Willi Steul wird ab April 2009 neuer Intendant beim Deutschlandradio

19.12.2008 •

Willi Steul, seit 1998 Landessenderdirektor Baden-Württemberg beim Südwestrundfunk (SWR), wird neuer Intendant des Deutschlandradios. Der Hörfunkrat der Sendeanstalt wählte den 57-Jährigen auf der Sitzung am 4. Dezember 2008 in Berlin. Zuvor hatte der Deutschlandradio-Verwaltungsrat den promovierten Ethnologen dem Hörfunkrat zur Wahl vorgeschlagen. Steul übernimmt die Position am 1. April 2009 und tritt dann die Nachfolge an von Ernst Elitz, 67. Dessen dritte (fünfjährige) Amtsperiode endet am 31. März 2015 turnusgemäß. Elitz, der dann in den Ruhestand tritt, ist erster und bisher einziger Intendant des im April 1994 gegründeten nationalen Hörfunks, der die beiden werbefreien Programme Deutschlandfunk (Köln) und Deutschlandradio Kultur (Berlin) betreibt.

Bevor Ernst Elitz zum Deutschlandradio wechselte, war er Chefredakteur Fernsehen beim damaligen Süddeutschen Rundfunk (SDR), der 1998 mit dem Südwestfunk (SWF) zum neuen SWR zusammengelegt wurde. Beim Deutschlandradio steht somit künftig abermals eine Persönlichkeit an der Spitze, die aus einer südwestdeutschen Rundfunkanstalt kommt. Ab Mitte der 1970er Jahre arbeitete Will Steul, geboren am 28.4.1951 in Brechen (bei Limburg an der Lahn), fast ununterbrochen zwanzig Jahre lang für den Südwestfunk, unter anderem als Redakteur und Reporter, außerdem als Radiokorrespondent aus Griechenland, der Türkei und Zypern. 1994 wurde er dann zum Chefredakteur des damals neu gestarteten Programms Deutschlandradio Berlin (heute: Deutschlandradio Kultur) berufen. Vier Jahre später wechselte er zum SWR nach Stuttgart und übernahm dort die Leitung des Landessenders Baden-Württemberg. Ende 2006 war Steul einer von drei Kandidaten für den Intendantenposten beim SWR. Bei der Wahl setzte sich aber Peter Boudgoust durch, der Verwaltungsdirektor des Senders, der damit Nachfolger von Peter Voß wurde (vgl. FK-Heft Nr. 49/06).

Bei der Wahl zum Intendanten des Deutschlandradios stimmten für Steul, der Mitglied der CDU ist, 31 von 36 anwesenden Mitgliedern des insgesamt 40-köpfigen Hörfunkrats. Die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit wurde deutlich übertroffen. Damit erfolgte die Wahl im parteiübergreifenden Konsens. Nur vier Hörfunkräte stimmten mit Nein, ein Mitglied enthielt sich. Bevor das Gremium Steul zum Intendanten wählte, hatte sich der Verwaltungsrat des Deutschlandradios unter Vorsitz von ZDF-Intendant Markus Schächter am Vormittag des 4. Dezember in Berlin zu einer Sondersitzung getroffen. Dem achtköpfigen Gremium präsentierten sich drei der zuletzt noch vier im Rennen verbliebenen Kandidaten. Dabei handelte es sich neben Steul um Christoph Hauser, seit Januar 2005 Programmdirektor bei Arte, sowie um Johann-Michael Möller, seit November 2006 Hörfunkdirektor des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Nach deren Präsentationen sprach sich der Verwaltungsrat anschließend dafür aus, dem Hörfunkrat Willi Steul zur Wahl vorzuschlagen.

Der stellvertretende Hörfunkratsvorsitzende Frank Schildt, medienpolitischer Sprecher der bremischen SPD-Bürgerschaftsfraktion, verwies auf die Kontinuität, die beim Deutschlandradio mit der Wahl des neuen Intendanten verbunden sei. Willi Steul sei „eine erfahrene Führungspersönlichkeit mit hoher Kulturaffinität, die die hohe Qualität von Deutschlandfunk und Deutschlandradio Kultur garantiert. Der Aufbau und die Realisierung eines dritten Programms DRadio Wissen liegen bei ihm in den besten Händen“, betonte Schildt.

Der Staatsminister für Kultur und Medien, Bernd Neumann (CDU), gratulierte Willi Steul. Der Hörfunkrat habe sich mit seiner klaren Entscheidung für eine „anerkannte und erfahrene Persönlichkeit entschieden“. Steul sei mit seiner hohen journalistischen Kompetenz eine gute Wahl für die Zukunft des Deutschlandradios, so Neumann weiter.

Der Verwaltungsratsvorsitzende Markus Schächter würdigte Steul als „einen hervorragenden öffentlich-rechtlichen Rundfunkmann“, der in seinen bisherigen beruflichen Stationen und bei zahlreichen Auslandseinsätzen als Korrespondent seine journalistische Qualifikation und seine organisatorischen Fähigkeiten habe unter Beweis stellen können. In diesem Zusammenhang verwies der ZDF-Intendant insbesondere auf den von Steul geleiteten Aufbau des SWR-Landessenders Baden-Württemberg. Steul eigene sich dafür, das Deutschlandradio in die digitale Zukunft zu führen, so Schächter weiter.

Darüber hinaus wird sich der neue Intendant künftig wahrscheinlich auch darum bemühen, das Verhältnis der Sendeanstalt zur ARD zu entkrampfen. Hier gibt es seit längerem Spannungen, die sich zuletzt auch beim geplanten neuen Digitalangebot DRadio Wissen offenbarten, bei dem beide Seiten zusammenarbeiten sollen. Das neue Programm soll Anfang 2010 starten (vgl. FK-Heft Nr. 48/08). Das Deutschlandradio will bei Kooperationen mit der ARD in Programmfragen das Letztentscheidungsrecht besitzen. Die ARD will sich, was DRadio Wissen anbelangt, offenbar nicht auf die Rolle eines reinen Zulieferers von Inhalten beschränkt wissen.

• Text aus Heft Nr. 51-52/2008 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

19.12.2008 – FK