ZDF-Journalistin Yvette Gerner wird Intendantin von Radio Bremen

18.03.2019 •

Die ZDF-Journalistin Yvette Gerner wird neue Intendantin von Radio Bremen. Der Rundfunkrat des öffentlich-rechtlichen Senders wählte Gerner in seiner Sitzung am 5. März in Bremen mit großer Mehrheit. Das gab Radio Bremen in einer Pressemitteilung bekannt. Der Rundfunkrat, dem insgesamt 31 Mitglieder angehören (ein Sitz ist vakant), folgte damit dem Votum der Findungskommission. Das neunköpfige Gremium hatte Gerner einstimmig als einzige Kandidatin für die Intendantenwahl vorgeschlagen (vgl. MK-Meldung). Die 51-Jährige, die derzeit Chefin vom Dienst (CvD) in der ZDF-Chefredaktion ist, erhielt von den 28 bei der Wahl anwesenden Rundfunkratsmitgliedern 23 Ja-Stimmen. Zudem gab es zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen.

Yvette Gerner wird die Position als Intendantin von Radio Bremen am 1. August 2019 übernehmen; sie wurde für eine Amtsdauer von fünf Jahren gewählt. Gerner folgt auf diesem Posten Jan Metzger, der im September 2018 erklärte hatte, nicht für eine dritte fünfjährige Amtsperiode kandidieren zu wollen (vgl. MK-Meldung). Metzger verwies damals auf persönliche Gründe für seine Entscheidung; nach 35 Jahren Arbeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wolle er sich künftig anderen Dingen widmen. Am 31. Juli wird Metzger, der Ende Januar 63 Jahre alt wurde, bei Radio Bremen ausscheiden. Wie Gerner arbeitete auch Metzger, bevor er Anfang August 2009 bei Radio Bremen die Intendantenposition übernahm, beim ZDF. Im Jahr 2006 war der gelernte Journalist nach Mainz zum ZDF gewechselt, nachdem er zuvor ab 1983 beim Hessischen Rundfunk (HR) in Frankfurt tätig gewesen war.

„Regional gut verankert und innovativ“

An der Spitze von Radio Bremen steht nun künftig erstmals eine Frau. Nachdem Radio Bremen im Dezember 1945 seinen Sendebetrieb aufnahm, wurde die Rundfunkanstalt in der Folge von insgesamt acht Männern geleitet. Innerhalb der ARD, deren kleinste Anstalt Radio Bremen ist, gibt es aktuell zwei Intendantinnen: Den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) leitet seit November 2011 Karola Wille, Chefin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) ist seit Juli 2016 Patricia Schlesinger. Mit Yvette Gerner wird es dann künftig drei Senderchefinnen bei den neun ARD-Landesrundfunkanstalten geben.

Gerner erklärte nach ihrer Wahl zur Intendantin Radio Bremens, sie freue sich darauf, „gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Radio-, Fernseh- und Online-Angebot zu bieten, das nah an der Lebenswirklichkeit der Menschen hier vor Ort, informativ, unabhängig, unterhaltsam und erfolgreich ist“. Sie kenne Radio Bremen „schon lange als feinen, regional gut verankerten und innovativen Sender“. Klaus Sondergeld, Vorsitzender des Radio-Bremen-Rundfunkrats wie auch der Findungskommission, zeigte sich überzeugt, dass Gerner „mit fachlicher Kompetenz und persönlichem Einfühlungsvermögen Radio Bremen erfolgreich durch die schwierigen Zeiten des digitalen Wandels steuern wird“.

Yvette Gerner, die am 15. Mai 1967 in Ludwigshafen geboren wurde, studierte in Heidelberg und Bonn Politische Wissenschaft, Germanistik und Slawistik. Während ihres Studiums war sie freie Mitarbeiterin bei der Tageszeitung „Die Rheinpfalz“ (Ludwigshafen). Ihr Studium schloss sie mit einer Promotion zum Thema „Europäische Union und Russland“ ab. Sie war ab 1995 journalistisch für die ZDF-Hauptredaktion Außenpolitik tätig, bevor sie ein Jahr später beim ZDF ein Volontariat begann. Anschießend war sie in der ZDF-Hauptredaktion Außenpolitik Chefin vom Dienst und Reporterin, bevor sie im Jahr 2002 die stellvertretende Leitung des ZDF-„Auslandsjournals“ übernahm.

Mitgliedschaft in der SPD

Zwei Jahre später wechselte Gerner als CvD in die Hauptredaktion Außenpolitik. 2010 ging sie in der gleicher Funktion in die ZDF-Chefredaktion, wo sie sich zuletzt auch um die Weiterentwicklung des Online-Angebots des Senders zuständig war. Darüber hinaus ist sie beim ZDF Senderbeauftragte von Funk, dem gemeinsamen Online-Angebot von ARD und ZDF für die 14- bis 29-Jährigen. Yvette Gerner ist seit Anfang der 1990er Jahre Mitglied der SPD. Im Jahr 2002 hatte sie für die SPD bei der Oberbürgermeisterwahl in Speyer kandidiert, verlor die Wahl aber gegen den Amtsinhaber von der CDU.

Medienberichten zufolge erklärte Gerner am 5. März nach ihrer Wahl zur neuen Radio-Bremen-Intendantin auch, dass sie kein aktives SPD-Mitglied sei. Sie sei unabhängig und fühle sich den Menschen vor Ort sowie den Beschäftigten des Senders verpflichtet. Der Rundfunkratsvorsitzende Klaus Sondergeld, der ebenfalls Mitglied der SPD ist, erklärte, bei der Intendantensuche habe eine Parteimitgliedschaft keine Rolle gespielt. Niemand sei wegen eines Parteibuchs bevorzugt oder benachteiligt worden. Um die Intendantenstelle, die im September 2018 öffentlich ausgeschrieben worden war, bewarben sich insgesamt 22 Personen. Neben Yvette Gerner waren in der Folge weitere drei Frauen und vier Männer zu Vorstellungsgesprächen eingeladen worden. Die Findungskommission, der sechs Mitglieder des Rundfunkrats und weitere drei Mitglieder des Verwaltungsrats angehörten, votierte dann einstimmig dafür, Yvette Gerner für die Intendantenwahl vorzuschlagen. Laut Radio-Bremen-Gesetz muss der Rundfunkrat unter Beteiligung des Verwaltungsrats der Sendeanstalt stets eine Findungskommission bilden, die die Intendantenwahl vorbereitet.

18.03.2019 – vn/MK

Print-Ausgabe 8-9/2019

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