Ausgezaubert?

WDR-Rundfunkrat stoppt ARD-Verfilmung der Lebensgeschichte von Siegfried und Roy

Von Volker Nünning
08.06.2019 •

Mit ihren Zauberkünsten haben die beiden Magier Siegfried und Roy Millionen Menschen begeistert. Ihre Shows in Las Vegas mit den weißen Tigern hatten insgesamt über 25 Millionen Besucher. Doch die Weltkarriere der beiden Deutschen wurde im Jahr 2003 jäh beendet, als Roy während einer Show in Las Vegas durch einen der Tiger lebensgefährlich verletzt wurde; seitdem ist er halbseitig gelähmt. Im Jahr 1960 hatten sich Siegfried Fischbacher und Roy Uwe Ludwig Horn auf einem Kreuzfahrtschiff kennengelernt, wo sie gemeinsam in Zaubershows auftraten. Sie konzipierten in der Folge gemeinsame Shows. 1966 gelang Siegfried und Roy, die auch Lebenspartner wurden, der internationale Durchbruch. Ab 1990 zeigten sie dann ihre spektakuläre Bühnenshow in Las Vegas. Für die ARD sollte die Lebensgeschichte der beiden weltbekannten Deutschen als Serie verfilmt werden. Doch nun stoppte der WDR-Rundfunkrat das Projekt.

Der Verfilmung ihrer Lebensgeschichte hatten Siegfried und Roy im Jahr 2016 zugestimmt. Fernsehproduzent Nico Hofmann gelang es damals, von beiden die Zusage dafür zu erhalten, nachdem die beiden Zauberkünstler zuvor entsprechende Anfragen anderer Produzenten und Regisseure stets abgelehnt hatten. Hofmann, Vorstandsvorsitzender der Ufa-Gruppe, erklärte seinerzeit, für ihn gehe in der Zusammenarbeit mit Siegfried und Roy „ein lang gehegter Traum in Erfüllung“. Es gehe nicht nur um „die Geschichte zweier Deutscher, die zu Weltstars wurden“, sondern vor allen auch um „das Eintauchen in die Welt der Magie“.

Eine Produktion der Ufa Fiction

Die Produktionsfirma Ufa Fiction verpflichtete im Jahr 2016 für die Verfilmung der Lebensgeschichte von Siegfried, der am 13. Juni seinen 80. Geburtstag feiert, und Roy, der 74 Jahre alt ist, ein bewährtes Gespann: Philipp Stölzl als Regisseur und Jan Berger als Drehbuchautor. Hofmann, Stölzl und Berger arbeiteten unter anderem bereits bei der Verfilmung des Bestsellers „Der Medicus“ (2013) zusammen. Für die Umsetzung des TV-Projekts „Siegfried und Roy“ gewann Hofmann die ARD-Filmtochter Degeto. Ins Boot geholt wurden auch alle ARD-Landesrundfunkanstalten. „Siegfried und Roy“ wurde als Event-Serie mit sechs Folgen à 45 Minuten für eine Primetime-Ausstrahlung um 20.15 Uhr konzipiert. Als Sendetermin im Ersten Programm wurde die Zeit um den Jahreswechsel 2020/21 in den Blick genommen.

Doch das Millionenprojekt „Siegfried und Roy“ ist nun gestoppt worden. Der Rundfunkrat des WDR hat in seiner Sitzung am 4. Juni beschlossen, der WDR dürfe sich an der Finanzierung der „aufwändigen sechsteiligen Serie“ nicht beteiligen. „Dem Rundfunkrat lagen die Konditionen vor, nach denen sich der WDR an der Koproduktion der ARD-Tochter Degeto hätte beteiligen sollen. Nach kontroverser Diskussion im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung lehnte das Gremium den Vertrag u.a. aus Kostengründen ab“, teilte der WDR-Rundfunkrat am 6. Juni mit. Weitere Angaben machte das Gremium nicht. Jürgen Bremer, Mitglied im WDR-Rundfunkrat und früherer Mitarbeiter des ARD/ZDF-Spartensenders Phoenix, twitterte am 7. Juni: „Süßstoff-Serie scheitert im #WDR-Rundfunkrat. Gremium lehnt die auch kostenmäßig opulente Verfilmung der Lebensgeschichte von Roy und Siegfried ab.“

Erstmals, zumindest in der jüngeren Vergangenheit, stoppte der WDR-Rundfunkrat mit seiner Entscheidung zu „Siegfried und Roy“ nun ein für das Erste vorgesehenes Programmprojekt. „Da der WDR als größte Landesrundfunkanstalt auch finanziell den größten Anteil aller ARD-Sender an der Produktion getragen hätte, bedeutet dies auch das Aus für das Projekt“, teilte der WDR am 7. Juni gegenüber der MK mit. Weiter heißt es in dem schriftlichen Statement: „Angesichts der derzeit unklaren finanziellen Ausstattung und Beauftragung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kann der WDR zwar nachvollziehen, dass sein Rundfunkrat sich gegen die Umsetzung des ARD-Filmprojekts 'Siegfried und Roy' entschieden hat, bedauert dies aber und steht nach wie vor hinter dem Projekt.“

Degeto: Eine enttäuschende Entscheidung

WDR-Intendant Tom Buhrow unterstreicht laut dem Statement des Senders die Relevanz des Programmvorhabens: „Die menschliche und gesellschaftspolitische Story von Siegfried und Roy hätte unsere Zuschauer auf höchstem filmischen Niveau begeistert: Zwei homosexuelle junge Männer ohne Geld glauben an ihren Traum, setzen sich über Vorurteile hinweg und überwinden alle Hindernisse.“

Degeto-Geschäftsführerin Christine Strobl wird in der WDR-Stellungnahme zu „Siegfried und Roy“ wie folgt zitiert: „Wir haben viel Energie, Begeisterung und Ideen in dieses Projekt gesteckt. Nach zwei Jahren intensiver Entwicklungsarbeit und so nahe der Realisierung bin ich von dieser Entscheidung überrascht und natürlich sehr enttäuscht, auch weil wir für die ARD ein sehr besonderes Event-Programm verlieren, um das wir sehr gekämpft haben. Es ist wirklich schade – nicht nur für alle Kreativen und Produzenten in Deutschland, sondern vor allem für das Publikum des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Wir müssen uns jetzt mit den Produzenten zusammensetzen und schauen, wie wir mit dieser schwierigen Situation umgehen.“

08.06.2019/MK