Das Stück „Hafen“ von der kanadischen Autorin Mishka Lavigne ist Hörspiel des Monats März

13.04.2019 •

Die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste hat das von der kanadischen Autorin Mishka Lavigne stammende Stück „Hafen“ zum Hörspiel des Monats März gewählt. Es handelt sich um eine Produktion des Saarländischen Rundfunks (SR) in Zusammenarbeit mit dem Sender Deutschlandfunk Kultur (Redaktion: Anette Kührmeyer/SR). Die Ursendung des 86-minütigen Stücks erfolgte am 10. März um 17.04 Uhr im SR 2 Kulturradio (vgl. MK-Kritik). Die beiden Rollen in dem Hörspiel werden von Tanja Schleiff und Nico Holonics gesprochen. Zur Begründung ihrer Entscheidung schreibt die Jury der Akademie:

«Das Hörspiel „Hafen“ von Mishka Lavigne (SR/Deutschlandfunk Kultur, Regie: Anouschka Trocker), ins Deutsche übersetzt aus dem kanadischen Französisch von Frank Weigand, schildert in ironisch-lakonischer Sprache einen dramatischen Bewältigungs- und Selbstfindungsprozess zweier Protagonisten: Elsies Versuch, den tödlichen Autounfall ihrer berühmten (Schriftsteller-)Mutter zu bewältigen, und Matts Streben danach, sich seiner Herkunft aus Bosnien zu vergewissern. Die perfekt ineinander verschränkten Parallelgeschichten (vor allem das scheinbar zufällige Aufeinandertreffen von Matt und Elsie) mit Sarajevo als Referenzpunkt bzw. Motiv erzählen von unbewältigten Verlusterfahrungen und der tastenden Suche nach einer Zukunftsperspektive. Metaphorisch geschickt inszeniert die Autorin diesen Prozess über das surreale Mittel eines Kraters, der sich unvermittelt in Elsies Straße aufgetan hat.

Das intelligent konstruierte Hörspiel überzeugt durch eine Sprache, die bei aller Dramatik stets unprätentiös-realitätsnah bleibt und deren Inszenierung oft mit Gegenschnittvarianten arbeitet: figurales Ich, Dialoge, Off-Kommentare, Spiel mit Hintergrundgeräuschen zur Verdopplung, harte Gegenschnitte zur Verstärkung von Selbst- und Fremdwahrnehmung. Die musikalischen Interpunktionen von Bo Wiget beeindrucken einerseits durch ihre idiomatische Selbständigkeit und unterstützen anderseits die Erzählhandlung in markanter Weise. Die herausragende schauspielerische Qualität der beiden Sprecher hebt zudem dieses Hörspiel auf ein außerordentlich hohes Niveau.»

Eine lobende Erwähnung der Jury ging im Monat März an das Hörspiel „Bilder deiner großen Liebe“ nach dem gleichnamigen, posthum veröffentlichten Romanfragment von Wolfgang Herrndorf (1965-2013). Produziert wurde das Hörspiel vom Bayerischen Rundfunk (BR), Regie führte Sebastian Stern, der auch die Bearbeitung des Buchs für den Funk vornahm. Es handle sich um „ein beeindruckend gestaltetes Hörspiel“, so die Jury: „Die dichte Atmosphäre vermittelt den Roadmovie-Eindruck eindringlich und authentisch, besonders durch die herausragende schauspielerische Leistung von Enea Boschen“. Das 83 Minuten lange Stück wurde am 9. März um 15.05 Uhr im Programm Bayern 2 urgesendet. Die beiden Hörspiele „Bilder deiner großen Liebe“ und „Hafen“ sind in den Mediatheken der jeweiligen Sender weiterhin zum Nachhören abrufbar.

13.04.2019 – MK