Stefan Raue zum neuen Intendanten des Deutschlandradios gewählt

Stefan Raue, bislang Chefredakteur des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), wird neuer Intendant des Deutschlandradios. Der Hörfunkrat der Sendeanstalt wählte in seiner Sitzung am 8. Juni 2017 in Köln Raue zum Nachfolger von Willi Steul, der im November 2016 angekündigt hatte, die Intendantenposition vorzeitig abzugeben. Raue erhielt im Hörfunkrat 26 Stimmen. Damit wurde exakt das notwendige Quorum im Hörfunkrat erreicht, in dem eine Zustimmung von mindestens zwei Dritteln seiner Mitglieder nötig war (mindestens 26 Stimmen). Neun Hörfunkratsmitglieder stimmten gegen Raue. Zudem gab es eine Enthaltung. An der Wahl nahmen 36 Hörfunkratsmitglieder teil. Drei Mitglieder fehlten in der Sitzung des Gremiums, das derzeit 39 Mitglieder hat (ein Sitz in dem eigentlich 40-köpfigen Gremium ist seit einiger Zeit vakant).

Der 58-jährige Stefan Raue, der Mitglied der SPD ist, wurde vom Hörfunkrat nun für eine fünfjährige Amtsperiode gewählt. Am 1. September 2017 wird er vom 66-jährigen Willi Steul das Intendantenamt beim Deutschlandradio übernehmen, das die drei Programme Deutschlandfunk (Sitz: Köln), Deutschlandfunk Kultur (Berlin) und Deutschlandfunk Nova (Köln) veranstaltet. Stefan Raue, geboren am 11. Dezember 1958, war bisher ab Anfang November 2011 MDR-Chefredakteur und verantwortete seitdem die journalistische Berichterstattung in den Fernseh- und Radiosendungen sowie im Online-Angebot des Mitteldeutschen Rundfunks. Bevor Raue zum MDR wechselte, war er ab 1995 in verschiedenen Positionen beim ZDF tätig, unter anderem als stellvertretender Leiter der „Heute“-Nachrichtenredaktion und als stellvertretender Hauptredaktionsleiter im Bereich Politik und Zeitgeschehen.

Willi Steuls Nachfolger übernimmt Leitungsposition am 1. September 2017

Seine berufliche Laufbahn startete Raue, der Geschichtswissenschaften in Freiburg und Bielefeld studiert und anschließend ein Volontariat absolviert hat, beim Westdeutschen Rundfunk (WDR). Dort arbeitete der gebürtige Wuppertaler von 1987 bis 1990 als Reporter, bevor er als Politikredakteur und Chef vom Dienst (CvD) zu RIAS-TV wechselte. RIAS-TV wurde Anfang April 1992 in die Deutsche Welle eingegliedert, für die Raue dann in der Folge tätig war. Im Jahr 1995 ging Stefan Raue zum ZDF.

Vom achtköpfigen Verwaltungsrat des Deutschlandradios war Stefan Raue am 27. April einstimmig zur Wahl zum neuen Deutschlandradio-Intendanten vorgeschlagen worden. Laut dem Deutschlandradio-Staatsvertrag muss sich der Verwaltungsrat im Verfahren zur Intendantenwahl mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit auf einen Personalvorschlag einigen, der an den Hörfunkrat weiterzuleiten ist. Nachdem Raue vom Verwaltungsrat, der von ZDF-Intendant Thomas Bellut geleitet wird, vorgeschlagen worden war, regte sich Widerstand im Hörfunkrat.

Der Chef des baden-württembergischen Staatsministeriums, Staatsminister Klaus-Peter Murawski (Grüne), hatte Ende April gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) für eine „hausinterne Lösung“ bei der Besetzung der Intendantenposition plädiert und sich für Deutschlandradio-Programmdirektor Andreas-Peter Weber als Nachfolger von Willi Steul ausgesprochen. Murawski, der im Hörfunkrat Vertreter des Landes Baden-Württemberg ist, sagte damals, er sehe keine Mehrheit für Raue. Von Vertretern der Gewerkschaften und katholischer Kirche seien Bedenken gegen den Vorschlag des Verwaltungsrats geäußert worden.

Der 56-jährige Andreas-Peter Weber, der seit September 2011 Programmdirektor des Deutschlandradios ist, gehörte zu den insgesamt vier Personen, die als Kandidaten für das Intendantenamt beim Deutschlandradio genannt wurden, bevor der Verwaltungsrat der Hörfunkanstalt dann Stefan Raue für die Intendantenwahl vorschlug. Neben Raue und Weber handelte es sich noch um Eckart Gaddum, 57, Leiter der ZDF-Hauptabteilung „Neue Medien“, und Martin Hoffmann, 57, Intendant und künstlerischer Leiter der Berliner Philharmoniker und früherer Programmgeschäftsführer des privaten Fernsehsenders Sat 1.

Willi Steul übernahm Anfang April 2009 das Intendantenamt beim Deutschlandradio. Er hatte damals Ernst Elitz abgelöst, den ersten Intendanten der 1994 gegründeten Hörfunkanstalt. Im Juni 2013 wurde Steul für eine zweite fünfjährige Amtsperiode wiedergewählt, die am 1. April 2014 begann. Im November 2016 erklärte Steul, sein Amt vorzeitig abzugeben. Seinen Schritt begründete er damit, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen sei, „um die Staffelübergabe an seine Nachfolgerin oder seinen Nachfolger einzuleiten“. Bevor Steul, der Mitglied der CDU ist, Intendant des Deutschlandradios wurde, war er ab 1998 beim damals neu entstandenen Südwestrundfunk (SWR) Direktor des Landessenders Baden-Württemberg.

08.06.2017 – MK

Print-Ausgabe 24/2018

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