Andreas Mayer‑Lauber neuer Vorsitzender des WDR‑Rundfunkrats, zwei Ex-WDR-Mitarbeiter nun in dem Gremium

09.12.2016 •

09.12.2016 • Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender des Landesbezirks Nordrhein-Westfalen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), ist neuer Vorsitzender des WDR-Rundfunkrats. Der 64-Jährige wurde am 2. Dezember in der konstituierenden Sitzung des Gremiums für die neue fünfjährige Amtsperiode mit großer Mehrheit gewählt. Im Vorfeld der Sitzung war bereits bekannt geworden, dass Meyer-Lauber den Vorsitz übernehmen solle (vgl. MK-Meldung). Für Meyer-Lauber stimmten in der Sitzung in Köln insgesamt 50 Mitglieder; fünf Mitglieder votierten gegen ihn. Zudem gab es vier Enthaltungen. Einer der insgesamt 60 Sitze im WDR-Rundfunkrat ist noch nicht besetzt, denn der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) hat seinen Vertreter noch nicht benannt. Die Wahl der beiden stellvertretenden Rundfunkratsvorsitzenden soll in der nächsten Sitzung stattfinden, die für den 19. Dezember in Köln angesetzt ist.

Sein wichtigstes Ziel als neuer Rundfunkratsvorsitzender sei es, so Meyer-Lauber, dem Gremium eine starke Stimme in der Debatte um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu geben. „Langfristig bedeutend wird sein, die Legitimation des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu stärken", erklärte Meyer-Lauber laut einer Pressemitteilung des WDR-Rundfunkrats. Dazu müsse sich das Gremium „intensiv und systematisch damit auseinandersetzen, wie der WDR seinen Programmauftrag zukunftsfest weiterentwickelt“.

Andreas Meyer-Lauber neuer Vorsitzender

Seit September 2010 ist Andreas Meyer-Lauber, der SPD-Mitglied ist, Vorsitzender des DGB-Landesbezirks Nordrhein-Westfalen. In diesem Amt war er im Dezember 2013 für eine vierjährige Periode bestätigt worden, die im Dezember 2017 endet. Bevor der studierte Lehrer den DGB-Landesvorsitz übernahm, war er ab 2004 NRW-Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Von 1980 bis 2004 arbeitete Meyer-Lauber als Lehrer. Dem WDR-Rundfunkrat gehört er seit Oktober 2010 als Vertreter des DGB-Landesbezirks NRW an.

Den WDR-Rundfunkratsvorsitz übernahm Andreas Meyer-Lauber nun von Ruth Hieronymi, die seit Dezember 2009 an der Spitze des Gremiums stand und nicht erneut für den Vorsitz kandidierte. Die frühere CDU-Europapolitikerin und NRW-Landtagsabgeordnete hatte im April 2016 angekündigt, sich nicht wieder für den Vorsitz zu bewerben. Die 69-Jährige ist jetzt ganz aus dem Rundfunkrat ausgeschieden. Hieronymi gehörte dem Gremium ab 1991 und damit insgesamt 25 Jahre lang an. Als der WDR in den Jahren 2011 und 2012 den ARD-Vorsitz innehatte, war Ruth Hieronymi Vorsitzende der Gremienvorsitzendenkonferenz (GVK) der ARD.

Mit den nun insgesamt 60 Mitgliedern gehören dem WDR-Rundfunkrat in der neuen Amtsperiode elf Personen mehr an als in der vorherigen Periode. Von den bislang benannten 59 Mitgliedern gehörten 25 dem Rundfunkrat bereits zuvor an. 34 Mitglieder sind neu in dem Gremium, wobei einige von ihnen in den vergangenen Jahren bereits stellvertretende Rundfunkratsmitglieder waren (in dem Gremium hat jedes Mitglied einen Stellvertreter). Die nordrhein-westfälische Regierungskoalition von SPD und Grünen hatte im Januar 2016 eine Novelle des WDR-Gesetzes verabschiedet, mit der unter anderem die Mitgliederzahl des Rundfunkrats deutlich vergrößert wurde.

Mehrere Organisationen erhielten durch die Gesetzesnovelle einen eigenständigen festen Rundfunkratssitz. Außerdem vergab der NRW-Landtag über ein Ausschreibungsverfahren sieben für zunächst fünf Jahre befristete Sitze an Verbände, die bisher nicht in dem Gremium vertreten waren. Überdies sind im Rundfunkrat nun auch zwei Personen, die keine Verbandsinteressen vertreten, als Mitglieder dabei. Sie waren im September dieses Jahres vom damaligen Rundfunkrat nach einem Bewerbungsverfahren gewählt worden (vgl. diese MK-Meldung und diese MK-Meldung).

Jürgen Bremer und Heribert Stratmann

Dem neu zusammengesetzten Rundfunkrat des öffentlich-rechtlichen Senders gehören nun erstaunlicherweise auch zwei ehemalige fest angestellte Mitarbeiter des WDR an. Dabei handelt es sich um Jürgen Bremer und Heribert Stratmann. Bremer, 68, arbeitete beim WDR ab 1987 unter anderem als stellvertretender Leiter der Pressestelle. 1999 wechselte der studierte Jurist zum von ARD und ZDF veranstalteten Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix. Bei dem in Bonn angesiedelten Sender, für den auf ARD-Seite der WDR zuständig ist, war Bremer ab 2008 bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2013 auch stellvertretender Programmgeschäftsführer.

Dem WDR-Rundfunkrat gehört Jürgen Bremer nun als Vertreter der Deutschen Initiative für den Nahen Osten (DINO) an, dem vom NRW-Landtag für zunächst fünf Jahre ein Rundfunkratssitz zugesprochen wurde. Bremer ist seit April 2016 Vorsitzender der Initiative, die ihren Sitz in Münster hat und 2006 gegründet wurde. Seit 2011 ist Jürgen Bremer auch Honorarprofessor für Medienrecht an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin. Zudem ist Bremer nach eigener Darstellung Geschäftsführer der in Köln ansässigen Firma ProMon (Produktion, Monitoring, Beratung).

Heribert Stratmann arbeitete von 1980 bis 2015 für den WDR. Bei der Rundfunkanstalt begann der Elektromeister als Techniker in der Abteilung Sendebetriebstechnik (heute: Programmverbreitung). Ab 1987 engagierte sich Stratmann beim WDR-Personalrat. Im Juli 1996 wurde er hauptamtliches Personalratsmitglied; zugleich wurde er damals von seiner vorherigen Tätigkeit im WDR freigestellt. Vier Jahre später stieg er zum ersten stellvertretenden Personalratsvorsitzenden auf.

Im April 2003 wurde Heribert Stratmann dann zum Vorsitzenden des WDR-Personalrats gewählt, in dieser Funktion wurde er in den folgenden Jahren dreimal bestätigt, zuletzt im Jahr 2012. Ab Juli 2000 gehörte Stratmann als Personalratsvertreter auch dem WDR-Verwaltungsrat an. Aus dem neunköpfigen Verwaltungsrat – dem zwei Vertreter des Personalrats angehören – war Stratmann mit seiner Pensionierung Ende Oktober 2015 ausgeschieden. Im WDR-Rundfunkrat sitzt er nun als Vertreter des NRW-Landesbezirks der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi (Fachgruppe Medien, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk).

09.12.2016 – vn/MK