Geringere Beitragserträge: Saarländischer Rundfunk beschließt Sparpaket

07.07.2017 •

Der Saarländische Rundfunk (SR) in Saarbrücken hat ein Zehn-Punkte-Sparpaket auf den Weg gebracht, mit dem der öffentlich-rechtliche Sender ab dem nächsten Jahr seine Kosten senken will. Die Einsparungen werden alle Bereiche der Rundfunkanstalt betreffen, also Produktion, Programm, Technik, Verwaltung und Intendanz. Die Maßnahmen sind aus Sicht von SR-Intendant Thomas Kleist notwendig, da in den kommenden Jahren die Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag für den Saarländischen Rundfunk geringer ausfallen werden, als bisher erwartet worden war.

Auf jährlich rund 3 Mio Euro weniger taxiert der SR (schon ab diesem Jahr) die Beitragserträge. Der Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio, die in Köln ansässige Nachfolgeeinrichtung der Gebühreneinzugszentrale (GEZ), hat nach Angaben des Saarländischen Rundfunks „die Beitragseinnahmen aus dem Saarland für den SR zu optimistisch prognostiziert“. Die neun ARD-Anstalten gehen derzeit davon aus, dass im Zeitraum von 2017 bis 2020 die Beitragseinnahmen um insgesamt 233 Mio Euro niedriger ausfallen werden, als es zuletzt noch angenommen worden war (vgl. MK-Meldung).

Ein nicht selbst verschuldetes Szenario

SR-Intendant Kleist verweist zur Begründung für die nun bei seinem Sender eingeleiteten Kostensenkungen einer Pressemitteilung zufolge außerdem darauf, dass es Forderungen aus der Politik gebe, den Rundfunkbeitrag über das Jahr 2020 hinaus bei der heutigen Höhe von 17,50 Euro pro Monat konstant zu halten. Käme es dazu, blieben infolgedessen die Einnahmen für den SR unverändert und der Sender müsste dann, worauf er entsprechend verweist, dennoch allgemeine preis- und tarifbedingte Kostensteigerungen bewältigen. Auch der neue, seit Januar 2017 gültige ARD-Finanzausgleich reiche nicht aus, die erwarteten Einnahmeausfälle zu kompensieren. Anfang 2017 war das Finanzausgleichssystem des Senderverbundes reformiert worden, wodurch sich seitdem die finanzielle Ausstattung von SR und Radio Bremen, der beiden kleinsten ARD-Anstalten, signifikant verbessert hat (vgl. MK-Meldung).

Intendant Kleist sieht den Saarländischen Rundfunk nun jedoch abermals hinsichtlich der Finanzen in einem nicht selbst verschuldeten Szenario, das man aber „proaktiv bewältigen“ wolle. Dazu wurde das Zehn-Punkte-Sparpaket geschnürt. Kleist verwies in diesem Zusammenhang auch darauf, dass beim SR das Personal bereits um fast ein Drittel reduziert, das Programmvolumen deutlich verringert und durch zahlreiche Kooperationen mit anderen Landesrundfunkanstalten „beispielhaft gespart“ worden sei.

Finanzbedarf anstaltsindividuell ermitteln

In der Sitzung des SR-Rundfunkrats am 19. Juni plädierte Thomas Kleist erneut dafür, die Ermittlung des Finanzbedarfs der ARD-Sender anstaltsindividuell vorzunehmen. Bisher ist das Verfahren so ausgestaltet, dass die ARD ihren Finanzbedarf insgesamt anmeldet, der dann von der Finanzkommission KEF geprüft wird. Nach Zustimmung des von der KEF festgestellten notwendigen Finanzbedarfs (und der Festlegung der entsprechenden Rundfunkbeitragshöhe) wird dieses Geld für die ARD primär nach dem Territorialprinzip vergeben. Das heißt, wie hoch die Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag einer ARD-Landesrundfunkanstalt ausfallen, hängt letztlich überwiegend von der Anzahl der im jeweiligen Sendegebiet wohnenden Beitragszahler ab. Anstalten mit einem Sendegebiet, in dem es eine geringe Bevölkerungszahl gibt, haben deshalb im Vergleich zu Anstalten mit einem einwohnerstarken Sendegebiet entsprechend geringe Beitragseinnahmen. Diesem Effekt wirkt, zumindest teilweise, der ARD-interne Finanzausgleich entgegen, von dem der SR und Radio Bremen profitieren.

Die finanziell größte Einsparung beim neuen SR-Sparpaket bringt die Entscheidung der Rundfunkanstalt, ab 2018 nicht mehr das Pop-Festival „Halberg Open Air“ zu veranstalten. Das Festival – das seine Premiere im Jahr 1981 unter dem Namen „Schüler-Ferien-Fest“ hatte und seither stets am letzten Schultag vor den Sommerferien im Saarland stattfindet – kostete den SR jährlich rund 350.000 Euro. Der Gesamtetat des Festivals beläuft sich auf zirka 400.000 Euro, wovon bisher 50.000 Euro durch Sponsoring-Erlöse refinanziert wurden. Beim „Halberg Open Air“, das sich – wie am ursprünglichen Namen erkennbar – an Schüler richtet, gibt es keine Eintrittsgebühr.

Am 30. Juni fand die letzte Ausgabe des Festivals statt, die vom SR veranstaltet wurde. Derzeit laufen Verhandlungen darüber, das Festival fortzuführen – etwa mit einer anderen saarländischen Stadt als neuem Veranstalter. Der SR würde sich bei dem Nachfolge-Festival dann nach den derzeitigen Planungen nur noch um die Organisation der auftretenden Bands kümmern.

Hörspieletat wird reduziert

Teil des Zehn-Punkte-Sparpakets ist ferner die Einstellung bzw. Reduzierung der vom SR produzierten Fernsehsendungen „Reisen in ferne Welten“ (für 3sat) und „Meine Traumreise“ (für das gemeinsam mit dem Südwestrundfunk betriebene Dritte Programm SWR Fernsehen). Gekürzt werden auch die Budgets der Hörfunkprogramme SR 1, SR 2 Kulturradio und SR 3 Saarlandwelle. In der Folge wird es künftig in den drei Programmen auch am Nachmittag zur vollen Stunde einheitliche Nachrichten geben. Bereits im werktäglichen Abendprogramm sowie samstags und sonntags sind in den drei Programmen einheitliche Nachrichten zu hören, die von der zentralen Hörfunk-Nachrichtenredaktion des SR produziert werden. Bei SR 2 Kulturradio betreffen die Einschnitte außerdem den Hörspieletat des Programms. Das bedeutet, dass es ab 2018 nur jährlich noch vier und nicht mehr sechs Hörspielneuproduktionen des SR geben wird.

Einsparungen hat der Saarländische Rundfunk außerdem bei der ‘Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern’ vorgesehen, das vom SR gemeinsam mit dem SWR getragen wird. In Abstimmung mit dem SWR sei entschieden worden, dass das Orchester ab dem Jahr 2019 rund 100.00 Euro einsparen müsse, gab der SR bekannt. Als Reaktion auf diese Kürzungen erklärte Karel Mark Chichon seinen sofortigen Rücktritt als Chefdirigent des Orchesters. Ende Juli wäre Chichons Vertrag allerdings ohnehin ausgelaufen. Bereits im September 2016 war als neuer Chefdirigent der ‘Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern’ Pietari Inkinen vorgestellt worden. Inkinen wird ab August 2017 für vier Spielzeiten die Leitung des Orchesters übernehmen.

07.07.2017 – vn/MK