Deutschlandradio-Intendant Willi Steul gibt sein Amt vorzeitig ab

Deutschlandradio-Intendant Willi Steul hört vorzeitig auf. Er werde sein Amt zum 1. Mai 2017 zur Verfügung stellen, gab das Deutschlandradio am 23. November in einer Pressemitteilung bekannt. Steul, der Ende April 65 Jahre alt wurde, ist seit dem 1. April 2009 Intendant des Deutschlandradios, das die bundesweiten Programme Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen betreibt. Im Juni 2013 war Steul vom Hörfunkrat des Deutschlandradios für eine zweite fünfjährige Amtsperiode als Intendant wiedergewählt worden. Sie begann am 1. April 2014 und würde noch bis zum 31. März 2019 laufen.

Steul hat nun angekündigt, das Amt knapp zwei Jahre vor dem Ablauf seiner Amtsperiode niederzulegen und in den Ruhestand zu treten. Ob der Amtsübergabe-Zeitpunkt 1. Mai 2017 eingehalten werden kann, muss sich letztlich noch zeigen. Der Deutschlandradio-Verwaltungsrat, mit dem der genaue Termin für die Übergabe im Einvernehmen festgelegt wird, hat nun die Aufgabe, dem Hörfunkrat in der näheren Zukunft eine Person für die Leitungsposition vorzuschlagen. Gewählt wird der Deutschlandradio-Intendant für die Dauer von fünf Jahren vom Hörfunkrat (vgl. auch nachfolgende Meldung).

Brief an den Verwaltungsratsvorsitzenden

Laut der Mitteilung des Senders betonte Willi Steul in einem Schreiben an den Vorsitzenden des Deutschlandradio-Verwaltungsrats, ZDF-Intendant Thomas Bellut, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen sei, „um die Staffelübergabe an seine Nachfolgerin oder seinen Nachfolger einzuleiten“. Die Debatte um die langfristige Finanzierung, den Auftrag und die Strukturen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks werde bereits jetzt deutlich schärfer, erklärte Steul: „Um in dieser Diskussion eine aktive Rolle spielen zu können, benötigt Deutschlandradio einen mit den Bedingungen des Hauses vertrauten und eingearbeiteten Intendanten, der sowohl nach innen als auch nach außen eine deutlich über das Jahr 2019 hinaus reichende Führungsperspektive vermittelt.“

In seinem Schreiben an Thomas Bellut verweist Intendant Steul auf die positive Entwicklung der Hörfunkanstalt: „Deutschlandradio ist ein gut bestelltes Feld.“ Die Programme seien in seiner Amtszeit erfolgreich weiterentwickelt worden und sie erreichten so viele Hörer wie nie zuvor seit der Gründung des Deutschlandradios im Jahr 1994. Auch im Online-Bereich und auf digitalen Drittplattformen „genieße das Angebot des Hauses hohe Akzeptanz“, so Steul. Daneben seien unter seiner Führung seit dem Jahr 2009 auch die technischen und administrativen Bereiche von Deutschlandradio erfolgreich modernisiert und auf die digitale Welt ausgerichtet worden. Und schließlich sei „die für Deutschlandradio und die Zukunft der gesamten Gattung Radio besonders wichtige Entwicklung bei DAB plus unumkehrbar“.

Der Hörfunkrat des Deutschlandradios würdigte in seiner Sitzung am 1. Dezember in Berlin die Verdienste von Steul. Der Hörfunkratsvorsitzende Frank Schildt hob in einer Sendermitteilung hervor, die positive Entwicklung des Deutschlandradios in den vergangenen Jahren sei ein Verdienst des Intendanten. Der Hörfunkrat würdigte, dass sich das Deutschlandradio unter Steuls Führung „zu einem Flaggschiff des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ entwickelt habe. Der Verwaltungsratsvorsitzende Thomas Bellut erklärte, das Deutschlandradio befinde „sich in einem sehr guten Zustand“.

Im Vorfeld der Wiederwahl von Willi Steul als Intendant des Deutschlandradios im Juni 2013 hatte es in Presseberichten geheißen, diese Wahl sei mit einem Deal verknüpft, dem zufolge Steul bereit sei, das Intendantenamt im Alter von 65 Jahren vorzeitig abzugeben. Hintergrund dafür sollte sein, so hieß es damals weiter, dass bei der Deutschen Welle (DW) am 1. Oktober 2013 Peter Limbourg, der dem konservativen Lager zuzuordnen sei, das Intendantenamt übernehme. Damit stünden dann in der Folge an der Spitze von Deutschlandradio und Deutscher Welle zwei Personen aus dem Unions-Lager, was nicht der politischen Aufteilungsarithmetik zwischen Rot und Schwarz bei diesen beiden Anstalten entspreche. Deutschlandradio-Intendant Willi Steul ist Mitglied der CDU. Auf Steul könnte dann nach seinem vorzeitigen Abschied – so würde es angeblich der Deal aus dem Jahr 2013 besagen – ein Intendant aus dem roten Lager nachfolgen.

Eine Frage der politischen Arithmetik?

In einem am 23. November online veröffentlichten Interview mit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“, in dem Steul auch zu dem Grund für seinen vorzeitigen Amtsverzicht gefragt wurde, sagte der Intendant: „Es gibt keinen politischen Druck, der zu meinem Rücktritt führte.“ Auch in dem Interview verwies Steul darauf, dass „der öffentliche Druck auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk so stark geworden ist, dass es früher jemanden braucht, der das Deutschlandradio trittsicher durch diese Debatten führt“. Aus seiner eigenen Erfahrung wisse er, dass man ein Jahr brauche, „um sich in dieses Amt richtig einzuarbeiten“.

Willi Steul wurde am 28. April 1951 in Brechen (bei Limburg an der Lahn) geboren. Er studierte in Oxford, Paris, Frankfurt am Main und Kabul Ethnologie, Philosophie, katholische Theologie und Geschichte. Im Jahr 1978 promovierte er an der Universität Heidelberg im Fach Ethnologie zum Dr. phil.; seine berufliche Laufbahn begann er im selben Jahr beim Hörfunk des damaligen Südwestfunks (SWF). Steul arbeitete als Politikredakteur und als Korrespondent im SWF-Studio in der damaligen Bundeshauptstadt Bonn. In den Jahren 1980 und 1981 berichtete er als ARD-Reisekorrespondent aus Afghanistan, bevor er 1982 als ARD-Hörfunkkorrespondent nach Athen ging. 1987 kehrte Steul zum Südwestfunk zurück, ab 1990 war er dann zunächst ARD-Sonderkorrespondent in Genf. Später berichtete er in derselben Funktion für die ARD über den Golfkrieg.

Im Jahr 1992 wurde Steul stellvertretender Leiter des vom SWF und dem Süddeutschen Rundfunk (SDR) betriebenen Studios in Bonn. Zwei Jahre später stieg er zum Chefredakteur des Programms Deutschlandradio Berlin auf, das im März 2005 in Deutschlandradio Kultur umbenannt wurde. 1998 wurde er beim damals aus der Fusion von SWF und SDR entstandenen Südwestrundfunk (SWR) Direktor des Landessenders Baden-Württemberg. Ende 2008 wurde Steul dann zum Intendanten des Deutschlandradios gewählt (vgl. FK-Heft Nr. 51-52/08). Dieses Amt übernahm er am 1. April 2009 in der Nachfolge von Ernst Elitz, dem ersten Intendanten der Hörfunkanstalt.

12.12.2016 – Volker Nünning/MK