SWR-Produktion „Dshan“ ist Hörspiel des Monats September

07.10.2015 •

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat das Stück „Dshan“ von Lothar Trolle zum Hörspiel des Monats September gewählt. Trolle hatte Anfang der Nuller Jahre den Theatertext „Dshan“ nach Motiven der gleichnamigen, 1935 entstandenen Novelle von Andrej Platonow geschrieben (Übersetzung aus dem Russischen: Alfred Frank). In diesem Jahr hat Trolle den Text gemeinsam mit Regisseur Walter Adler für die Hörspielredaktion des SWR überarbeitet (Komposition: Pierre Oser, Dramaturgie: Andrea Oetzmann). Das 77-minütige Stück „Dshan“ wurde am 20. September um 18.20 Uhr im Programm SWR 2 erstausgestrahlt. Zur Begründung ihrer Wahl schrieb die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste:

«„Ich habe für mich mal formuliert, dass jedes Stück einen Beitrag zur Entwicklung der deutschen Sprache leisten müsste, sonst ist es unwichtig“, so Lothar Trolle in einem Interview für „Theater der Zeit“ von 2009. Das ist ihm zweifellos in dem Stück „Dshan“ gelungen: sprachgenau, präzise in den Metaphern, stark in unverbrauchten Bildern entwickelt Trolle aus dem mystischen Stoff der gleichnamigen Novelle von Andrej Platonow einen wortgewaltigen Erzählstrom. In dessen Mittelpunkt steht der junge Ingenieur Nasar: Er hat den Auftrag übernommen, das zersprengte dem Tod geweihte Wüstenvolk „Dshan“ nach Hause zurückzuführen.

Dem Inhalt angemessen und meisterhaft im Handwerk haben Walter Adler und sein Studioteam die literarische Vorlage für den Funk eingerichtet und umgesetzt. Die Unerschütterlichkeit, mit der Hans-Michael Rehberg als Erzähler eine scheinbar erratische Geschichte präsentiert, die hochkarätige Besetzung aller weiteren Stimmen, der pausenlose, präzise Schnitt, der schnelle atemlose Wechsel zwischen den verschiedenen Stimmen, Erzählebenen und Hörbildern, die sparsamen, aber bedacht eingesetzten Gesangseinlagen – besser hätte man die surreal-düsteren Bilder und die Leiden des heimatlosen, getriebenen Nomadenstamms nicht umsetzen können. Ein an die Schmerzgrenze reichender akustischer Marathon, der die eigentlich in einer früheren Welt angesiedelte Handlung angesichts der momentanen Bilder von Flüchtlingsströmen und Armutsmigration seltsam aktuell erscheinen lässt.»

07.10.2015 – MK

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