Radio Bremen beschließt Änderungen bei Tochterfirmen

30.10.2018 • Radio Bremen hat in seiner Organisationsstruktur mehrere Änderungen beschlossen, die vor allem die Tochterfirmen des öffentlich-rechtlichen Senders betreffen. Künftig wird es mit der Bremedia Produktion GmbH nur noch eine zentrale Tochtergesellschaft von Radio Bremen geben. Mit der Strukturreform, die bis Sommer 2019 abgeschlossen sein soll, will Radio Bremen drei Ziele erreichen, wie die Rundfunkanstalt in einer Stellungnahme gegenüber der MK erklärte.

Erstens gehe es darum, so der Sender, die Unternehmensstruktur von Radio Bremen zu vereinfachen und dadurch den Aufwand zu mindern. Zweitens solle durch die Maßnahmen „eine sinnvolle Arbeitsteilung“ zwischen der Muttergesellschaft und der Bremedia geschaffen werden. Und drittens solle die Kommunikationsabteilung von Radio Bremen neu aufgestellt werden. Vom Verwaltungsrat und dem Rundfunkrat, den beiden Aufsichtsgremien der Sendeanstalt, wie auch vom Personalrat von Radio Bremen werden die Strukturänderungen einhellig mitgetragen.

Bremedia künftig ohne Bavaria Film

Künftig wird die Rundfunkanstalt die Bremedia alleine betreiben; der bisherige Partner, das Produktionsunternehmen Bavaria Film, wird als Gesellschafter ausscheiden. Vorgesehen ist, dies zum 1. Januar 2019 umzusetzen. Das würde bedeuten, dass Radio Bremen künftig die von der Bremedia gezahlte Gesellschafterausschüttung in Höhe von rund 100.000 Euro pro Jahr vollständig erhält und nicht mehr nur etwa zur Hälfte. Im Jahr 2006 hatten Radio Bremen und die Bavaria Film gemeinsam die Bremedia aufgebaut, in die damals alle Produktions- und Technikabteilungen von Radio Bremen für den Hörfunk- und Fernsehbereich ausgelagert wurden (vgl. FK-Heft Nr. 8/06).

Mit der Gründung der Bremedia sollte eine Kostenersparnis auch dadurch erzielt werden, dass neu eingestellte Mitarbeiter bei dem Produktionsunternehmen nicht zu den Konditionen bezahlt werden, die noch für die Mitarbeiter gelten, die 2006 von Radio Bremen in die Bremedia gewechselt waren. Nach dem für die Bremedia geltenden Haustarif fällt die Bezahlung für neue Mitarbeiter um zirka ein Drittel niedriger aus als die für die Altangestellten. Die Bremedia hat aktuell rund 280 Beschäftigte, von denen etwas mehr als die Hälfte im Lauf der vergangenen Jahre neu eingestellt wurde.

Beschlossen wurde nun außerdem, dass Radio Bremen seine Werbe- und Marketingtochter Radio Bremen Media GmbH auflöst. Diese Maßnahme soll voraussichtlich zum 1. Juni 2019 wirksam werden. Das in dem Unternehmen angesiedelte Werbegeschäft wird dann in die Bremedia eingegliedert. Die neunköpfige Marketing-Abteilung der Radio Bremen Media GmbH wird in die Sendeanstalt Radio Bremen integriert und dort mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu der neuen Abteilung ‘Kommunikation’ zusammengelegt, die dann der Intendanz zugeordnet sein wird. Die Leitungsstelle dieser neuen Kommunikationsabteilung soll ausgeschrieben werden, hatte Radio-Bremen-Intendant Jan Metzger im Juni vor dem Rundfunkrat erklärt.

Die beiden Geschäftsführer der Radio Bremen Media GmbH, Berthold Brunsen und Jan Schrader, werden sich nach der Auflösung der Firma auf ihre anderen Positionen bei Radio Bremen konzentrieren. Brunsen ist auch Chef des Hörfunkprogramms Bremen Eins, Schrader ist Finanzchef von Radio Bremen und zusätzlich Geschäftsführer der Bremedia. Weitere Geschäftsführerin der Bremedia ist Heidi Bruns. Auch nach Abschluss der Umstrukturierungen werden Bruns und Schrader die Bremedia leiten.

Werbegesellschaft wird aufgelöst

Radio-Bremen-Intendant Metzger sieht den vom ihm seit 2009 geleiteten Sender, wie es in der Stellungnahme des Senders gegenüber der MK heißt, „mitten in einer tiefgreifenden Umstrukturierung“, die sich auf „sogenannte ‘sekundäre’ Prozesse der ARD in Produktion, Technik und Verwaltung“ beziehe. „Wir wollen sicherstellen, dass wir als kleinste Landesrundfunkanstalt für diese Veränderungen optimal organisiert sind. Dafür brauchen wir eine starke Tochtergesellschaft, die möglichst viele dieser Tätigkeiten für uns leistet. Auf der anderen Seite muss unsere Kommunikation nach außen und nach innen für die digitalen, crossmedialen Zeiten neu ausgerichtet werden“, so der Intendant weiter. Metzger gibt zum 1. August 2019 bei Radio Bremen das Intendantenamt nach zehnjähriger Amtszeit ab. Dieser Schritt, erklärte der 62-Jährige, erfolge aus persönlichen Gründen (vgl. MK 19/18).

An der Bremedia hält Radio Bremen seit dem 1. Februar 2013 mit 51 Prozent die Mehrheit, die übrigen 49 Prozent gehören der Bavaria Film. Bislang ist die Übernahme der Bavaria-Film-Anteile noch nicht per Vertrag besiegelt worden. Es existiert dazu bisher nur ein Letter of Intent. Zur Höhe des Preises, den Radio Bremen für den Kauf der Bavaria-Film-Anteile an der Bremedia dem Münchner Produktionsunternehmen zahlen muss, will sich der Sender nicht äußern: Die Vertragssumme sei vertraulich und damit ein Geschäftsgeheimnis.

Bei der Gründung der Bremedia 2006 hatte die Bavaria Film mit 51 Prozent den Mehrheitsanteil erhalten, Radio Bremen übernahm die verbliebenen 49 Prozent. Dass dann im Jahr 2013 Radio Bremen bei der Bremedia die Mehrheit übernahm, wurde seitens des Senders damit begründet, dass man die Geschäftsaktivitäten dann „besser im Sinne von Radio Bremen steuern“ könne. In den beiden Geschäftsjahren 2010/11 und 2011/12 ergab sich für die Bremedia ein Verlust von zusammen knapp einer Million Euro, was auch auf signifikante Mehrkosten für die Produktion des ARD-Mehrteilers „Nils Holgerssons wunderbare Reise“ zurückzuführen war.

Nicht zuletzt die negativen Erfahrungen mit der „Holgersson“-Produktion führten dazu, dass die Bremedia seit längerer Zeit im Wesentlichen nur noch für Radio Bremen tätig ist (vor allem für die Produktion der Bremer „Tatort“-Folgen, des Regionalmagazins „Buten un binnen“ und der Talkshow „3 nach 9“). Das ursprüngliche Ziel, auch Aufträge für Fernsehproduktionen von anderen Sendern zu akquirieren, wurde letztlich nicht in größerem Umfang erreicht.

30.10.2018 – vn/MK

Print-Ausgabe 23/2018

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