Die NDR-Journalistin Patricia Schlesinger wird ab Juli 2016 neue Intendantin des RBB

15.04.2016 •

Patricia Schlesinger, Fernsehjournalistin beim Norddeutschen Rundfunk (NDR), übernimmt beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) am 1. Juli das Amt der Intendantin. Sie wird die Position von Dagmar Reim übernehmen, die dann nach 13-jähriger Leitung den RBB Ende Juni verlässt. Schlesinger wurde am 7. April vom RBB-Rundfunkrat in dessen Sitzung in Potsdam zur neuen Senderchefin gewählt, und zwar für die Dauer von fünf Jahren. Sie konnte sich gegen den zweiten Kandidaten Theo Koll, Leiter des ZDF-Studios Paris, durchsetzen. Die Entscheidung fiel, wie der RBB mitteilte, im sechsten Wahlgang, in dem Schlesinger die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit erhielt. In diesem Wahlgang stimmten in dem 29-köpfigen Gremium dem Vernehmen nach 22 Mitglieder für Schlesinger und sieben für Koll.

Im ersten Wahlgang hatten beide Kandidaten praktisch gleichauf gelegen: Schlesinger bekam 15 Stimmen, 14 erhielt Koll. Dieses Stimmenergebnis zeigte, dass sich dem Rundfunkrat zwei durchaus gleichwertige Personen für das Spitzenamt präsentierten. Auch in den weiteren Runden lag Schlesinger vorne (zumeist mit einigen Stimmen, außer im vierten Wahlgang, in dem wieder 15 Rundfunkratsmitglieder für Schlesinger und 14 für Koll votierten). In der sechsten Runde erhielt dann schließlich die NDR-Journalistin die notwendige Mehrheit. Laut dem RBB-Staatsvertrag ist die Person zum Intendanten bzw. zur Intendantin gewählt, die im Rundfunkrat eine Mehrheit von zwei Dritteln der abgegebenen Stimmen erhält. Da alle Rundfunkratsmitglieder an der Wahl teilnahmen, waren somit mindestens 20 Stimmen nötig.

Der sechste Wahlgang entscheidet

Die Spitzenposition beim RBB mit seinen Standorten in Berlin und Potsdam musste neu besetzt werden, weil Intendantin Dagmar Reim die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt am 30. Juni dieses Jahres vorzeitig verlässt. Ende November 2015 hatte die 64-jährige Reim ihren Rückzug angekündigt und dafür ausschließlich private Gründe angeführt (vgl. MK-Meldung). Reim übernahm im Mai 2003 die Leitung des Rundfunks Berlin-Brandenburg, der damals aus der Fusion von Sender Freies Berlin (SFB) und Ostdeutschem Rundfunk Brandenburg (ORB) entstanden war.

Dagmar Reim war bei ihrer Wahl zur RBB-Intendantin die erste Frau, die in Deutschland an die Spitze einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt rückte. Zuvor hatte sie beim Norddeutschen Rundfunk gearbeitet, zuletzt als Direktorin des NDR-Landesfunkhauses Hamburg. Im Mai 2007 wurde Reim zum ersten und im Juni 2012 zum zweiten Mal als Intendantin bestätigt. Ihre dritte Amtsperiode als RBB-Senderchefin begann am 1. April 2013 und hätte noch bis Ende März 2018 gedauert. Den RBB wird Reim somit rund zwei Jahre vor Ablauf ihrer dritten Amtsperiode verlassen.

Die künftige RBB-Intendantin Patricia Schlesinger, geboren am 14. Juli 1961 in Hannover, arbeitet seit 1988 beim NDR. Damit kommt nun zum zweiten Mal die RBB-Chefin vom Norddeutschen Rundfunk. Beim NDR, bei dem sie ein Volontariat absolvierte, begann Schlesinger als Reporterin beim ARD-Politmagazin „Panorama“, das der NDR fürs Erste Programm zuliefert. Später war sie ARD-Fernsehkorrespondentin in Singapur. Anschließend übernahm sie die Moderation von „Panorama“ und arbeitete als Redakteurin in der NDR-Auslandsredaktion Fernsehen, deren Chefin sie dann 1999 wurde. Im Jahr 2001 ging Schlesinger als ARD-Fernsehkorrespondentin nach Washington. Nach ihrer Rückkehr zum NDR stieg sie dort zur Leiterin der Programmgruppe ‘Ausland und Aktuelles’ auf. 2006 übernahm sie die Leitung der Programmgruppe ‘Dokumentation und Reportage’. Seit Mai 2007 steht die heute 54-jährige Schlesinger an der Spitze des NDR-Programmbereichs ‘Kultur und Dokumentation’.

RBB Fernsehen im Fokus

Nach ihrer Wahl zur neuen RBB-Intendantin erklärte Patricia Schlesinger in Potsdam: „Es war ein langes Warten und auch ein Bibbern, es kam mir vor wie Tage. Ich bin sehr froh, die neue Intendantin des RBB zu sein. Und ich schaue dieser Aufgabe mit großer Spannung und großer Freude entgegen. Ich hoffe, wir werden uns gemeinsam sehr dafür einsetzen, dass der RBB noch stärker und das Programm noch besser wird.“

Schlesinger bedankte sich beim Rundfunkrat für die Wahl und hob außerdem die Leistungen von Dagmar Reim als RBB-Gründungsintendantin hervor. Reim habe „einen großartigen Job gemacht – in schwierigen Zeiten dieses Senders“. Zu ihren eigenen Plänen für die künftige Ausrichtung des RBB wollte sich Schlesinger zu diesem Zeitpunkt nicht näher äußern. Dies werde sie nach der Amtsübernahme machen. Sie verwies aber darauf, dass sie in ihrer Präsentation dem Rundfunkrat auch zu Strukturfragen beim RBB ihre Überlegungen geschildert habe: Ihre Ausführungen hätten dabei „natürlich viel mit dem RBB Fernsehen zu tun“ gehabt, so Schlesinger. Damit dürfte sie letztlich insbesondere darauf angespielt haben, dass sie sich nicht damit zufrieden geben will, dass das RBB Fernsehen beim Publikumszuspruch im Vergleich zu den übrigen Dritten Programmen der ARD auf dem letzten Platz rangiert.

Die Rundfunkratsvorsitzende Friederike von Kirchbach (Evangelische Kirche) nannte die Wahl von Patricia Schlesinger „eine gute Nachricht für den RBB“. Schlesinger stehe „für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der RBB kann sich auf eine versierte Medienmanagerin und profilierte Journalistin an seiner Spitze freuen“. Die ARD-Vorsitzende Karola Wille, Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), gratulierte Patricia Schlesinger im Namen des Senderverbundes zur Wahl als RBB-Intendantin: „Für Ihr neues Amt wünsche ich Ihnen einen guten Start, ein erfolgreiches Miteinander mit den Kolleginnen und Kollegen sowie einen fruchtbaren Dialog mit der Gesellschaft über Relevanz und Akzeptanz unserer Angebote.“ Die Wahl von Patricia Schlesinger zur neuen RBB-Chefin bedeutet nun, dass auch über Juni dieses Jahres hinaus zwei der insgesamt neun ARD-Anstalten von Frauen geleitet werden.

Volker Herres zieht Kandidatur zurück

Das Verfahren zur Neubesetzung der Spitzenposition beim RBB war mit der öffentlichen Ausschreibung der Stelle gestartet worden. Insgesamt gingen 28 Bewerbungen ein, darunter auch eine von zwei Frauen, die sich gemeinsam auf den Führungsposten bewarben. Von den Bewerbungen wurde von der vom Rundfunkrat eingesetzten Findungskommission keine als geeignet betrachtet, um sie im weiteren Verfahren zu berücksichtigen. Die zehnköpfige Findungskommission unter der Leitung der RBB-Rundfunkratsvorsitzenden Friederike von Kirchbach hatte auch die Möglichkeit, von sich aus nach geeigneten Kandidaten zu suchen und Personen anzusprechen.

Drei Kandidaten aus dem RBB – Programmdirektorin Claudia Nothelle, Verwaltungsdirektor Hagen Brandstäter, der zugleich stellvertretender RBB-Intendant ist, und Justiziar Reinhart Binder – wurden letztlich von der Findungskommission nicht berücksichtigt (vgl. MK-Meldung). Als externe Kandidaten im Gespräch waren unter anderem Christine Strobl, Geschäftsführerin der ARD-Filmtochter Degeto, Bettina Schausten, Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios, und ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab. Von der Findungskommission war schließlich neben Schlesinger und Koll auch noch ARD-Programmdirektor Volker Herres für die letzte Runde nominiert worden. Herres zog dann aber seine Kandidatur für den RBB-Intendantenposten zurück.

15.04.2016 – MK

Print-Ausgabe 23/2019

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