Yvette Gerner soll bei Radio Bremen neue Intendantin werden

02.03.2019 •

Die ZDF-Journalistin Yvette Gerner soll neue Intendantin von Radio Bremen werden. Diese Wahlempfehlung traf die vom Rundfunkrat des öffentlich-rechtlichen Senders eingesetzte neunköpfige Findungskommission einstimmig. Das gab der Rundfunkrat von Radio Bremen am 19. Februar in einer Pressemitteilung bekannt. Die Intendantenwahl ist für die nächste Rundfunkratssitzung am 5. März (Dienstag) angesetzt. Dabei ist nicht zu erwarten, dass der Rundfunkrat der Wahlempfehlung nicht folgen wird. Das heißt, künftig wird an der Spitze des im Dezember 1945 gegründeten Senders erstmals eine Frau stehen. Die Intendantin bzw. der Intendant von Radio Bremen wird vom Rundfunkrat für eine fünfjährige Amtszeit gewählt. Dem Gremium gehören derzeit 31 Mitglieder an (ein Sitz ist vakant).

Zum 1. August 2019 muss die Leitungsposition bei dem Bremer Sender neu besetzt werden, da Intendant Jan Metzger darauf verzichtete, für eine dritte fünfjährige Amtsperiode zu kandidieren. Im September 2018 nannte Metzger, der Ende Januar 63 Jahre alt wurde, persönliche Gründe für seine Entscheidung; nach 35 Jahren Arbeit im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wolle er sich künftig anderen Dingen widmen (vgl. MK-Meldung). Der gelernte Journalist war ab 1983 beim Hessischen Rundfunk (HR) in Frankfurt, bevor er 2006 zum ZDF wechselte und dann Anfang August 2009 – in der Nachfolge von Heinz Glässgen – das Intendantenamt bei Radio Bremen übernahm.

Einstimmige Wahlempfehlung

„Die Mitglieder der Findungskommission sind vollkommen übereinstimmend der Ansicht, dem Rundfunkrat nach sorgfältiger Auswahl mit Frau Dr. Gerner einen überzeugenden Personalvorschlag zu machen“, erklärte Klaus Sondergeld (SPD), Vorsitzender der Findungskommission und Vorsitzender des Rundfunkrats. Sondergeld erklärte, Yvette Gerner sei eine „hochkompetente Frau“. Sie sei gelernte und leidenschaftliche Journalistin – „von der Pike Zeitung über Rundfunk und TV bis zum Digitalen“, wie sie selbst über sich sage, so Sondergeld. Als eine ihrer Stärken beschreibt der Rundfunkratsvorsitzende Gerners „strategische Kompetenz“, die gepaart sei „sowohl mit großer Teamorientierung als auch mit Entscheidungsfreude und der Bereitschaft – wenn notwendig – auch einmal Konflikte durchzustehen“. Plattformübergreifendes Planen und Arbeiten sei für Gerner „eng mit einer Arbeitskultur verbunden, die auf Gleichberechtigung, Diversität und Offenheit für Veränderung beruht“.

Yvette Gerner wurde am 15. Mai 1967 in Ludwigshafen geboren. Sie studierte von 1987 bis 1993 in Heidelberg und Bonn Politische Wissenschaft, Germanistik und Slawistik. Während ihres Studiums war sie als freie Mitarbeiterin bei der Tageszeitung „Die Rheinpfalz“ (Ludwigshafen) tätig. Nach ihrem Studium promovierte sie an der Universität Heidelberg über das Thema „Europäische Union und Russland“. Neben ihrer Arbeit an der Dissertation war sie ab 1995 für die ZDF-Hauptredaktion Außenpolitik tätig, bevor sie ein Jahr später beim ZDF ein Volontariat begann.

Frühere SPD-Bürgermeisterkandidatin

Im Anschluss daran arbeitete Gerner bei dem in Mainz ansässigen öffentlich-rechtlichen Fernsehsender bis 2002 in der Hauptredaktion Außenpolitik als Chefin vom Dienst (CvD) und Reporterin, bevor sie zur stellvertretenden Leiterin des ZDF-„Auslandsjournals“ berufen wurde. 2004 wurde sie CvD in der Hauptredaktion Außenpolitik. 2010 wechselte sie in der gleichen Funktion in die ZDF-Chefredaktion. Dort war sie zuletzt auch mit dem Aufbau und der Weiterentwicklung des Online-Angebots des Senders befasst. Außerdem ist sie beim ZDF Senderbeauftragte von Funk, dem gemeinsamen Online-Angebot von ARD und ZDF für die 14- bis 29-Jährigen.

Yvette Gerner trat Anfang der 1990er Jahre in die SPD ein. Im Jahr 2002 kandidierte sie für die SPD bei der Oberbürgermeisterwahl in Speyer. Sie verlor die Wahl gegen den CDU-Kandidaten und Amtsinhaber Werner Schindler, der damals mit rund 60 Prozent der Stimmen wiedergewählt wurde. Im Jahr 2016 war Gerner von der Speyerer SPD für 25 Jahre Parteimitgliedschaft geehrt. Gerners politisches Wirken in der SPD ist sicherlich kein Hinderungsgrund bei der Wahl zur Intendantin von Radio Bremen, der Rundfunkanstalt für das seit 1945 von der SPD regierte Bundesland. Der scheidende Radio-Bremen-Intendant Jan Metzger stammt aus einer sozialdemokratischen Familie, ist selbst aber parteilos.

Die Findungskommission hatte, wie es in der Pressemitteilung des Rundfunkrats weiter heißt, neben Yvette Gerner insgesamt noch sieben weitere Personen, vier Männer und drei Frauen, zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Im September 2018 war der Intendantenposten bei Radio Bremen öffentlich ausgeschrieben worden. Zudem hatte sich die Findungskommission vorgenommen, auch selbst Personen anzusprechen, die für die Leitungsfunktion in Frage kommen könnten. Insgesamt gab es 22 Bewerbungen. Die Findungskommission, der sechs Mitglieder des Rundfunkrats und weitere drei Mitglieder des Verwaltungsrats angehörten, entschied sich dann in der Finalrunde einstimmig dafür, Yvette Gerner als einzige Kandidatin für die Wahl vorzuschlagen. Laut Radio-Bremen-Gesetz muss der Rundfunkrat unter Beteiligung des Verwaltungsrats der Sendeanstalt zur Vorbereitung einer Intendantenwahl stets eine Findungskommission bilden.

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• Derzeit gibt es im ARD-Verbund sieben Intendanten und zwei Intendantinnen: Jan Metzger (Radio Bremen), Thomas Kleist (Saarländischer Rundfunk), Ulrich Wilhelm (Bayerischer Rundfunk), Manfred Krupp (Hessischer Rundfunk), Peter Boudgoust (SWR), Lutz Marmor (NDR), Tom Buhrow (WDR), Karola Wille (MDR) und Patricia Schlesinger (RBB).

02.03.2019 – vn/MK