ARD, ZDF und Deutschlandradio wollen Kooperation mit der Deutschen Welle ausbauen

16.09.2016 • ARD, ZDF, Deutschlandradio und Deutsche Welle (DW) wollen nach einer zweijährigen Testphase ihre Kooperation beim Auslandsrundfunk fortentwickeln. Das geht aus einem Erfahrungsbericht der beteiligten Anstalten über ihre im Jahr 2014 erweiterte Zusammenarbeit hervor, der vor kurzem den Ministerpräsidenten der Bundesländer und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorgelegt wurde. In diesem Bericht, den die Deutsche Welle der MK auf Nachfrage übermittelte, heißt es: „In der zweijährigen Testphase hat sich gezeigt, dass die Intensivierung der Kooperation zwischen den ARD-Landesrundfunkanstalten, dem ZDF, dem Deutschlandradio und der DW zur Stärkung der medialen Außendarstellung Deutschlands beiträgt und der richtige Weg ist, der weiter beschritten werden sollte.“

Im April 2014 hatten sich die Intendanten der Sendeanstalten darüber verständigt, versuchsweise die bereits bestehende Zusammenarbeit auszuweiten. Vereinbart wurde unter anderem, dass die Auslandsrundfunkanstalt Deutsche Welle auf mehr Programminhalte der Inlandssender zugreifen kann als bisher, „auf Wunsch der Deutschen Welle im Ausnahmefall auch auf fiktionale Fernsehprogramme“. Festgelegt wurde auch, „die gemeinsame Herstellung von Fernsehsendungen“ zu erproben, die „entsprechend dem jeweiligen Auftrag sowohl bei den ARD-Landesrundfunkanstalten und dem ZDF als auch in angepasster Form in den Auslandsprogrammen der Deutschen Welle gesendet werden können“. Die Inlandssender, so wurde es vereinbart, „unterstützen im Rahmen der jeweiligen Gegebenheiten, dass ihre Auslandskorrespondenten für die Deutsche Welle tätig und Auslandsstudiokapazitäten genutzt werden können“.

Zusammenarbeit beim Auslandsfernsehen

Dieser Ausbau der Kooperation zwischen ARD, ZDF, Deutschlandradio und DW geht zurück auf einen Beschluss der Bundesregierung und der Bundesländer vom Juni 2013 (vgl. FK-Heft Nr. 25/13). Die Deutsche Welle fällt in den Kompetenzbereich des Bundes, der die Auslandsrundfunkanstalt aus Steuergeldern finanziert; die Länder sind rundfunkpolitisch für ARD und ZDF zuständig, deren Betrieb über den allgemeinen Rundfunkbeitrag bezahlt wird. Eine Finanzierung der Deutschen Welle aus Rundfunkbeitragsgeldern ist aufgrund der Gesetzgebung nicht zulässig.

Bund und Länder hatten in ihrem damaligen Beschluss zum einen dafür plädiert, dass die Deutsche Welle „in deutlich größerem Umfang als bisher Programminhalte von den Landesrundfunkanstalten der ARD, ZDF und Deutschlandradio nutzen“ kann. Zum anderen wollte die Politik erreichen, dass die beteiligten Anstalten eine Produktionsgemeinschaft aufbauen, um zusammen Programminhalte herzustellen. Die Sender wurden von der Politik aufgefordert, nach der Testphase „einen gemeinsamen Erfahrungsbericht“ über ihre erweiterte Zusammenarbeit vorzulegen.

Laut diesem Bericht hat die Deutsche Welle in ihrem deutschsprachigen Fernsehprogramm während des Testzeitraums wöchentlich 13 feste Sendeformate der ARD und 12 des ZDF übernommen, darunter neben Talkformaten wie „Anne Will“ (ARD) und „Maybrit Illner“ (ZDF) auch Magazine wie „Bericht aus Berlin“ (ARD) und „Berlin direkt“ (ZDF) sowie Gottesdienst-Übertragungen des ZDF. Die Deutsche Welle strahlte im Rahmen der Kooperation insgesamt rund 1300 Sendungen von ARD und ZDF pro Jahr aus. Durch die vertiefte Kooperation ist es den ARD-Anstalten und dem ZDF seit Juli 2014 auch möglich, von der Deutschen Welle hergestellte Sendungen und produziertes Ausschnittmaterial kostenfrei zu übernehmen. Davon macht dem Bericht zufolge die ARD in ihren Programmen deutlich stärker Gebrauch als das ZDF.

Mit dem Deutschlandradio kooperiert die DW schwerpunktmäßig „im Bereich Audiovisual/Online“. So werden beispielsweise Gesprächssendungen aus den Deutschlandradio-Programmen per Video aufgezeichnet, um dadurch auch eine TV- und Online-Verwertung durch die Deutsche Welle zu ermöglichen. Fiktionale Sendungen von ARD und ZDF hat die Deutsche Welle im Rahmen der Kooperation bisher nicht eingesetzt. Die Auslandsrundfunkanstalt geht davon aus, dass dies künftig höchstens in Ausnahmefällen in Betracht kommen dürfte. Anfang 2017 ändert die DW die inhaltliche Ausrichtung ihres deutschsprachigen Fernsehprogramms: Anstelle des bisher nachrichtenorientierten Profils liegt hier der Schwerpunkt dann auf Kultur (vgl. MK-Meldung).

Fehlendes Geld bei der Deutschen Welle

Laut dem Erfahrungsbericht hat die Deutsche Welle im vorigen Jahr für ihre Fremdsprachenprogramme überwiegend „Klammerteil- und Begleitmaterial aus fast allen aktuellen und politischen Formaten der Inlandssender“ für ihre eigenen Sendungen genutzt. 2015 habe der Auslandssender im Übrigen deutlich öfter bei ARD und ZDF wegen Übernahmen von Dokumentationen und Reportagen mit aktuellem und gesellschaftspolitischem Hintergrund angefragt. Aus finanziellen Gründen jedoch könne die Deutsche Welle nur selten solche Sendungen übernehmen. Dies hängt dem Bericht zufolge damit zusammen, dass die DW die internationalen Verwertungsrechte nacherwerben müsste, wofür sie vielfach nicht ausreichend Geld habe. Aus diesem Grund sei es beispielsweise für Deutsche Welle nicht möglich gewesen, die vom ZDF produzierte Reihe „Die Deutschen“ weltweit auszustrahlen.

Vor diesem Hintergrund wird es in dem Erfahrungsbericht der Anstalten als Hindernis ausgemacht, „dass für die von den Regierungschefs begrüßte Intensivierung der Kooperation zum Zwecke der weiter verbesserten medialen Außendarstellung Deutschlands keine zusätzlichen Mittel für Rechtenacherwerb zur Verfügung gestellt wurden“. Die Pläne der Bundesregierung für ein neues Urhebervertragsrecht würden außerdem einen „Rechtenacherwerb durch die DW nicht erleichtern, sondern im Gegenteil massiv erschweren“. Gemäß der aktuellen Fassung des Gesetzentwurfs zum Urheberrecht würden die öffentlich-rechtlichen und privaten Sender wie auch die Verlagsbranche nachteilig getroffen werden, heißt es in dem Bericht.

Im Bereich der Koproduktionen arbeitet die Deutsche Welle bereits seit Jahren mit verschiedenen ARD-Anstalten und dem ZDF zusammen. 2015 sei diese Kooperation „durch eine vermehrte Beteiligung der DW intensiviert“ worden, so wird in dem Bericht vermerkt, etwa unter Verweis auf die 12-Stunden-Dokumentation „Deutschland – Dein Tag“ (ARD 2015) und auf Projekte mit der ZDF-Redaktion „Terra X“. Aber „eine noch stetigere Intensivierung der Koproduktionen“ scheitere „häufig ebenfalls an fehlenden finanziellen Mitteln der DW“, heißt es in diesem Zusammenhang weiter.

In dem Erfahrungsbericht wird darauf verwiesen, dass die von der Deutschen Welle verbreiteten Programmangebote für das Ausland „in langfristiger Perspektive noch besser geleistet werden“ könnten, wenn ARD, ZDF und das Deutschlandradio ihre Kooperationsanteile erbrächten und „der Bund die Finanzierung der DW weiter verbessert“. Im Februar 2015 hatte sich die Bundesregierung von CDU/CSU und SPD darauf verständigt, den Etat der Deutschen Welle in den Jahren 2016 und 2017 aufzustocken. In diesem Jahr beläuft sich das DW-Budget auf 302 Mio Euro, die vom Bund als Grundzuschuss und Projektfördergelder gezahlt werden (vgl. diese MK-Meldung).

16.09.2016 – vn/MK

Print-Ausgabe 25-26/2018

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