Keinen Käufer gefunden: NRW TV hat den Betrieb eingestellt

16.05.2016 •

Das Regionalprogramm NRW TV mit Sitz in Düsseldorf hat seinen Geschäftsbetrieb am 6. Mai eingestellt. Das teilte Dirk Andres, der Insolvenzverwalter des Senders, am 10. Mai mit. Die Maßnahme sei nötig geworden, da trotz mehrerer Interessenten kein Käufer für das insolvente Unternehmen habe gefunden werden können. „Ohne Investor mit einem tragfähigen Konzept können wir NRW TV nicht fortführen“, erklärte Andres. Folge sei daher die Einstellung des landesweiten Sendebetriebs. Die rund 15 Mitarbeiter des Senders seien nun freigestellt. Sie haben in der Zeit von Februar bis April von der Bundesagentur der Arbeit Insolvenzgeld erhalten.

Die Betreibergesellschaft des Programms, die NRW TV Fernsehen aus Nordrhein-Westfalen GmbH & Co. KG, hatte am 1. März Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Der Geschäfts- und damit auch der Sendebetrieb von NRW TV war dennoch zunächst uneingeschränkt fortgeführt worden. Am 1. Mai eröffnete das Amtsgericht Düsseldorf dann das Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung (Az.: 501 IN 37/16). Dirk Anders wurde zum Insolvenzverwalter bestellt; er war zuvor schon vorläufiger Insolvenzverwalter von NRW TV. Andres ist Rechtsanwalt und Sanierungsexperte bei seiner in Düsseldorf ansässigen Kanzlei Andres Partner.

Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung

Laut dem Ergebnis von Befragungen, die NRW TV bei der Innofact AG in Auftrag gegeben hatte, kam das Programm zuletzt auf rund 1,3 Mio Stammseher in Nordrhein-Westfalen. Über das Kabelnetz konnten in dem Bundesland rund 4 Mio Haushalte das Angebot des Senders empfangen. Zusätzlich war das Programm als Livestream über die eigene Internet-Seite abrufbar. NRW TV war im Jahr 2005 auf Sendung gegangen (vgl. FK-Heft Nr. 18/05). Keimzelle war der damals Pleite gegangene Sender TV NRW, der 2001 gestartet war und an dem zuletzt mit 70 Prozent die APM Medien Agentur und mit 30 Prozent die DuMont-Mediengruppe („Express“, „Kölner Stadt-Anzeiger“, „Kölnische Rundschau“) beteiligt gewesen waren. Über die Jahre gab es mehrfach Berichte, dass es finanzielle Schwierigkeiten bei NRW TV gebe und dass mangels Wirtschaftlichkeit womöglich die Einstellung des Senders bevorstehe. In den Jahren 2011 und 2012 wurden die Mitarbeiter jeweils eine Zeit lang über Kurzarbeit beschäftigt.

Ende April 2014 war bei NRW TV der frühere RTL-Geschäftsführer Helmut Thoma mit 24 Prozent eingestiegen. Zusätzlich übernahm er ab diesem Zeitpunkt auch die alleinige Geschäftsführung des Regionalsenders und setzte auf einige programmliche Neuerungen, darunter das interaktive Format „Nix TV“, mit dem ein jüngeres Publikum erreichen werden sollte. Die Live-Sendung (werktags von 20.00 bis 22.00 Uhr) existierte allerdings nur rund neun Monate, von Mitte Juni 2013 bis Ende März 2015.

Weitere Gesellschafter von NRW TV waren neben Thoma zuletzt die Funke-Mediengruppe, die DFA NRW Holding und eine Firma des Medienunternehmers Ralf G. Neumann. Im Jahr 2008 war die damalige WAZ-Mediengruppe, die heutige Funke-Mediengruppe, mit 24,9 Prozent bei NRW TV eingestiegen. Beteiligt an der DFA NRW Holding ist neben Helmut Thoma unter anderem auch Helmut Keiser, früherer Geschäftsführer des Senders NBC Europe und der Deutschen Fernsehnachrichten Agentur (DFA). Ende Dezember 2015 gab Thoma die Geschäftsführung von NRW TV wieder ab. Auf ihn folgte Ralf G. Neumann, der zuvor bereits von 2006 bis Frühjahr 2014 die Geschäfte des Senders geführt hatte.

Zu wenig Werbeeinnahmen

Nachdem NRW TV Anfang März 2016 Insolvenz beantragt hatte, kritisierte Helmut Thoma gegenüber dem „Tagesspiegel“ (Ausgabe vom 7. März), dass in Deutschland der Fernsehwerbemarkt zu 93 Prozent von Media-Agenturen beherrscht werde: „Diese haben kein Interesse daran, Regionalfernsehsender zu bedenken, da diese für die Planung aufwendiger sind. Die Media-Agenturen schaufeln daher“, so Thoma, „das gesamte Werbegeld zu den beiden großen nationalen Werbegruppen RTL Television und Pro Sieben Sat 1.“ Hier erhielten die Agenturen sehr hohe Rückvergütungen, die sie von kleineren TV-Sendern nicht bekämen.

Wegen fehlender Wirtschaftlichkeit hatte Ende März dieses Jahres bereits die DuMont-Mediengruppe ihren Lokalsender Köln TV eingestellt, der erst Anfang 2015 aus dem Programm Center TV Köln hervorgegangen war. Zuvor hatten schon drei weitere Lokalprogramme ihren Sendebetrieb beendet: Center TV Münster im Mai 2014, Center TV Aachen im März 2014 und Center TV Ruhr im Mai 2012. In Nordrhein-Westfalen sind jetzt noch drei lokale Fernsehprogramme auf Sendung. Dabei handelt es sich um Center TV Region Düsseldorf/Neuss, Studio 47 (Duisburg) und um City Vision (Mönchengladbach). Center TV ist seit 2010 vollständig im Besitz der Rheinisch-Bergischen Verlagsgesellschaft in Düsseldorf, die die Tageszeitung „Rheinische Post“ herausgibt. Die Verlagsgruppe ist zudem an City Vision mit 60 Prozent beteiligt. 30 Prozent besitzt die Verlagsgesellschaft am Sender Studio 47.

16.05.2016 – MK