DAB plus in Nordrhein-Westfalen: LfM fragt Bedarf nach Digitaltechnik ab

23.09.2015 •

In Nordrhein-Westfalen werden seit mehr als zwei Jahren verfügbare Frequenzen zur Verbreitung von Radioprogrammen über den Technikstandard DAB plus nicht vollständig genutzt. Über den landesweiten DAB-plus-Multiplex sendet derzeit nur das Domradio, das vom Bildungswerk der Erzdiözese Köln veranstaltet wird. Seit April 2013 ist das Domradio via DAB plus zu hören. Auf dem Multiplex, den der Westdeutsche Rundfunk (WDR) technisch betreibt, stehen dem Privatfunk eigentlich Frequenzen zur digital-terrestrischen Verbreitung von fünf Programmen zur Verfügung. Vier Plätze werden somit nicht genutzt. Für die Vergabe der Frequenzen ist die Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) zuständig. Auf dem landesweiten DAB-plus-Multiplex (Kanal 5C) verbreitet auch der WDR seine Programme digital-terrestrisch.

Von Frühjahr 2013 bis Ende 2014 war in NRW über DAB plus noch Radio Impala als kommerzieller Anbieter zu hören. Doch dann stellte das in Berlin ansässige Programm – das zu einem großen Teil auch deutschsprachige Wortsendungen des vom russischen Staat finanzierten Auslandssenders „Stimme Russlands“ übernahm – seinen Betrieb ein. Zwei weitere Programme, Mega Radio und Kulturschocker, wollten sich, wie sie im Jahr 2012 gegenüber der LfM erklärt hatten, eigentlich gemeinsam einen Übertragungskanal teilen. Doch auf Sendung gingen beide Programme in Nordrhein-Westfalen über DAB plus in der Folge nicht, obwohl ihnen von der LfM im November 2012 die entsprechende Frequenz zugewiesen worden war.

Ungenutzte Frequenzen

Anfang dieses Jahres erhielt Mega Radio von der LfM grünes Licht dafür, mit einem neuen Konzept in NRW digital-terrestrisch senden zu können. Doch bislang ist Mega Radio in dem Bundesland immer noch nicht über DAB plus zu hören. Die LfM genehmigte im Januar 2015, dass Mega Radio in seinem Programm für Nordrhein-Westfalen auch deutschsprachige Inhalte des russischen Auslandssenders Radio SNA ausstrahlen darf. Radio SNA (Sputnik News Agency) wird von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Rossija Segodnja betrieben und ist unter anderem aus dem Sender „Stimme Russlands“ hervorgegangen, der 2014 umbenannt und organisatorisch neu aufgestellt wurde. Aufgrund dieser Veränderungen erlosch Ende 2014 auch die Kooperation des russischen Senders mit Radio Impala in Deutschland, was in der Konsequenz zum Aus von Radio Impala führte.

Die landesweiten DAB-plus-Frequenzen in NRW stehen dem Privatfunk im Rahmen eines Pilotversuchs nur noch bis zum 31. Dezember 2015 zur Verfügung. Angesichts des nahenden Auslaufens des Tests will die LfM nun von Radiosendern erfahren, ob sie an einer DAB-Plus-Verbreitung von Programmen über das Jahr 2015 hinaus – dann im Rahmen eines Regelbetriebs – interessiert sind. Bis zum 24. September können sich Hörfunkstationen oder Unternehmen, die künftig ein landesweites, regionales oder lokales Programm auf DAB plus in Nordrhein-Westfalen verbreiten wollen, noch bei der LfM melden.

Gleiches gilt für Unternehmen, die in dem Bundesland über einen Plattformbetrieb die Verbreitung von kommerziellen Programmen via DAB plus übernehmen wollen. Daran wären aus wirtschaftlichen Gründen Sendenetzbetreiber wie etwa Media Broadcast sicherlich nur interessiert, wenn es dann auch ausreichend Bewerber für eine digital-terrestrische Verbreitung gibt. Die LfM geht nach dem derzeitigen Stand der Dinge davon aus, dass für eine künftige Ausstrahlung von privaten Radioprogrammen in NRW ein eigener Multiplex zur Verfügung stehen wird (Frequenzblock 9D). Darüber könnten dann bis zu 14 Programme verbreitet werden. Stellt sich indes durch die Abfrage heraus, dass es nur einen geringen Bedarf an einer DAB-plus-Verbreitung gibt, will die Medienanstalt keine entsprechenden Frequenzen mehr vergeben. Das wäre dann ein deutlicher Dämpfer für die DAB-plus-Technik, die im Sommer 2011 hierzulande eingeführt wurde, sich seither aber noch nicht am Markt entscheidend durchsetzen konnte (vgl. MK-Meldung). Damals war ein bundesweiter Multiplex in Betrieb genommen worden, über den derzeit die drei Deutschlandradio-Programme (Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur, DRadio Wissen) und acht private Sender digital-terrestrisch ausgestrahlt werden. In den einzelnen Bundesländern werden weitere Sender über regionale DAB-plus-Multiplexe verbreitet.

Kein Digitalisierungskonzept für Lokalfunk

Zuletzt wurden die Bemühungen verstärkt, DAB plus voranzubringen, um auf lange Sicht den Übergang von UKW auf Digitalradio zu erreichen. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur initiierte ein „Digitalradio-Board“, in dem alle Marktbeteiligten sowie mehrere Bundesländer und Aufsichtsbehörden vertreten sind (vgl. MK-Meldung). Um einen Umstieg auf DAB plus in Nordrhein-Westfalen nach vorne zu bringen, müsste dort auch der kommerzielle Lokalfunk mit einbezogen werden, der vor 25 Jahren über das Zwei-Säulen-Modell (Trennung von Programmverantwortung und Finanzierung) eingeführt wurde. Ein Konzept, wie die heute 44 NRW-Lokalstationen künftig digital-terrestrisch verbreitet werden können, existiert jedoch nicht. Die rot-grüne Landesregierung, die LfM und auch die Lokalsender, an denen die NRW-Zeitungsverlage beteiligt sind, haben hier keine (gemeinsame) Konzeption vorgelegt.

Der DAB-plus-Pilotversuch wurde von der LfM 2012 auf den Weg gebracht: Im November des Jahres erfolgte die Vergabe der Frequenzen (je eine an das Domradio und Radio Impala sowie die gemeinsame Frequenz an Mega Radio und Kulturschocker). Zwei Kanäle blieben damals bereits frei und ein weiterer, den zunächst Mega Radio/Kulturschocker, später nur Mega Radio erhielt, wurde in der Folge nicht genutzt. Beworben hatte sich bei der LfM damals auch die Regiocast-Gruppe (Leipzig). Sie wollte drei neue Programme mit jeweils unterschiedlichen Musikgenres starten. Gleich drei der fünf Frequenzen wollte die NRW-Medienanstalt aber nicht an Regiocast vergeben, was zur Folge hatte, dass die Radiogruppe ihr Projekt komplett zurückzog (vgl. FK 49/12). Wie sich nun herausgestellt hat, wären die drei Frequenzen für das Regiocast-Projekt technisch verfügbar gewesen.

23.09.2015 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 23/2019

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