Streaming-Angebot

16.12.2016 •

Die Öffentlichkeit hat in den USA die Nachrichten dazu, dass der Telekom-Gigant AT&T für teures Geld den Medienkonzern Time Warner gekauft hat (vgl. MK-Meldung und diesen MK-Artikel), mit erstaunter und überwiegend besorgter Anteilnahme verfolgt. Konkret hatte der Superdeal – der wettbewerbsrechtlich allerdings noch genehmigt werden muss – für die TV-Konsumenten aber zunächst wenig zu bedeuten. Das wird sich nun ändern. Wie von AT&T bereits angekündigt, hat das Unternehmen am 30. November ein neues Streaming-Angebot namens ‘DirecTV Now’ gestartet, das zielgerichtet die vielen amerikanischen Fernsehkunden anlocken soll, die sich in letzter Zeit von den für viele kaum noch bezahlbaren gebündelten Senderangeboten losgesagt haben und jetzt auf der Suche nach preiswerten Alternativen sind.

Der Satelliten-TV-Anbieter Dish Network hält diesbezüglich schon das Angebot ‘Sling TV’ bereit und über Sonys Playstation gibt es ein Streaming-Paket mit dem Namen ‘Playstation Vue’. Auch Apple und Google stehen kurz davor, sich an der Verbreitung von Fernsehprogrammen über das Internet zu beteiligen und das Publikum von Antennen und Kabelboxen zu befreien. Doch erst die von vielen Beobachtern auf diesem Sektor als überwältigend empfundene Konkurrenz durch ein in Zukunft vereintes Konglomerat der führenden Telekommunikations- und Medienunternehmen AT&T und Time Warner hat das Thema so richtig in die Schlagzeilen gebracht.

Alles, was Rang und Namen hat

Was DirecTV Now von herkömmlichen TV-Abonnements unterscheidet, ist nicht nur die unkomplizierte, von Technikerbesuchen unbelastete Empfangsmethode, sondern vor allem auch der niedrige Preis. Wer will, kann bei DirecTV Now ein Paket mit 60, 80 oder 120 Kanälen abonnieren, das im Durchschnitt um 20 bis 30 Dollar billiger ist als herkömmliche Angebote. Und für die potenziellen Neukunden, die sich ihrer Geldbörse zuliebe von den traditionellen Pay-TV-Bündeln getrennt haben, hält AT&T noch ein besonders attraktives Angebot bereit: ein Paket mit 100 Sendern für sage und schreibe nur 35 Dollar pro Monat.

Wer befürchtet, für so wenig Geld auch nur wenig Sehenswertes geliefert zu bekommen, irrt. AT&T hat Deals abgeschlossen, die so ziemlich alles umfassen, was in den USA Rang und Namen hat. Die Palette reicht von der Walt Disney Company und dem Sportsender-Imperium ESPN über die Fox-Sender bis hin zu den vielseitigen Angeboten von Time Warner. Auch spezialisierte Programme für Sport- und Naturfans, für Abenteuer-, Musik- und Reiseliebhaber sind ebenso vorhanden wie populäre Sender vom Schlage Comedy Central, Syfy und Cooking Channel; mit dabei ist auch das Eigenheim-Fernsehen HGTV (vgl. hierzu diesen MK-Artikel). Die Pay-TV-Sender HBO und Cinemax können für je fünf Dollar hinzukommen (zum Vergleich: ein Alleinabonnement von ‘HBO Now’ kostet 14,99 Dollar pro Monat). Nur die Programme der CBS Corporation sind bei dem Streaming-Dienst von AT&T nicht dabei.

Kostenlos auf Smartphones?

Ähnlich wie die meisten amerikanischen Programmanbieter will sich auch DirecTV Now hauptsächlich auf junge Zuschauer konzentrieren. Zu diesem Zweck sollen zum Beispiel separate Verträge mit dem Popstar Taylor Swift und der beliebten Schauspielerin und Produzentin Reese Witherspoon beitragen. Jede von ihnen wird einen eigenen, auf junge Frauen ausgerichteten Kanal bekommen; der Projektname dafür ist ‘Hello Sunshine’ – sind dies die ersten Schritte zur Eigenproduktion bei DirecTV Now?

Wie die Wirtschaftszeitung „The Wall Street Journal“ berichtet, hat vor allem eine Besonderheit des neuen Streaming-Angebots kritische Aufmerksamkeit erregt, nämlich die Absicht von AT&T, das Streaming von DirecTV Now auf Smartphones und Tablet-PCs für die mehr als 77 Mio Abonnenten von ‘AT&T Wireless’ kostenlos anzubieten. Die amerikanische Kontrollbehörde Federal Communications Commission hat nach Angaben der Zeitung bereits eine Warnung an AT&T geschickt, diese Praxis könne dem geltenden Konkurrenzprinzip im Wege stehen.

16.12.2016 – Ev/MK