Dieter Stolte leitet das Deutschlandradio

07.01.1994 •

ZDF-Intendant Dieter Stolte wurde am 23. Dezember 1993 vom künftigen Verwaltungsrat des neuen Deutschlandradios zum Vorsitzenden und damit verbunden zum kommissarischen Intendanten des nationalen Hörfunks bestimmt. Damit führt er bis zur Wahl des eigentlichen Intendanten dessen Amtsgeschäfte. Stolte schrieb in der Programmbroschüre „Continuum“ des Deutschlandsenders(DS) Kultur, das ZDF begrüße die Möglichkeit, zusammen mit der ARD nunmehr auch für den erweiterten Hörfunkauftrag ein Stück Mitverantwortung übernehmen zu können.

Er wünsche sich das Deutschlandradio als „Abbruchunternehmen für Mauern in unseren Köpfen“, schrieb der NDR-Intendant und ARD-Vorsitzende Jobst Plog in einem Grußwort in derselben Ausgabe von „Continuum“. Plog wurde am 23. Dezember zum stellvertretenden Vorsitzenden des Deutschlandradio-Verwaltungsrats bestimmt. Der Prozess der deutsch-deutschen Einigung, der sich im Mikrokosmos Deutschlandradio vollziehe, qualifiziere dieses Radio für seinen Auftrag: Integration, meinte Plog.

Die Rechtsgrundlage für die Bundesrundfunkanstalt Deutschlandfunk (Sitz: Köln) sei mit der Wiedervereinigung vor drei Jahren „problematisch“ geworden, da Kultur Ländersache sei, jedenfalls die Treuhänderschaft des Bundes für die Menschen „drüben“ nicht mehr so bestehe wie vordem, stellte Dettmar Cramer, bis zum 31. Dezember 1993 Intendant des DLF, in seiner Neujahrsansprache fest, die am 31. Dezember um 18.05 Uhr im DLF-Programm ausgestrahlt wurde. Das größer gewordene Deutschland habe Anspruch auf überregionalen Rundfunk, meinte Cramer. Der Kampf um die täglichen Einschaltquoten werde angesichts eines enger werdenden Marktes eher noch härter, genau da aber fingen die Probleme für das Deutschlandradio an, würden erste „Abwehrreaktionen“ bei Ländern wie bei Landesrundfunkanstalten sichtbar. Das DLF-Programm sei seit 32 Jahren „Grundversorgung“ gewesen, das Informationsprogramm gelte es, zusammen mit dem Berliner Programm, konsequent fortzusetzen, forderte Cramer.

Deutschlandfunk, DS Kultur und RIAS

Das Deutschlandradio werde und könne für die Landesrundfunkanstalten keine Konkurrenz sein, betonte der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Saarbrücker Landtag, Reinhard Klimmt, in einem Beitrag für die Januar-Nummer der DLF-Programmzeitschrift. Am Katzentisch der beiden öffentlich-rechtlichen Systeme dürfe Deutschlandradio nicht platziert werden, dazu seien Aufgabe und Funktion zu wichtig. Deutschlandradio sei ein „Radio der Integration und der Weltoffenheit“, betonte Klimmt.

Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen sagte am 29. Dezember vorigen Jahres, wenn ab dem 1. Januar 1994 der Deutschlandfunk aus dem Westen, DS Kultur aus dem Osten und RIAS aus der Vier-Sektoren-Stadt Berlin zusammengingen, dann sei die Zukunft im wahrsten Sinne gesamtdeutsch. Diepgen dankte außerdem den Amerikanern, die den RIAS vor 47 Jahren eingerichtet hatten.

• Text aus Heft Nr. 1/1994 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

07.01.1994 – FK

Print-Ausgabe 23/2019

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