USA: Ein eigenes TV-Network für Donald Trump?

31.10.2016 •

Während die Chancen des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump, bei den Wahlen am 8. November das höchste Amt im Staat zu erobern, in jüngster Zeit nach den TV-Duellen mit seiner Kontrahentin Hillary Clinton anscheinend merklich gesunken sind, bahnt sich ein Gerücht den Weg durch die Presse: Der Immobilienmogul Trump könnte darauf aus sein, ein eigenes Fernsehnetwork zu gründen. Zuerst war die Nachricht in der in London erscheinenden „Financial Times“ zu lesen, dann auch in führenden amerikanischen Tageszeitungen wie der „New York Times“ und der „Los Angeles Times“.

Schon vor einiger Zeit soll diesen Quellen zufolge Jared Kushner, Trumps Schwiegersohn, der ebenfalls im Immobiliengeschäft groß geworden ist, Kontakte zur Gründung eines Trump-Networks geknüpft haben. Gespräche seien unter anderem mit dem Investment-Banker Aryeh B. Bourkoff geführt worden, heißt es in den Presseberichten.

Nötig wären viel Geld und viel Glück

Es macht durchaus Sinn, dass Donald Trump darüber nachdenken könnte, seine Popularität und seinen Einfluss dazu zu nutzen, einen eigenen TV-Sender zu gründen, mit dem er auch nach der Präsidentschaftswahl, wie auch immer sie ausgeht, beim amerikanischen Volk präsent wäre. Immerhin ist Trump den Menschen in den USA nicht nur durch seine üppigen Hotels, Casinos und Golfanlagen bekannt geworden, sondern auch als Hauptfigur und Drahtzieher in den von ihm produzierten Talentshows „The Apprentice“ und „The Celebrity Apprentice“, die seit 2004 zu den größten TV-Erfolgen des US-Fernsehens gehören (inzwischen macht Trump die Sendungen nicht mehr). „In mancher Hinsicht hört sich das sehr nach Trump an“, zitiert die „Los Angeles Times“ einen nicht näher identifizierten Medienexperten aus Trumps eigenem Umfeld zu den Gerüchten hinsichtlich eines eigenen Networks: „Auch wenn er die Wahl verlieren sollte, will er Kapital aus ihr schlagen.“

Alle diese Vermutungen könnten sich jedoch schon bald wieder in Luft auflösen, nicht zuletzt deshalb, weil es selbst für Trumps luxuriöse Verhältnisse eine Menge Geld kosten und viel Glück brauchen würde, im augenblicklichen Klima ein weiteres TV-Network im Land zu etablieren. Die Tendenz der Kabelunternehmen geht eher dahin, Sendeangebote aus ihren Systemen zu streichen. Und die Konkurrenz von Streaming-Anbietern wie Netflix, Amazon und Hulu macht die Sache nicht einfacher. Schon die äußerst erfolgreiche Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey, die in ihrer Popularität beim Publikum durchaus mit Donald Trump zu vergleichen ist, hat drei Jahre gebraucht, um ihr eigenes Network OWN überhaupt auf die Füße zu stellen, und fünf Jahre, bis es keine Verluste mehr machte. Und das hat damals schon weit über 500 Mio Dollar gekostet.

31.10.2016 – Ev/MK

Print-Ausgabe 24/2019

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