„Charité“ drehen in Prag

22.02.2019 •

Jüngst sprach Moderator Kristian Thees in seiner Sonntagssendung „Talk mit Thees“ im Hörfunkprogramm SWR 3 mit Anno Saul, dem Regisseur der zweiten Staffel der ARD-Fernsehserie „Charité“. Der Start der zweiten Staffel (6 Folgen) war am 19. Februar im Ersten. Das Gespräch fand in der Thees-Sendung vom 17. Februar statt. Hier ein kurzer Auszug:

Kristian Thees: Die Dreharbeiten, die fanden also fast ausschließlich in Prag statt, auch wenn die echte „Charité“, wie sie ja auch im Prinzip im Film, in der Serie zu sehen ist, natürlich noch existiert, aber du kannst ja den Betrieb nicht stören mit den ganzen Dreharbeiten. Also seid ihr in ein leerstehendes Kloster in Prag, eine Stadt, die ohnehin überhaupt perfekt geeignet ist für historische Dreharbeiten, ob es nun um alte Instrumente geht, ob’s um Requisiten geht. Auch die Amerikaner drehen dort ganz gerne. Es ist alles vorhanden in Prag. Ich frage mich: Warum eigentlich?

Anno Saul: Na ja, weil, ich mein’, die hatten viele Jahre einfach einen Preisvorteil. Und dann gibt es ja auch arbeitsschutzrechtliche Dinge. In Deutschland kann man nur noch zwölf Arbeitsstunden am Tag arbeiten. Das ist in Prag nicht so. Und – zwölf Arbeitsstunden klingen viel, ist aber, wenn ich sozusagen anfange, morgens ein solches Set, einen solchen Drehort vorzubereiten, wenn ich 80 Komparsen anziehen muss, 80 Komparsen eine Frisur verpassen muss, bis sie dann sozusagen in der Kälte draußen sind, ich die erste Probe mache, die alten Autos müssen da sein, die müssen auch fahren, die müssen alle auf Anfang sein; bis ich meine erste Klappe schlage, sind fünf oder sechs Stunden davon vorbei und dann hab ich in Deutschland noch fünf Stunden oder sechs Stunden, weil ich ja dann erstmal ’ne Mittagspause machen muss. Und das ist in Prag schon nochmal’n bisschen was anderes und das funktioniert dann halt in Deutschland nicht. Deshalb wird in Deutschland, wenn das gedreht wird, nur gedreht, wenn sehr viel mehr Geld dafür da ist.

22.02.2019 – MK